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Sendung vom 21.06.2012
Monitor Nr. 635 vom 21.06.2012
Panzer nach Saudi-Arabien?
Miteigentümer des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann sagt Nein
Video in hoher Auflösung
Bericht: Markus Schmidt
Sonia Seymour Mikich: „Gegen Fußball antreten - das fordert heraus. Umso mehr Mühe haben wir uns Mühe gegeben, willkommen! Gleich geht es um Scheidung und Kleidung. Aber wir fangen mit Leo an. Er ist mächtig, er ist potent, er ist begehrt - er ist ein Panzer. Der Leo 2 des deutschen Unternehmens Krauss-Maffei Wegmann. Für den kann man sich auch als Waffen-Muffel sehr interessieren. Er darf nicht in Konfliktregionen geliefert werden, an die Saudis zum Beispiel, bislang nicht. Aber jetzt könnte ein umstrittener Deal mit bis zu 800 Panzern zustande kommen. Und da sagt plötzlich jemand Nein. Markus Schmidt über einen Dammbruch.“
Das ist das Objekt der Begierde, ein Produkt der Firma Krauss-Maffei Wegmann. Seit 30 Jahren will Saudi-Arabien den Leopard unbedingt haben, hat ihn aber bislang nie bekommen. Der Ölstaat liegt in einem Spannungsgebiet, hier herrscht König Abdullah, der foltern lässt und sein Volk unterdrückt. Nun hat die Kanzlerin ihren Segen zu dem Milliardengeschäft gegeben - ein Dammbruch. Von bis zu 800 Panzern ist die Rede.
Aber es gibt Widerstand und der kommt aus einer Ecke, die niemand vermutet hat.
Da outet sich ein Maler und Alt-68er als millionenschwerer Anteilseigner der Rüstungsschmiede Krauss-Maffei Wegmann und zieht öffentlich gegen das Geschäft zu Felde.
Und darüber gerät der Firmen-Patriarch Manfred Bode in Rage. Letztes Wochenende wurden harte Konsequenzen gezogen. Es ist eine ungewöhnliche Geschichte über Moral und Milliarden - eine Familiengeschichte. Denn Familien kontrollieren als Eigentümer die Panzerschmiede. Vor allem die Bodes und die Braunbehrens. Die Bodes bestimmten hier am Stammsitz in Kassel seit Jahrzehnten die Geschäftspolitik. Manfred Bode leitet zurzeit den Aufsichtsrat. Die Braunbehrens blieben im Hintergrund als Teilhaber, die im Stillen mitverdienten. Es galt immer das eherne Gesetz „absolute Diskretion, keine Interviews“.
Er hat nun damit gebrochen. Wir treffen Burkhart Braunbehrens, der bis vor kurzem im Auftrage seiner Familie im Aufsichtsrat die Geschicke von Krauss-Maffei Wegmann mit überwachte. Er kritisiert nun öffentlich den geplanten Export.
Burkhart Braunbehrens, Anteilseigner Krauss-Maffei Wegmann: „Panzer nach Saudi-Arabien zu schicken, dass gerade auch noch in Bahrain die unterstützt hat, ihre eigene Opposition mit Panzern nieder zu drücken, das halte ich für ein unmögliches Signal an die arabische Rebellion, die wir unterstützen müssen.“
Was für eine Geschichte. Er, der ehemalige Studentenführer aus Heidelberg, der Kommunist, der 1968 gegen den Vietnamkrieg protestierte, dieser Mann hatte eisern geschwiegen - über Jahrzehnte. Selbst Freunde hatten keine Ahnung, dass er Millionenanteile an Krauss-Maffei Wegmann hält.
Braunbehrens reagiert auf dieses „Fahndungsplakat“ - eine umstrittene Aktion des Zentrums für Politische Schönheit - eine Kunst-Aktion, die provozieren soll. So sehen sie aus, die Damen und Herren Anteilseigner. Der Krankenpfleger, die Fotografin, der Humanist. Und der Schöngeist Braunbehrens, kam aus der Deckung.
Burkhart Braunbehrens, Anteilseigner Krauss-Maffei Wegmann: „Es war die Situation, die mich herausgefordert hat, an die Öffentlichkeit zu treten. Wobei jetzt die Entwicklung jetzt mit der Ausweitung der Geschichte auf 800 Panzer, usw. ein mediales Interesse gefunden hätte, was mich sicher auch ohne die Kampagne bewogen hätte, an die Öffentlichkeit zu treten.“
Kassel, Wilhelmshöhe direkt am Schlosspark. In diesem Viertel wohnen viele der Anteilseigner. Helle Aufregung, so etwas hat es noch nie gegeben. Streit - öffentlich ausgetragen - das ist doch geschäftsschädigend. Der Firmen-Patriarch Manfred Bode greift offenbar durch. Der „Nestbeschmutzer“ Braunbehrens wird aus Aufsichtsrat und Gesellschafterbeirat entfernt. Er gerät unter Druck.
