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Die wichtigsten Fragen zur Impfung

Stand: 13.11.2009


Wie gut schützt die Impfung?

Ampulle und Spritze mit Schweinegrippen-Impfstoff
Viele Menschen sind noch unsicher, ob sie sich gegen Schweinegrippe impfen lassen sollen

Ursprünglichen haben die Studien mit dem Musterimpfstoff gezeigt, dass zwei Impfungen notwendig sind. Drei Wochen nach der zweiten Impfungen war dann bei 85 bis 94 Prozent der Geimpften ein ausreichender Schutz vorhanden. 
Quelle: Veröffentlichung der EMEA zum Impfstoff „Pandemrix“ Anhang 1 „Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels“
.

Im Musterimpfstoff wurde jedoch ein H5N1-Virusstamm verwendet. Inzwischen wurde der Impfstoff an das H1N1-Schweinegrippevirus angepasst. Überraschenderweise zeigen die seitdem durchgeführten Studien einen höheren Schutz. Bei Personen zwischen 18 und 60 Jahren sind bereits drei Wochen nach der ersten Impfung 94 Prozent geschützt. Nach jetzigen Stand (13.11.2009) ist es daher nur für ältere Personen notwendig, noch eine zweite Impfung zu bekommen.

Was für Nebenwirkungen hat die Impfung und wie oft treten sie auf?

Bei jeder Impfung – auch bei der saisonalen Grippeimpfung oder bei der Impfung gegen Tetanus oder Hepatitis – kommt es zu Nebenwirkungen. Denn eine Impfung (per Spritze) ist ja immer auch eine kleine lokale Verletzung, außerdem wird das Immunsystem angeregt, sich gegen einen unerwünschten Erreger fit zu machen. Und schließlich kommt es bei manchen Menschen auch zu allergischen Reaktionen gegen bestimmte Teile des Impfstoffes. Sowohl der saisonale Grippeimpfstoff als auch der Impfstoff gegen die Schweinegrippe werden zum Beispiel in Hühnereiern produziert. Der fertige Impfstoff kann daher noch Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Wer gegen Hühnereiweiß allergisch ist, kann daher auch nach der Impfung entsprechende Reaktionen zeigen – in schlimmen Fällen wäre das zum Beispiel ein allergischer Schock.

Wichtig bei den Nebenwirkungen ist ihre Häufigkeit und ihre Stärke. Hier zeigt sich: Bei der Impfung gegen die Schweinegrippe sind die Nebenwirkungen häufiger und stärker als bei der saisonalen Grippe. Für eine medizinische Bewertung ist jedoch wichtig, ob sich die Nebenwirkungen in ihrer Größenordnung unterscheiden. Dabei gilt folgende Einteilung:

Alle Nebenwirkungen, die in mehr als 10 Prozent der Fälle auftreten, werden als „sehr häufig“ bezeichnet. Für alle anderen gilt:

  • Zwischen 1 und 10 Prozent gelten als „häufig“.
  • Zwischen 0,1 und 1 Prozent gelten als „gelegentlich“.
  • Zwischen 0,01 und 0,1 Prozent gelten als „selten“.
  • Zwischen 0,001 und 0,01 Prozent gelten als „sehr selten“.

Das bedeutet zum Beispiel, dass Fieber mit 3,8 Prozent beim Musterimpfstoff im Vergleich zu 1,1 Prozent beim saisonalen Impfstoff zwar mehr als drei mal häufiger ist. Die medizinische Bewertung fällt dagegen gleich aus, weil die Häufigkeit dieser Nebenwirkung bei beiden Impfstoffen in die Kategorie „häufig“ fällt.

