Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Wissen
Quarks & Co
Sendung vom 30. April 2002
Was kann die Medizin gegen Unfruchtbarkeit tun?
Die Chance, ein Kind zu bekommen ist eng mit dem Alter von Mann und Frau verknüpft. Hier ist vor allem das Alter der Frau ein entscheidendes Kriterium. Während Männer ein Leben lang immer neue Spermien produzieren, liegen bei der Frau schon alle Eizellen mit der Geburt vor. Deshalb altern diese auch mit dem Lebensalter der Frau und werden qualitativ immer schlechter. Dabei häufen können sich zum Beispiel genetische Fehler in den Eizellen anhäufen. Eine gesellschaftliche Entwicklung ist die zeitliche Überschneidung von beruflicher Karriereplanung und Familienplanung, die nicht immer unter einen Hut zu bringen sind. Die Folge: Viele Frauen entscheiden sich heute erst in einem höheren Alter für ihr erstes Kind.
1960 waren die meisten Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes in Westdeutschland noch 23 Jahre, 1999 hingegen schon 30 Jahre alt, mit wahrscheinlich steigender Tendenz. Auch in den USA ist diese Tendenz zu beobachten. Dort warnt sogar die Gesellschaft für Reproduktionsmedizin Frauen davor, den Kinderwunsch zu lange hinauszuzögern. In Werbekampagnen auf Bussen von großen Städten wie New York oder Chicago symbolisiert eine umgedrehte Babyflasche in Form einer Sanduhr, die tickende biologische Uhr und daneben ist zu lesen:" Fortschreitendes Alter verringert ihre Fähigkeit, Kinder haben zu können."
Neben der biolgischen Uhr gibt die Überlebensfähigkeit von Spermien und Eizellen sowie der Monatszyklus der Frau vor, wann überhaupt Kinder gezeugt werden können. Schaut man genauer hin, bleibt letztlich im Monat nur ein relativ kleines "Fruchtbarkeitsfenster", dass erfolgsversprechend ist.
Genau in der Mitte des Zyklus - etwa am Tag 14 - liegt der Eisprung der Frau. Danach bleibt das Ei nur rund 20 Stunden besamungsfähig. Spermien überleben etwas länger, so um die 3 Tage. Deshalb liegt der optimale Zeitpunkt für den "Geschlechtsverkehr mit Folgen" in der Regel kurz vor dem Eisprung der Frau. Da es aber immer zu Abweichungen beim Eisprung oder den Überlebenszeiten kommen kann, ist diese Methode vielleicht gut, die Chancen auf ein Kind zu erhöhen, als Verhütungsmethode aber eher unsicher.
Selbst bei völlig gesunden Paaren ist die Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Monatszyklus auf natürlichem Wege schwanger zu werden nur 20 % bis 30 %. Ungefähr in dieser Größenordnung liegen auch die Schwangerschaftsraten pro Behandlungsversuch, wenn alles optimal verläuft. Die individuelle Chance auf eine Schwangerschaft hängt natürlich von der Schwere der Fruchtbarkeitsstörung, aber vor allem vom Alter der Frau ab. Auch je nach Methode variiert die Wahrscheinlichkeit, daß die Arbeit der Reproduktionsmediziner fruchtet. Das "Deutsche IVF Register (DIR)" wertet die Zahlen für über 100 Reproduktions-Kliniken in Deutschland aus. Eine Statistik liegt bis jetzt erst für das Jahr 2000 vor.
Methode: IVF
Anzahl: 28.655
Schwangerschaften: 6292
Geburten: 3161
Chance: 11 %
Methode: ICSI
Anzahl: 15.608
Schwangerschaften: 3854
Geburten: 2029
Chance: 24 %
Besonders wichtig ist dabei: Eine Schwangerschaft entspricht noch nicht der Geburt eines Kindes! Nur ungefähr 50% aller Schwangerschaften werden tatsächlich zum Wunschkind. Die Hälfte der Frauen verliert ihr Kind.
Die Reproduktionskliniken werben mit wesentlich höheren "Baby-take-Home-Raten". Denn bei 4 Behandlungszyklen, die die Krankenkasse jedem Paar bezahlt, erhöhen sich die Chancen "kumulativ" auf 50% bis 70% für eine Schwangerschaft. Klingt gut - doch nur jedes sechste Paar trägt tatsächlich das ersehnte Wunschkind mit nach Hause.
Corinna Sachs, Harald Raabe
Stand: 30.04.2002
Seite teilen