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Die wichtigsten Fragen zur Impfung
Ursprünglichen haben die Studien mit dem Musterimpfstoff
gezeigt, dass zwei Impfungen notwendig sind. Drei Wochen nach der
zweiten Impfungen war dann bei 85 bis 94 Prozent der Geimpften ein
ausreichender Schutz vorhanden.
Quelle: Veröffentlichung der EMEA zum Impfstoff
„Pandemrix“ Anhang 1 „Zusammenfassung der
Merkmale des Arzneimittels“.
Im Musterimpfstoff wurde jedoch ein H5N1-Virusstamm verwendet. Inzwischen wurde der Impfstoff an das H1N1-Schweinegrippevirus angepasst. Überraschenderweise zeigen die seitdem durchgeführten Studien einen höheren Schutz. Bei Personen zwischen 18 und 60 Jahren sind bereits drei Wochen nach der ersten Impfung 94 Prozent geschützt. Nach jetzigen Stand (13.11.2009) ist es daher nur für ältere Personen notwendig, noch eine zweite Impfung zu bekommen.
Bei jeder Impfung – auch bei der saisonalen Grippeimpfung oder bei der Impfung gegen Tetanus oder Hepatitis – kommt es zu Nebenwirkungen. Denn eine Impfung (per Spritze) ist ja immer auch eine kleine lokale Verletzung, außerdem wird das Immunsystem angeregt, sich gegen einen unerwünschten Erreger fit zu machen. Und schließlich kommt es bei manchen Menschen auch zu allergischen Reaktionen gegen bestimmte Teile des Impfstoffes. Sowohl der saisonale Grippeimpfstoff als auch der Impfstoff gegen die Schweinegrippe werden zum Beispiel in Hühnereiern produziert. Der fertige Impfstoff kann daher noch Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Wer gegen Hühnereiweiß allergisch ist, kann daher auch nach der Impfung entsprechende Reaktionen zeigen – in schlimmen Fällen wäre das zum Beispiel ein allergischer Schock.
Wichtig bei den Nebenwirkungen ist ihre Häufigkeit und ihre Stärke. Hier zeigt sich: Bei der Impfung gegen die Schweinegrippe sind die Nebenwirkungen häufiger und stärker als bei der saisonalen Grippe. Für eine medizinische Bewertung ist jedoch wichtig, ob sich die Nebenwirkungen in ihrer Größenordnung unterscheiden. Dabei gilt folgende Einteilung:
Alle Nebenwirkungen, die in mehr als 10 Prozent der Fälle auftreten, werden als „sehr häufig“ bezeichnet. Für alle anderen gilt:
Das bedeutet zum Beispiel, dass Fieber mit 3,8 Prozent beim Musterimpfstoff im Vergleich zu 1,1 Prozent beim saisonalen Impfstoff zwar mehr als drei mal häufiger ist. Die medizinische Bewertung fällt dagegen gleich aus, weil die Häufigkeit dieser Nebenwirkung bei beiden Impfstoffen in die Kategorie „häufig“ fällt.
Die folgende Tabelle zeigt für einige Nebenwirkungen einen
entsprechenden Vergleich zwischen dem vorab getesteten
Musterimpfstoff und dem normalen saisonalen Grippeimpfstoff
„Fluarix“. Die Angaben beziehen sich auf insgesamt
4464Testpersonen zwischen 18 und 60 Jahren; 3341 davon bekamen den
Musterimpfstoff, 1123 den saisonalen Impfstoff
„Fluarix“.
Quelle: Rümke et. al. Vaccine 2008 26,
2378-2388
| Nebenwirkungen | Musterimpfstoff [Angaben in %] |
Saisonaler Impfstoff [Angaben in %] |
| Schmerzen an der Einstichstelle | 87,6 | 64,5 |
| Starke Schmerzen an der E. | 5,1 | 0,5 |
| Lokale Rötung | 10,2 | 6,9 |
| Starke Rötung | 3,8 | 1,5 |
| Lokale Schwellung | 11,1 | 5,6 |
| Starke lokale Schwellung | 4,0 | 1,1 |
| Kopfschmerzen | 34,7 | 24,5 |
| Starke Kopfschmerzen | 1,8 | 0,5 |
| Müdigkeit | 41,4 | 19,9 |
| Schüttelfrost | 14,4 | 6,0 |
| Starker Schüttelfrost | 1,0 | 0,2 |
| Fieber | 3,8 | 1,1 |
| Hohes Fieber (höher als 39°C) | 0,2 | 0 |
Obwohl mehrere tausend Probanden an dieser und anderen Studien
für die Zulassung des Schweinegrippeimpfstoffs
„Pandemrix“ beteiligt waren, lassen sich aufgrund der
begrenzten Anzahl der Studienteilnehmer nur „sehr
häufige“, „häufige“ und
„gelegentliche“ Nebenwirkungen finden. Nebenwirkungen,
an denen weniger als einer von Tausend leidet, können rein
statistisch gesehen nicht zuverlässig nachgewiesen werden.