Die folgende Tabelle zeigt für einige Nebenwirkungen einen entsprechenden Vergleich zwischen dem vorab getesteten Musterimpfstoff und dem normalen saisonalen Grippeimpfstoff „Fluarix“. Die Angaben beziehen sich auf insgesamt 4464Testpersonen zwischen 18 und 60 Jahren; 3341 davon bekamen den Musterimpfstoff, 1123 den saisonalen Impfstoff „Fluarix“.
Quelle: Rümke et. al. Vaccine 2008 26, 2378-2388

Nebenwirkungen Musterimpfstoff
[Angaben in %]
Saisonaler Impfstoff
[Angaben in %]
Schmerzen an der Einstichstelle 87,6 64,5
Starke Schmerzen an der E. 5,1 0,5
Lokale Rötung 10,2 6,9
Starke Rötung 3,8 1,5
Lokale Schwellung 11,1 5,6
Starke lokale Schwellung 4,0 1,1
Kopfschmerzen 34,7 24,5
Starke Kopfschmerzen 1,8 0,5
Müdigkeit 41,4 19,9
Schüttelfrost 14,4 6,0
Starker Schüttelfrost 1,0 0,2
Fieber 3,8 1,1
Hohes Fieber (höher als 39°C) 0,2 0

 

Obwohl mehrere tausend Probanden an dieser und anderen Studien für die Zulassung des Schweinegrippeimpfstoffs „Pandemrix“ beteiligt waren, lassen sich aufgrund der begrenzten Anzahl der Studienteilnehmer nur „sehr häufige“, „häufige“ und „gelegentliche“ Nebenwirkungen finden. Nebenwirkungen, an denen weniger als einer von Tausend leidet, können rein statistisch gesehen nicht zuverlässig nachgewiesen werden. Daher liegen zu „seltenen“ und „sehr seltenen“ Nebenwirkungen auch keine Daten für die Schweinegrippeimpfstoffe vor. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass diese die gleichen „seltenen“ und „sehr seltenen“ Nebenwirkungen auftreten wie bei der saisonalen Impfung. Das bedeutet: Es kommt wahrscheinlich „selten“ zu allergischen Reaktionen bis zum allergischen Schock oder zu Krampfanfällen. Und „sehr selten“ zum Beispiel zu neurologischen Erkrankungen.
Quelle: Veröffentlichung der EMEA zum Impfstoff „Pandemrix“ Anhang 1 „Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels“.

In Zusammenarbeit mit den impfenden Ärzten sammeln das Paul-Ehrlich-Institut und die Impfstoffhersteller mit dem Beginn der Massen-Impfung auch Daten über diese seltenen Nebenwirkungen, so dass diese zum Beispiel bei den weiteren Impfempfehlungen berücksichtigt werden können.

Ist der in dem Impfstoff „Pandemrix“ enthaltene Verstärker gefährlich?

Der Impfstoff „Pandemrix“ enthält den Verstärker AS03 eine Art Öl-Wasser-Emulsion mit den folgenden Bestandteilen: In einer Impfdosis (0,5 Milliliter) 10,69 Milligramm Squalen,11,86 Milligramm DL-α-Tocopherol und 4,86 Milligramm Polysorbat 80. Bisher gibt es keine Belege dafür, dass der Verstärker gefährlich ist. Allerdings ist vor allem über den Bestandteil Squalen mehrfach sehr kritisch berichtet worden. Derzeit stellt sich die Situation folgendermaßen dar:

  • Was weiß man über die Sicherheit von Squalen?
    Weder in den bisherigen klinischen Studie zu „Pandemrix“, bei denen rund 12.000 Probanden untersucht wurden, noch bei weiteren Studien mit insgesamt rund 41.000 Probanden, bei denen der Verstärker AS03 mit einem saisonalen Impfstoff getestet wurde, kam es zu Auffälligkeiten. Darüber hinaus ist Squalen auch Bestandteil des Verstärkers MF59. Dieser wird seit 1997, also seit mehr als 10 Jahren, in dem saisonalen Grippeimpfstoff „Fluad“ der Firma Novartis eingesetzt. Auch in diesem Zusammenhang sind keine Auffälligkeiten bekannt. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass der Impfstoff „Fluad“ speziell für ältere Personen über 65 Jahre entwickelt und eingesetzt wurde und wird. Daher lässt sich aus dieser Erfahrung nicht definitiv ausschließen, dass es bei jüngeren Personen durchaus zu Nebenwirkungen kommen könnte.

