Handys und die Frage nach der Gesundheit
- Dienstag, 29. Januar 2002, 21.00 - 21.45 Uhr
Können Funktelefone meine Gesundheit gefährden?
Ja, aber nicht unbedingt durch Elektrosmog. Mehrere Studien haben nämlich gezeigt, dass die Gefahr von Verkehrsunfällen durch das Telefonieren am Steuer steigt, und dieses Risiko und seine Höhe sollte man nicht unterschätzen. In Deutschland ist das normale Telefonieren mit einem Handy im Auto deshalb seit dem 1. Februar 2001 verboten. Das Telefonieren mit einer Freisprechanlage ist weiterhin erlaubt, aber Tests der Stiftung Warentest haben gezeigt, dass auch dann ein erhöhtes Unfallrisiko bleibt. Das Verbot rührt also zunächst nicht von einer möglichen Gefahr durch Elektrosmog her.
Über eine mögliche Beeinträchtigung der Gesundheit durch das elektromagnetische Feld selbst weiß man immer noch sehr wenig.
Können Funktelefone Krebs auslösen?
Krebs gehört zu den Krankheiten, die meistens durch eine Vielzahl zusammenwirkender Faktoren ausgelöst werden; selten nur ist ein einzelner Faktor allein für den Ausbruch verantwortlich. Ob die dauernde Belastung durch elektromagnetische Felder von Handys zur Tumorentstehung oder -entwicklung dazu beitragen kann, wissen wir derzeit noch nicht genau. Das liegt vor allem daran, dass sich Krebs oft über einen sehr langen Zeitraum entwickelt. Den derzeitigen Handyboom, bei dem viele Menschen oft und lange telefonieren, gibt es jedoch erst seit einigen Jahren. Deshalb werden sich mögliche Folgen auch erst in einigen Jahren zeigen. Vorsicht ist also angebracht, nicht jedoch Panik: Denn die bisher vorhandenen Daten deuten darauf hin, dass ein Krebsrisiko durch Handys, wenn überhaupt vorhanden, sehr klein sein muss. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass das Krebs-Risiko durch Handys, beispielsweise im Vergleich zum Risiko durch das Rauchen, keine Rolle spielt.
Was weiß die Medizin über Krebs und Handygebrauch?
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Für die Interphone-Studie macht die Epidemiologin Frau Berg sogar Hausbesuche.
Eine Antwort auf diese Frage hofft man mit Hilfe der sogenannten
Epidemiologie zu finden. Forscher in diesem Bereich untersuchen
möglichst große Teile der Bevölkerung und nehmen
alle möglichen Daten auf - so zum Beispiel zu Beruf,
Lebensumständen und Krankheiten. Sie versuchen herauszufinden,
ob Patienten mit Hirntumoren häufiger mobil telefoniert haben
als gesunde Menschen. Wird dann ein Zusammenhang festgestellt,
deutet das darauf hin, dass das Handy zur Krebsentstehung beigetragen haben
kann. Kann - muss aber nicht. Denn für die Krankheit
könnten auch andere, in der Studie nicht beachtete Faktoren
verantwortlich sein. Zum Beispiel könnten Vieltelefonierer
gleichzeitig hektische Menschen mit einem stressigen Lebenswandel
sein, und der könnte sich negativ auf die Gesundheit
auswirken, während das Telefonieren selbst vielleicht
ungefährlich ist. Weil Epidemiologen bei aller Sorgfalt nicht
alle möglichen Faktoren kennen und einbeziehen können,
ist es mit diesen Studien nie möglich, Ursache und Wirkung der
beobachteten Phänomene klar zu beweisen.
