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Wie finden sich Eizelle und Spermium?

  • SendeterminDienstag, 30. April 2002, 21.00 - 21.45 Uhr .

Noch vor 20 Jahren galt in der Wissenschaft das "Dornröschenmodell" als Erklärung dafür, wie Eizelle und Spermien zusammen finden:

Das Spermium schwimmt ganz aktiv durch den Uterus zum passiv wartenden Ei, so wie sich der Prinz zu der schlafenden Prinzessin alleine durchschlägt.

Doch diese Vorstellung ist nicht mehr zutreffend, denn in Wirklichkeit ist die Gebärmutter ganz entscheidend am Befruchtungsvorgang beteiligt.

Wenn die Spermien ankommen, werden sie zunächst am Eingang der Gebärmutter in einem Schleimpfropfen aufgenommen. Die Schleimumhüllung sorgt dafür, dass die Spermien nicht durch das Immunsystem vernichtet werden. Hier können sie im Schnitt drei Tage lang überleben. Durch gezielte Kontraktionen werden nun die einzelnen Schleimtropfen wie mit einem Aufzug in Richtung Eileiter transportiert.

Am Eingang des Eileiters werden die Spermien wie in einem Depot gesammelt.

Da ein Ei nach dem Eisprung lediglich 20 Stunden befruchtungsfähig ist, dient das Depot dazu, ständig lebensfähige Spermien vorrätig zu halten.

Im Eileiter bewegen sich die Spermien nur die letzten Zentimeter selbstständig auf das Ei zu, unterstützt durch Kontraktionen des Eileiters. Das Ei kommt ihnen entgegen, gefächelt durch die Bewegungen feiner Härchen an der EiIeiterwand. Durch Sekrete im Eileiter werden die Spermien noch beweglicher und Lockstoffe signalisieren ihnen den Weg zum Ei.

Im hinteren Drittel des Eileiters findet dann die Begegnung statt: Von den anfänglich 200 Millionen Spermien schaffen es nur ca. 500 bis hierhin. Diese müssen sich dann durch eine Wolke von Nährzellen (Cumulus) durchschlängeln. Bis direkt zur Eizelle schaffen es wiederum nur etwa 100 Spermien.

Endlich am Ei angelangt, interagiert der Spermienkopf mit Molekülen an der Eizellhülle: Wie Schlüssel und Schloss passen Spermienkopf und Eizellhülle zusammen. Nur wenn die Kommunikation an dieser Stelle stimmt, kommt das Spermium weiter voran. Artfremde Spermien haben an dieser Stelle keine Chance. Mit Verdauungsenzymen bohrt es sich dann durch die äußere Schicht (Zona pellucida), was ungefähr eine Stunde dauert. Dann ist es endlich geschafft. Eizelloberfläche und Spermium verschmelzen.

:

Claus Zirwes

Stand: 30.04.2002


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