    Vor allem für Schwangere und kleine Kinder gibt es daher bisher keine Erfahrungen mit squalenhaltigen Verstärkern, zumal diese beiden Gruppen aus ethischen Gründen auch nicht an den Studien teilnehmen dürfen. Dies ist der Grund dafür, dass die Ständige Impfkommission Schwangeren empfohlen hat, einen verstärkerfreien Impfstoff zu nutzen, wenn kein erhebliches Krankheits- und Ansteckungsrisiko besteht.
  • Hat Squalen mit dem Golfkriegs-Syndrom zu tun?
    Squalen wird auch immer wieder in Zusammenhang mit dem Golf-Krieg-Syndrom gebracht. Die Datenlage dazu ist widersprüchlich. Denn nach offiziellen Angaben war in dem Impfstoff den US-amerikanische Soldaten vor ihrem Einsatz im Golfkrieg bekamen gar kein Squalen enthalten. Bei US-Soldaten, bei denen das Golf-Krieg-Syndrom nachgewiesen wurde, wurden zwar Anti-Körper gegen Squalen gefunden. In weiteren Untersuchungen wurden entsprechende Anti-Körper aber auch bei gesunden Personen außerhalb der Armee gefunden.

    Zur Zeit kursieren Zahlen, nach denen jeder dritte Soldat nach der Gabe von Squalen erkrankt sein soll. Diese Zahlen sind allerdings völlig unplausibel. Bei einer derart starken Nebenwirkung hätte eine entsprechende Reaktion auch bei den 40 Millionen Personen beobachtet werden müssen, die Squalen mit dem saisonalen Impfstoff „Fluad“ bekommen haben. Dort sind jedoch keinerlei solcher Reaktionen bekannt.
  • Was für Erkenntnisse gibt es aus der Erfahrung mit anderen Verstärkern?
    Die vorliegende Daten zu den Nebenwirkungen von Verstärkern sind derzeit äußerst beruhigend. Tatsache ist allerdings auch, dass die genaue Wirkungsweise der Verstärker bis heute nicht verstanden ist. Klar ist, dass sie das Immunsystem beeinflussen und zu einer stärkeren und leicht veränderten Antwort auf den Erreger anregen. Einige Experten halten es daher für möglich, dass dadurch langfristig auch allergischen Reaktionen verstärkt werden. Dieser Zusammenhang gilt jedoch nicht nur für die relativ neuen Öl-Wasser-Verstärker wie zum Beispiel AS03, sondern für alle künstlichen Verstärker. So werden seit fast 100 Jahren Aluminiumsalze als Verstärker in Impfstoffen verwendeten. Sie kommen zum Beispiel in der 5-fach-Impfung für Kinder vor. Auch bei diesen Verstärkern ist die genaue Wirkungsweise und damit das Potential für Nebenwirkungen nicht 100 prozentig geklärt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es offenbar nicht zu gravierenden Folgen kommt – und dass der Nutzen der Impfung eindeutig die evtl. auftretenden Kosten übersteigt.

Ist der in dem Impfstoff „Pandemrix“ enthaltene Konservierungsstoff Thiomersal gefährlich?

Der Impfstoff wird in Behältern für jeweils 10 Impfungen ausgeliefert. Dadurch ist es notwendig, dem Impfstoff einen Konservierungsstoff beizumischen. Dieser Stoff ist Thiomersal, eine organische Quecksilberverbindung. In einer Dosis „Pandemrix“ sind 5 Mikrogramm Ethylquecksilber enthalten. Quecksilber ist eine extrem giftige Substanz, die bereits in geringen Mengen die Entstehung von Krebs begünstigen kann. Generell kann man bei solchen karzinogenen Stoffen keinen Schwellenwert angeben, unter dem der Verzehr ungefährlich ist. Allerdings geht zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation davon aus, dass es unproblematisch sei,13 Mikrogramm Quecksilber am Tag durch die Nahrung aufzunehmen – zum Beispiel in Form von Methylquecksilber in Fisch. Die 5 Mikrogramm Ethylquecksilber im Schweinegrippeimpfstoff sind daher zwar nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ungefährlich, jedoch vertretbar und im Zusammenhang mit den 10er-Impfdosen sogar angeraten.