Daher liegen zu „seltenen“ und „sehr
seltenen“ Nebenwirkungen auch keine Daten für die
Schweinegrippeimpfstoffe vor. Die Experten gehen jedoch davon aus,
dass diese die gleichen „seltenen“ und „sehr
seltenen“ Nebenwirkungen auftreten wie bei der saisonalen
Impfung. Das bedeutet: Es kommt wahrscheinlich „selten“
zu allergischen Reaktionen bis zum allergischen Schock oder zu
Krampfanfällen. Und „sehr selten“ zum Beispiel zu
neurologischen Erkrankungen.
Quelle: Veröffentlichung der EMEA zum Impfstoff
„Pandemrix“ Anhang 1 „Zusammenfassung der
Merkmale des Arzneimittels“.
In Zusammenarbeit mit den impfenden Ärzten sammeln das Paul-Ehrlich-Institut und die Impfstoffhersteller mit dem Beginn der Massen-Impfung auch Daten über diese seltenen Nebenwirkungen, so dass diese zum Beispiel bei den weiteren Impfempfehlungen berücksichtigt werden können.
Der Impfstoff „Pandemrix“ enthält den Verstärker AS03 eine Art Öl-Wasser-Emulsion mit den folgenden Bestandteilen: In einer Impfdosis (0,5 Milliliter) 10,69 Milligramm Squalen,11,86 Milligramm DL-α-Tocopherol und 4,86 Milligramm Polysorbat 80. Bisher gibt es keine Belege dafür, dass der Verstärker gefährlich ist. Allerdings ist vor allem über den Bestandteil Squalen mehrfach sehr kritisch berichtet worden. Derzeit stellt sich die Situation folgendermaßen dar:
Der Impfstoff wird in Behältern für jeweils 10 Impfungen ausgeliefert. Dadurch ist es notwendig, dem Impfstoff einen Konservierungsstoff beizumischen. Dieser Stoff ist Thiomersal, eine organische Quecksilberverbindung. In einer Dosis „Pandemrix“ sind 5 Mikrogramm Ethylquecksilber enthalten. Quecksilber ist eine extrem giftige Substanz, die bereits in geringen Mengen die Entstehung von Krebs begünstigen kann. Generell kann man bei solchen karzinogenen Stoffen keinen Schwellenwert angeben, unter dem der Verzehr ungefährlich ist. Allerdings geht zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass es unproblematisch sei,13 Mikrogramm Quecksilber am Tag durch die Nahrung aufzunehmen – zum Beispiel in Form von Methylquecksilber in Fisch. Die 5 Mikrogramm Ethylquecksilber im Schweinegrippeimpfstoff sind daher zwar nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ungefährlich, jedoch vertretbar und im Zusammenhang mit den 10er-Impfdosen sogar angeraten.
Die ständige Impfkommission („
Stiko“) am staatlichen
Robert-Koch-Institut schätzt eine Impfung grundsätzlich
für alle Bevölkerungsgruppen als vorteilhaft ein. Eine
ausdrückliche Empfehlung hat die Stiko jedoch bisher nur
für Risikopersonen ausgesprochen. Dazu zählen: Menschen,
die beruflich viel Kontakt mit Patienten oder infektiösem
Material haben, Schwangere sowie Menschen, deren Organismus durch
chronische Krankheiten geschwächt ist wie zum Beispiel
Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder HIV.
Diese Risikogruppen decken sich zum Großteil mit denen der
normalen Grippe - mit dem entscheidenden Unterschied, dass bei der
Schweinegrippe auch junge Menschen häufig betroffen sind.
Selbst bei jungen Menschen ohne Vorerkrankung gibt es teilweise
schwere Krankheitsverläufe. Warum das so ist, wissen die
Experten noch nicht. Derzeit ist der Impfstoff jedoch noch nicht
überall in der benötigten Menge verfügbar. Aufgrund
dieser Engpässe werden in vielen Regionen bevorzugt und teils
sogar ausschließlich Mitarbeiter des Gesundheitswesens,
Polizisten, Feuerwehrleute und Justizvollzugsbeamte geimpft, um das
Funktionieren des Gesundheitssystems und die öffentliche
Ordnung sicherzustellen.