Burkhart Braunbehrens, Anteilseigner Krauss-Maffei Wegmann: „Wenn mir geschäftsschädigendes Verhalten vorgeworfen werden könnte, wäre ich ja damit sogar regresspflichtig. Ich muss also sehr deutlich unterscheiden zwischen meiner ... der Tatsache, dass ich Mitglied dieser Gesellschaft bin und meinen staatsbürgerlichen Pflichten, die mich allerdings dazu ermuntern an die Öffentlichkeit zu gehen, weil meine freie Meinung möchte ich mir nicht verbieten lassen.“
Jan van Aken, Bundestagsabgeordneter DIE LINKE: „Dass jetzt die Firma Krauss-Maffei Wegmann den Braunbehrens praktisch rausgeschmissen hat, wundert mich im Prinzip gar nicht. Denn so eine Panzerschmiede, das ist kein Tante-Emma-Laden. Der Panzer schiebt nicht mit Wattebäuchchen, und in der Firma geht es auch knallhart her. Dass sie jeden Hauch von Kritik auch nur sofort hammerhart bestrafen, liegt eigentlich in der Natur dieser Geschäfte.“
Für den Abgeordneten, der seit Jahren den Panzerdeal beobachtet, ist klar, nichts soll das geplante Saudi-Geschäft aufhalten. Vorführung des Leopard 2 A7 plus in Munster bei der Bundeswehr.
Man zeigt, was er kann. Und das schließt auch den Einsatz gegen die eigene Bevölkerung mit ein. Gut nutzbar für die Saudis. Im März 2011 ließen die Saudis ihre Truppen ins Nachbarland Bahrein einmarschieren - gegen die demokratische Bewegung, die Rebellion wurde erstickt. Doch trotzdem ist Saudi-Arabien für die Kanzlerin eine wichtige regionale Ordnungsmacht. Verklausuliert spricht Merkel den Panzerdeal an.
Angela Merkel, Bundeskanzlerin: „Wir müssen die Staaten, die bereit sind, sich zu engagieren, auch dazu bewegen. Ich sage ausdrücklich, das schließt auch Export von Waffen mit ein.“
Burkhart Braunbehrens, Anteilseigner Krauss-Maffei Wegmann: „Ich bin ganz der Meinung, dass das ein ganz schädliches Signal ist und halte es für völlig unverantwortlich, in dieser Situationspanzer am Saudi-Arabien zu liefern.“
Für den Saudi-Deal ist die Kanzlerin bereit, Umwege zu gehen, über Spanien, über Santa Barbara Sistemas. Präsentiert wie ein Popstar, der neue spanische Leopard, hier in Lizenz gebaut mit Hauptbestandteilen aus Deutschland. Seit 2001 gehört der spanische Rüstungsbetrieb dem US-Konzern General Dynamics. Kein geringerer als der spanische König war gekommen, um den Leopard zu besichtigen. Juan Carlos unterhält hervorragende Kontakte zum saudischen Herrscherhaus. Der Leopard soll nun hier in Spanien für den Export nach Saudi-Arabien zusammengebaut werden, im besten Einvernehmen mit der deutschen Industrie und der deutschen Kanzlerin. Sie schweigt zu alldem beharrlich - genauso wie Krauss-Maffei Wegmann auf unsere Anfragen. Wie praktisch, Entscheidungen über Rüstungsexporte sind geheim.
Jan van Aken, Bundestagsabgeordneter DIE LINKE: „Frau Merkel ist ja eine eiskalte Rechnerin. Und ich glaube, sie sieht in dem Umweg über Spanien gleich fünf Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens macht sie Spanien in der Krise ökonomisch ein bisschen stärker. Zweitens macht sie die Amerikaner glücklich, denn der Auftragnehmer der spanischen Leos, das ist eine amerikanische Firma. Drittens verdient Deutschland natürlich auch richtig massiv daran mit. Viertens ist Saudi-Arabien glücklich, dass sie endlich nach 30 Jahren diesen Panzer bekommen. Und fünftens hofft sie natürlich, dass da die Kritik in Deutschland endlich weggedämpft wird. Das einzige, was auf der Strecke bleibt, sind die Menschenrechte. Das ist grauenvoll, aber ich glaube so eine eiskalte Rechnerin ist Frau Merkel auch.“
Und was macht nun der stille Teilhaber, den man aus der Firma geworfen hat. Steht er allein oder haben auch andere aus dem Clan der Braunbehrens inzwischen ihr Gewissen entdeckt. Kann man einfach so weitermachen wie bisher und still und leise mitverdienen?
Burkhart Braunbehrens, Anteilseigner Krauss-Maffei Wegmann: „Sie können sich denken, dass es seit 40 Jahren Diskussionen gibt. Aber ich kann Ihnen da wirklich keine Einzelheiten erzählen, weil das würde auch meine Befugnisse gegenüber meiner Familie übersteigen. Ich kann Ihnen sagen, wie ich dazu stehe. Ich habe mich damit natürlich immer schwergetan, aber ich habe keine Möglichkeit bisher gefunden, die Anteile verkaufen zu können.“
Braunbehrens hat sich nun an den Bundespräsidenten gewandt mit der Bitte, den Export nach Saudi-Arabien zu stoppen.
MONITOR-InterviewMarkus Schmidt im Gespräch mit Burkhart Braunbehrens
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MONITOR Nr. 649
04.07.201321:45 - 22:15 Uhrim Ersten
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