Wer soll geimpft werden?

Personen stehen vor Krankenhaus
In mehreren Studien wurden Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes getestet

Die ständige Impfkommission („StichwortStiko“) am staatlichen Robert-Koch-Institut schätzt eine Impfung grundsätzlich für alle Bevölkerungsgruppen als vorteilhaft ein. Eine ausdrückliche Empfehlung hat die Stiko jedoch bisher nur für Risikopersonen ausgesprochen. Dazu zählen: Menschen, die beruflich viel Kontakt mit Patienten oder infektiösem Material haben, Schwangere sowie Menschen, deren Organismus durch chronische Krankheiten geschwächt ist wie zum Beispiel Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder HIV. Diese Risikogruppen decken sich zum Großteil mit denen der normalen Grippe - mit dem entscheidenden Unterschied, dass bei der Schweinegrippe auch junge Menschen häufig betroffen sind. Selbst bei jungen Menschen ohne Vorerkrankung gibt es teilweise schwere Krankheitsverläufe. Warum das so ist, wissen die Experten noch nicht. Derzeit ist der Impfstoff jedoch noch nicht überall in der benötigten Menge verfügbar. Aufgrund dieser Engpässe werden in vielen Regionen bevorzugt und teils sogar ausschließlich Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Polizisten, Feuerwehrleute und Justizvollzugsbeamte geimpft, um das Funktionieren des Gesundheitssystems und die öffentliche Ordnung sicherzustellen.

Wer sollte sich nicht impfen lassen?

Menschen, die auf Bestandteile des Impfstoffs (zum Beispiel Hühnereiweiß) stark allergisch reagieren, wird von einer Impfung abgeraten. Wenn bei Ihnen Allergien bekannt sind, sollten Sie diese Ihrem Arzt unbedingt vor der Impfung nennen. Er entscheidet dann, ob die Impfung bei Ihnen durchgeführt werden kann oder nicht. Wenn Sie gerade an einem Infekt leiden und Fieber haben, ist eine Impfung meistens nicht möglich. Eine Impfung für Säuglinge unter 6 Monaten wird ebenfalls nicht empfohlen.

Sollten sich Schwangere impfen lassen?

Die Schweinegrippe verläuft bei Schwangeren in manchen Fällen besonders heftig. Sie sollten daher ab der 14. Woche geimpft werden. Allerdings betrachtet die StichwortSTIKO den aktuell verfügbaren verstärkerhaltigen Impfstoff Pandemrix kritisch, weil keine Daten zur Verträglichkeit bei Schwangeren existieren; sie empfiehlt daher die Verwendung eines Impfstoffs ohne Verstärker – doch der ist in Deutschland derzeit noch nicht verfügbar (Stand: 13.11.2009). die Impfkommission empfiehlt hier eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt. Er soll feststellen, ob das Gripperisiko höher ist als das Risiko einer eventuell möglichen Nebenwirkung durch das Impfen. Ein erhöhtes Gripperisiko besteht zum Beispiel bei häufigem Kontakt mit ungeimpften Kindern oder Fremden. Im Dezember soll ein von der STIKO für Schwangere empfohlener Impfstoff ohne Verstärker verfügbar sein. Für Schwangere, die sich nicht mit Pandemrix impfen lassen wollen, kann das Ansteckungsrisiko verringert werden, indem sich Kontaktpersonen impfen lassen.

Sollten Kinder geimpft werden?

Kleine Kinder erkranken besonders häufig und schwer an Schweinegrippe. Daher macht es Sinn, sie durch eine Impfung zu schützen. Allerdings fehlten bisher Erfahrungen mit dem neuen Impfstoff Pandemrix. Im Oktober empfahl die STIKO daher eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt. Inzwischen haben Untersuchungen in Spanien ergeben, dass der neue Impfstoff mit Wirkverstärker auch für Kleinkinder geeignet ist. STIKO-Mitglied Prof. Fred Zett und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfehlen daher die Impfung aller Kinder ab 6 Monaten. Um jüngere Kinder zu schützen, wird eine Impfung möglicher Kontaktpersonen empfohlen. Von dem neuen Impfstoff für Schwangere erhoffen sich Kinderärzte eine etwas weniger schmerzhafte Impfung.