Aber sie können einen Hinweis auf ein Risiko geben. Dabei
gilt: Je stärker der Zusammenhang tatsächlich ist, desto
klarer wird er in einer solchen Studie zum Vorschein kommen. In den
meisten epidemiologischen Studien ist bisher kein Zusammenhang
festgestellt worden. Nur eine Studie aus Schweden von Lennart
Hardell hat ein leicht erhöhtes Risiko für Handybenutzer festgestellt. Diese
Studie bezog sich aber auf Menschen, die seit ungefähr zehn
Jahren ein analoges Handy benutzen. Da das in Deutschland kaum
jemand getan hat, kann man dieses Ergebnis schlecht von Schweden
auf Deutschland übertragen. Forscher hoffen aber auf
Ergebnisse aus der laufenden Interphone-Studie. Diese von der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) organisierte
Studie ist die größte weltweit zum Thema Handy und Krebs. In 14
Ländern sollen über 7.000 Patienten befragt werden.
In Deutschland sind drei Institutionen beteiligt:
-Die Universität Bielefeld
- Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg
- Die Universität Mainz
Die Ergebnisse werden im Jahr 2004 erwartet.
Gibt es Tierversuche über den Zusammenhang von Handygebrauch und Krebs?
In Tierversuchen werden beispielsweise Ratten unter kontrollierten Laborbedingungen einem elektromagnetischen Feld ausgesetzt. Das bedeutet, dass alle Ratten die gleichen Bedingungen zum Leben haben - nur in einem unterscheiden sie sich: Eine Gruppe wird einem Feld ausgesetzt und die andere nicht. So kann man weitere Faktoren weitgehend ausschließen und nur die Wirkung des Elektrosmogs untersuchen.
Die Ergebnisse der bekanntesten Tierstudie zum Thema Handy und Krebs wurden 1997 von dem Australier Michael Repacholi veröffentlicht. In seinem Versuch arbeitete er mit gentechnisch veränderten Mäusen, die besonders krebsanfällig sind. Unter dem Einfluss eines elektromagnetischen Feldes entwickelten mehr Mäuse einen Tumor als ohne Feld. Ein solches Ergebnis lässt sich natürlich nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen, denn erstens sind die Versuchsmäuse per Gentechnik krebsanfällig gemacht worden, und zweitens könnte es auch sein, dass Mäuse empfindlicher auf elektromagnetische Wellen reagieren als Menschen. Diese Tierkrebsstudie hat also nur bedingte Aussagekraft und es bleibt abzuwarten, ob Folgestudien zu ähnlichen Ergebnissen kommen. In Rahmen der internationalen PERFORM-A Studie wiederholen mehrere Labors derzeit Repacholis Tierkrebs-Experimente, um herauszufinden, ob man tatsächlich einen experimentellen Zusammenhang zwischen Krebs bei Mäusen und Elektrosmog herstellen kann.
Gibt es noch andere Effekte von Handywellen, die auf Krebs hindeuten?
Ja, einige Forscher haben vor allem im Tierversuch eine solche Wirkung des elektromagnetischen Feldes gefunden. Aber die Ergebnisse der Studien sind umstritten; zum einen, weil es auch gegenteilige Ergebnisse gibt; aber auch deshalb, weil die Versuche noch nicht wiederholt und somit auch noch nicht bestätigt worden sind. Um den Effekten auf die Spur zu kommen, versuchen die Forscher oft, Schäden gezielt durch Handywellen hervorzurufen. Danach entnehmen sie Organe oder Zellen aus dem Körper der Versuchstiere. Am Rattenhirn zum Beispiel wurde beschädigtes Erbgut, (so genannte DNA-Brüche) entdeckt, offenbar verursacht durch ein elektromagnetisches Feld. DNA-Brüche können zu Krebs führen. Können - müssen aber nicht. Außerdem haben andere Forscher solche DNA-Brüche nicht gefunden. Und der dritte Kritikpunkt: Auch diese Ergebnisse kann man nicht einfach von Ratten auf den Menschen übertragen.