Menschen, die auf Bestandteile des Impfstoffs (zum Beispiel Hühnereiweiß) stark allergisch reagieren, wird von einer Impfung abgeraten. Wenn bei Ihnen Allergien bekannt sind, sollten Sie diese Ihrem Arzt unbedingt vor der Impfung nennen. Er entscheidet dann, ob die Impfung bei Ihnen durchgeführt werden kann oder nicht. Wenn Sie gerade an einem Infekt leiden und Fieber haben, ist eine Impfung meistens nicht möglich. Eine Impfung für Säuglinge unter 6 Monaten wird ebenfalls nicht empfohlen.
Die Schweinegrippe verläuft bei Schwangeren in manchen
Fällen besonders heftig. Sie sollten daher ab der 14. Woche
geimpft werden. Allerdings betrachtet die
STIKO den aktuell verfügbaren
verstärkerhaltigen Impfstoff Pandemrix kritisch, weil keine
Daten zur Verträglichkeit bei Schwangeren existieren; sie
empfiehlt daher die Verwendung eines Impfstoffs ohne
Verstärker – doch der ist in Deutschland derzeit noch
nicht verfügbar (Stand: 13.11.2009). die Impfkommission
empfiehlt hier eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durch
den Arzt. Er soll feststellen, ob das Gripperisiko höher ist
als das Risiko einer eventuell möglichen Nebenwirkung durch
das Impfen. Ein erhöhtes Gripperisiko besteht zum Beispiel bei
häufigem Kontakt mit ungeimpften Kindern oder Fremden. Im
Dezember soll ein von der STIKO für Schwangere empfohlener
Impfstoff ohne Verstärker verfügbar sein. Für
Schwangere, die sich nicht mit Pandemrix impfen lassen wollen, kann
das Ansteckungsrisiko verringert werden, indem sich Kontaktpersonen
impfen lassen.
Kleine Kinder erkranken besonders häufig und schwer an Schweinegrippe. Daher macht es Sinn, sie durch eine Impfung zu schützen. Allerdings fehlten bisher Erfahrungen mit dem neuen Impfstoff Pandemrix. Im Oktober empfahl die STIKO daher eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt. Inzwischen haben Untersuchungen in Spanien ergeben, dass der neue Impfstoff mit Wirkverstärker auch für Kleinkinder geeignet ist. STIKO-Mitglied Prof. Fred Zett und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfehlen daher die Impfung aller Kinder ab 6 Monaten. Um jüngere Kinder zu schützen, wird eine Impfung möglicher Kontaktpersonen empfohlen. Von dem neuen Impfstoff für Schwangere erhoffen sich Kinderärzte eine etwas weniger schmerzhafte Impfung.
Um den individuellen Nutzen zu ermitteln, muss man wissen, wie gefährlich die Krankheit ist, vor der die Impfung schützt. Das sieht auf den ersten Blick nach einer einfachen Rechnung aus: man nehme die Zahl der Erkrankten und die Zahl Todesfälle. Bei den Todesfällen ist die Sache noch relativ klar. In Deutschland sind mit Stand vom 12.11.09 dreizehn Patienten an der Schweinegrippe verstorben. Demgegenüber stehen 40.271 Menschen, die an Schweinegrippe erkrankt sind. 13 Tote auf 40.271 Erkrankte – das würde eine Todeswahrscheinlichkeit von 0,03 Prozent ergeben, vor der die Impfung bewahren könnte. Aber diese Zahlen stimmen nicht: Die Dunkelziffer der Infizierten dürfte um einiges höher liegen. Bis zu zehnmal höher – glauben Experten. Denn viele Menschen erkranken ohne starke Symptome, manche bleiben sogar komplett beschwerdefrei. Wie viele Menschen in Deutschland also tatsächlich die Schweinegrippe haben ist komplett unbekannt. Außerdem ist in diesem Rechenbeispiel nicht die Ansteckungswahrscheinlichkeit berücksichtigt. Die ist nämlich auch nicht wirklich darstellbar. Wie tödlich die Schweinegrippe ist, kann man deshalb nicht seriös ausrechnen. Außerdem hängt das persönliche Risiko auch ganz erheblich von Alter und Vorerkrankungen ab: Die meisten Menschen, die bisher an der Schweinegrippe gestorben sind, litten an Vorerkrankungen. Harte Zahlen zum persönlichen Nutzen der Grippeimpfung gibt es also leider nicht.