Was nützt die Impfung dem Einzelnen?

Um den individuellen Nutzen zu ermitteln, muss man wissen, wie gefährlich die Krankheit ist, vor der die Impfung schützt. Das sieht auf den ersten Blick nach einer einfachen Rechnung aus: man nehme die Zahl der Erkrankten und die Zahl Todesfälle. Bei den Todesfällen ist die Sache noch relativ klar. In Deutschland sind mit Stand vom 12.11.09 dreizehn Patienten an der Schweinegrippe verstorben. Demgegenüber stehen 40.271 Menschen, die an Schweinegrippe erkrankt sind. 13 Tote auf 40.271 Erkrankte – das würde eine Todeswahrscheinlichkeit von 0,03 Prozent ergeben, vor der die Impfung bewahren könnte. Aber diese Zahlen stimmen nicht: Die Dunkelziffer der Infizierten dürfte um einiges höher liegen. Bis zu zehnmal höher – glauben Experten. Denn viele Menschen erkranken ohne starke Symptome, manche bleiben sogar komplett beschwerdefrei. Wie viele Menschen in Deutschland also tatsächlich die Schweinegrippe haben ist komplett unbekannt. Außerdem ist in diesem Rechenbeispiel nicht die Ansteckungswahrscheinlichkeit berücksichtigt. Die ist nämlich auch nicht wirklich darstellbar. Wie tödlich die Schweinegrippe ist, kann man deshalb nicht seriös ausrechnen. Außerdem hängt das persönliche Risiko auch ganz erheblich von Alter und Vorerkrankungen ab: Die meisten Menschen, die bisher an der Schweinegrippe gestorben sind, litten an Vorerkrankungen. Harte Zahlen zum persönlichen Nutzen der Grippeimpfung gibt es also leider nicht.

Was nützt die Impfung der Allgemeinheit?

Wer geimpft ist, kann andere Leute nicht anstecken. Das ist aus drei Gründen gut für die Allgemeinheit: Wenn weniger Leute an der Schweinegrippe erkranken, bedeutet das natürlich auch, dass weniger Menschen an der Schweinegrippe sterben werden. Außerdem nutzt die Impfung von Gesunden den Menschen, die nicht geimpft werden können, die aber durch die Grippe stark gefährdet sind: Babys, die noch kein halbes Jahr alt sind etwa oder Menschen mit Störungen des Immunsystems. Zudem gehen Experten davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Schweinegrippevirus mutiert und so gefährlicher wird, mit der Zahl der Infizierten steigt. Wenn also viele Leute geimpft sind und deshalb nicht mehr erkranken, könnte die Impfung die Entstehung einer gefährlicheren Virusvariante verhindern.

Wo bekommt man die Impfung?

Grundsätzlich wird in Deutschland bei den Hausärzten geimpft. Allerdings ist die Impfung recht aufwändig – nicht jeder Arzt bietet sie an. Aber in fast jeder größeren Stadt findet man eine Impfmöglichkeit. Informationen bieten Ihnen das Gesundheitsamt Ihrer Stadt oder Ihres Kreises – oft können Sie sich auch dort impfen lassen.

Muss man sich impfen lassen?

Nein, in Deutschland gibt es keinen Impfzwang. Jeder hat das Recht, für sich selbst diese Entscheidung zu treffen.

Kann man sich auch impfen lassen, wenn man nicht zu den Risikogruppen gehört?

Ja. Jeder, der möchte, kann sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Je nachdem, wie viel von dem Impfstoff zur Verfügung steht, werden jedoch die Risikogruppen vorgezogen.

Schützt auch die normale Grippeimpfung gegen die Schweinegrippe?