Ein anderer Versuch zielt auf die Rolle bestimmter Eiweißstoffe, die zum Beispiel bei Zellschäden produziert werden. Diese Hitzeschockproteine wurden an einem anderen Versuchstier studiert: dem nur zwei Millimeter kleinen Wurm Caenorhabditis elegans. Dieser Wurm ist durchsichtig und kann gentechnisch so verändert werden, dass diese Proteine grün fluoreszieren. Am grünen Leuchten in den Zellen kann man dann erkennen, ob mehr oder weniger der Proteine aktiv sind. Und als Reaktion auf ein elektromagnetisches Feld produziert der Wurm tatsächlich mehr dieser Proteine. Auch Menschen haben solche Hitzeschockproteine. Sie werden auch in Krebszellen gefunden. Aber ob menschliche Zellen genauso empfindlich auf Handywellen reagieren wie der Wurm und dann Krebs entwickeln, weiß man auch durch diesen Versuch nicht.
Wie hoch ist das Krebsrisiko denn nun?
Expertenkommissionen wie die der Strahlenschutzkommission in Deutschland oder die britische Stewart-Gruppe kommen nach sorgfältiger Bewertung aller bisher abgeschlossen Studien zu dem Ergebnis, dass Handys - wenn überhaupt - nur unwesentlich zur Krebsentstehung beitragen.
Doch solange wir noch nicht ganz sicher sind, kann Vorsicht nicht schaden, vor allem da nicht, wo das Risiko mit einfachen Maßnahmen gesenkt werden kann.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und anderen Gesundheitsproblemen?
Ob hochfrequente elektromagnetische Felder andere Gesundheitsprobleme hervorrufen kann, die mit Krebs nichts zu tun haben, schließen Mediziner derzeit zwar nicht aus. Aber es gibt keine Studien, die auf solche Zusammenhänge hindeuten. Das Risiko dürfte auch hier, wenn überhaupt vorhanden, sehr klein sein. Viele Menschen sorgen sich dennoch um eine ganze Reihe von Krankheitssymptomen, bei denen sie einen Effekt von Handys oder Basisstationen befürchten. Die Liste reicht von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus (Ohrrauschen) und Allergien bis hin zu Herzrhythmusstörungen. Viele solcher Beschwerden können gleich mehrere Ursachen haben oder auch psychologisch bedingt sein.
Beim Umgang mit solchen Risiken und Symptomen empfehlen wir deshalb: Wenn die Ursache einer Krankheit unklar ist und man sich über einen möglichen Effekt des Mobilfunks sorgt, kann man zur eigenen Beruhigung besonders darauf achten, seine Belastung beim Telefonieren zu reduzieren (siehe Schutztipps). Einer Basisstation kann man natürlich weniger gut ausweichen, aber die Sorge, dass hiervon Schaden ausgeht, halten die meisten Experten für unbegründet (siehe Frage zu Basisstationen).
Ich habe einen Herzschrittmacher. Ist Mobilfunk für mich gefährlich?
Es könnte sein. Manche Herzschrittmacher können in der Tat auf gepulste hochfrequente Felder reagieren, wenn zum Beispiel das Handy ganz nahe daran gehalten wird. Im schlimmsten Fall verwechselt der Schrittmacher dann die Handyimpulse mit denen des Herzens und reagiert so, als schlüge das Herz von selbst, also indem er seine eigenen Hilfssendungen aussetzt. Bei den meisten Patienten mit Schrittmacher ist selbst ein solcher Fall noch nicht sehr gefährlich, denn der Herzschrittmacher ist ja nur für den Fall da, dass das Herz ganz aussetzt. Einige Menschen sind jedoch ständig auf die Hilfeleistung des Schrittmachers angewiesen, damit ihr Herz überhaupt schlägt, und in solchen Fällen kann eine Beeinflussung durch ein Handy ernste Folgen haben. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Extremfall ist jedoch gering und bisher sind noch keine Todesfälle wegen Herzschrittmacherstörungen durch Handys bekannt geworden. Dennoch sollten sich Herzschrittmacherträger mit dem Risiko ihres Geräts auseinandersetzen und zum Beispiel wissen, wie empfindlich es ist.
Welchen Abstand muss ich mit meinem Handy zu einem Herzschrittmacher einhalten?
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt einem Mindestabstand von 20 cm zum implantierten Gerät. Träger eines Schrittmachers können also telefonieren. Schnurlos-Telefone gelten als unbedenklich.
Stand: 29.01.2002
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