Wer geimpft ist, kann andere Leute nicht anstecken. Das ist aus drei Gründen gut für die Allgemeinheit: Wenn weniger Leute an der Schweinegrippe erkranken, bedeutet das natürlich auch, dass weniger Menschen an der Schweinegrippe sterben werden. Außerdem nutzt die Impfung von Gesunden den Menschen, die nicht geimpft werden können, die aber durch die Grippe stark gefährdet sind: Babys, die noch kein halbes Jahr alt sind etwa oder Menschen mit Störungen des Immunsystems. Zudem gehen Experten davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Schweinegrippevirus mutiert und so gefährlicher wird, mit der Zahl der Infizierten steigt. Wenn also viele Leute geimpft sind und deshalb nicht mehr erkranken, könnte die Impfung die Entstehung einer gefährlicheren Virusvariante verhindern.
Grundsätzlich wird in Deutschland bei den Hausärzten geimpft. Allerdings ist die Impfung recht aufwändig – nicht jeder Arzt bietet sie an. Aber in fast jeder größeren Stadt findet man eine Impfmöglichkeit. Informationen bieten Ihnen das Gesundheitsamt Ihrer Stadt oder Ihres Kreises – oft können Sie sich auch dort impfen lassen.
Nein, in Deutschland gibt es keinen Impfzwang. Jeder hat das Recht, für sich selbst diese Entscheidung zu treffen.
Ja. Jeder, der möchte, kann sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Je nachdem, wie viel von dem Impfstoff zur Verfügung steht, werden jedoch die Risikogruppen vorgezogen.
Leider nicht. Das Schweinegrippevirus unterscheidet sich zu stark von den jährlich wiederkehrenden saisonalen Grippeviren. Daher muss auch der Impfstoff deutlich anders aufgebaut sein. Der Impfstoff gegen die saisonale Grippe hat keinen Effekt. Aus demselben Grund wirkt der Schweinegrippe-Impfstoff auch nicht gegen die saisonale Grippe. Wer also zu den entsprechenden Risikogruppen gehört, sollte sich beide Impfungen geben lassen. Prinzipiell kann man beide Impfungen gleichzeitig vornehmen. Da der saisonale Impfstoff aber im Gegensatz zum Schweingrippe-Impfstoff bereits vorliegt, kann man die Impfung gegen die saisonale Grippe vorziehen.
Nein, denn in dem Impfstoff stecken nur abgetötete Bruchstücke des Schweinegrippevirus’. Das bedeutet, das Immunsystem reagiert zwar auf diese Bruchstücke, und eventuell äußert sich das auch durch Schnupfensymptome. Aber diese Bruchstücke können sich nicht vermehren und damit auch niemanden anstecken.
Nach allen Erfahrungen, die man mit der saisonalen Grippe und speziellen Muster-Impfstoffen gemacht hat, sollte der Schweinegrippe-Impfstoff auch noch funktionieren, wenn sich das Schweinegrippe-Virus verändert. Dieser breite Schutz wird durch einen speziellen Verstärker im Impfstoff garantiert - ein sogenanntes Adjuvans. Dieser Verstärker regt das Immunsystem zu einer stärkeren Reaktion an und sorgt unter anderem dafür, dass auch leicht veränderte Viren noch erkannt und bekämpft werden. Gegen die normale Grippe hilft der Schweinegrippe-Impfstoff allerdings nicht. Dieses Virus ist dann doch zu verschieden.
Wenn man nach einer Grippe-Erkrankung wieder gesund ist, ist man gegen dieses Grippevirus in Zukunft immun. Allerdings gilt das nur genau für dieses Virus. Sollte es sich ein wenig verändern, was durchaus im Laufe einer Grippesaison geschehen kann, ist der Schutz nur noch bedingt gegeben. So ist es bei der saisonalen Grippe, und wahrscheinlich trifft das auch auf die Schweinegrippe zu: Wenn man Pech hat, kann man dann auch noch ein zweites Mal an der Schweinegrippe erkranken.
Auf keinen Fall. Zum einen ist man nach einer Ansteckung nicht gegen eventuell veränderte Varianten des Virus geschützt. Zum anderen besteht das Risiko, dass man zu den Personen gehört, bei denen die Grippe auch ohne Vorerkrankung sehr schwer verläuft.
Stand 13. November 2009
Die wichtigsten Fragen zum Virus
Die wichtigsten Fragen zu Ansteckung und
Symptomen
Die wichtigsten Fragen zu Grippemedikamenten
Schwerpunkt: Schweinegrippe in NRW
Ulrich Grünewald, Katrin Krieft, Vladimir Rydl, Lars Tepel
Stand: 13.11.2009
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