Leider nicht. Das Schweinegrippevirus unterscheidet sich zu stark von den jährlich wiederkehrenden saisonalen Grippeviren. Daher muss auch der Impfstoff deutlich anders aufgebaut sein. Der Impfstoff gegen die saisonale Grippe hat keinen Effekt. Aus demselben Grund wirkt der Schweinegrippe-Impfstoff auch nicht gegen die saisonale Grippe. Wer also zu den entsprechenden Risikogruppen gehört, sollte sich beide Impfungen geben lassen. Prinzipiell kann man beide Impfungen gleichzeitig vornehmen. Da der saisonale Impfstoff aber im Gegensatz zum Schweingrippe-Impfstoff bereits vorliegt, kann man die Impfung gegen die saisonale Grippe vorziehen.

Ist man nach einer Impfung ansteckend?

Nein, denn in dem Impfstoff stecken nur abgetötete Bruchstücke des Schweinegrippevirus’. Das bedeutet, das Immunsystem reagiert zwar auf diese Bruchstücke, und eventuell äußert sich das auch durch Schnupfensymptome. Aber diese Bruchstücke können sich nicht vermehren und damit auch niemanden anstecken.

Was passiert, wenn das Virus mutiert – schützt die Impfung dann immer noch?

Nach allen Erfahrungen, die man mit der saisonalen Grippe und speziellen Muster-Impfstoffen gemacht hat, sollte der Schweinegrippe-Impfstoff auch noch funktionieren, wenn sich das Schweinegrippe-Virus verändert. Dieser breite Schutz wird durch einen speziellen Verstärker im Impfstoff garantiert - ein sogenanntes Adjuvans. Dieser Verstärker regt das Immunsystem zu einer stärkeren Reaktion an und sorgt unter anderem dafür, dass auch leicht veränderte Viren noch erkannt und bekämpft werden. Gegen die normale Grippe hilft der Schweinegrippe-Impfstoff allerdings nicht. Dieses Virus ist dann doch zu verschieden.

Bin ich immun, wenn ich die Krankheit schon gehabt habe?

Wenn man nach einer Grippe-Erkrankung wieder gesund ist, ist man gegen dieses Grippevirus in Zukunft immun. Allerdings gilt das nur genau für dieses Virus. Sollte es sich ein wenig verändern, was durchaus im Laufe einer Grippesaison geschehen kann, ist der Schutz nur noch bedingt gegeben. So ist es bei der saisonalen Grippe, und wahrscheinlich trifft das auch auf die Schweinegrippe zu: Wenn man Pech hat, kann man dann auch noch ein zweites Mal an der Schweinegrippe erkranken.

Ist eine absichtliche Ansteckung sinnvoll?

Auf keinen Fall. Zum einen ist man nach einer Ansteckung nicht gegen eventuell veränderte Varianten des Virus geschützt. Zum anderen besteht das Risiko, dass man zu den Personen gehört, bei denen die Grippe auch ohne Vorerkrankung sehr schwer verläuft.

Stand 13. November 2009

Die wichtigsten Fragen zum Virus
Die wichtigsten Fragen zu Ansteckung und Symptomen
Die wichtigsten Fragen zu Grippemedikamenten

Schwerpunkt: Schweinegrippe in NRW

Achtung: Die Redaktion „Quarks & Co“ recherchiert mit größtmöglicher Sorgfalt. Doch bei aktuellen Themen können sich Sachverhalte sehr schnell ändern. Daher empfehlen wir Ihnen diese Links – hier finden sie aktuelle Informationen zum Thema Schweinegrippe.

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1 Ständige Impfkommission (STIKO)
Die Ständige Impfkommission gibt für die Bundesrepublik Deutschland die Empfehlungen heraus, wer sich gegen was impfen lassen sollte. Zu ihr gehören Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen, aber auch Virologen und Biologen. Außerdem nehmen an den Sitzungen der Ständigen Impfkommission Experten des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts teil. Zurück zum Absatz
Autoren:

Ulrich Grünewald, Katrin Krieft, Vladimir Rydl, Lars Tepel

Stand: 13.11.2009


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