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Quarks & Co
Sendung vom 30. April 2002
Welche Risiken birgt die künstliche Fortpflanzung allgemein?
Die assistierte Reproduktion ist nicht unkompliziert. Die Mediziner greifen mit Hormonen intensiv in den Zyklus der Frau ein. Es soll nicht nur ein Ei pro Zyklus heran reifen, sondern so viele wie möglich. Im Durchschnitt sind es 10 Eier pro Frau. Das fordert dem Körper einiges ab. Diese hormonelle Stimulation (siehe Methoden IVF und ICSI, Hyperlink) kann zu einer deutlichen Überfunktion der Eierstöcke führen. Man nennt dies "Ovarielles Hyperstimulationssyndrom ( OHSS)". Dabei bekommt die Frau starke Schmerzen und im Oberbauch sammelt sich Flüssigkeit. Das muß dringend behandelt werden - möglicherweise sogar stationär. Unbehandelt besteht die Gefahr zu sterben. Laut Werbeprospekt einer Reproduktionsklinik kann das Risiko für eine OHSS durch regelmäßige Kontrollen während der Therapie auf 1 bis 2 Prozent vermindert werden.
Da bei der IVF oder der ICSI bis zu drei befruchtete Eizellen übertragen werden, besteht außerdem ein erhöhtes Risiko Mehrlinge zu bekommen.
Laut Deutschen IVF-Register (DIR) wurden im Jahr 2000 geboren:
Einlinge: 4521
Zwillinge: 1312
Drillinge: 142
Vierlinge: 2
Das sind die Zahlen pro Geburt. Daher wird den zukünftigen Eltern vor der Behandlung gesagt, es besteht eine ungefähr 20 %ige Chance Zwillinge zu bekommen. Wenn man diese Zahlen pro Kind betrachtet, sieht die Statistik um einiges beeindruckender aus:
Einlinge: 4521
Zwillinge: 2624
Drillinge: 426
Vierlinge: 8
Dann stehen 4521 Einlinge 3058 Mehrlingen gegenüber. Das klingt schon ganz anders. Eine Mehrlingsschwangerschaft birgt besondere Risiken für Mutter und die Kinder. Drillinge kommen grundsätzlich als Frühchen auf die Welt, da die Kinder nicht genug Platz im Bauch der Mutter haben. In Durchschnitt ist jedes vierte Drillingskind ein behindertes Kind.
Um das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft zu begrenzen, dürfen in Deutschland pro Zyklus nur 3 Embryonen eingesetzt werden. Doch auch dann besteht die Gefahr, daß einzelne Eizellen sich nochmal teilen und Zwillinge entstehen - zusätzlich zu den anderen beiden eingesetzten Eizellen. So sind z.B. die beiden Vierlingsschwangerschaften entstanden.
Drillinge, Vierlinge, Fünflinge - auch für die Mutter ein Risiko. Besteht Gefahr für die Schwangere oder für die noch ungeborenen Kinder, empfehlen die Ärzte, der werdenden Mutter eine "Reduktion". Das bedeutet: Noch im Mutterleib wird eine bestimmte Anzahl der Kinder getötet. In Deutschland reduziert man meist auf Zwillinge. Die Reduktion geschieht von außen. Durch die Bauchdecke bis in die Gebärmutter wird mit einer Spritze Gift direkt in einen Embryo gespritzt. Am Ultraschall wird das genau kontrolliert. Je nach Anzahl der Embryos macht man dies bei mehreren hinter einander oder in mehreren Sitzungen. Dabei besteht natürlich eine Gefahr, einer Fehlgeburt.
Die nicht mehr lebenden Embryos müssen die restliche Schwangerschaft im Bauch der Schwangeren verbleiben. Sie verkapseln sich; eine sogenannte Schwangerschaftsvergiftung tritt nicht auf. Es gibt Frauen, denen diese Maßnahme von ihren Ärzten empfohlen wird. Sie leiden sehr darunter, weil sie dieses Verfahren als Tötung ihrer Wunschkinder empfinden. Die Kehrseite der Medaillie: Andere Paare wollten immer nur ein Kind. Dass bei IVF oder ICSI ein Risiko besteht, Mehrlinge zu bekommen, ist ihnen nicht wirklich bewußt gewesen. Häufig rufen diese Frauen in Kliniken an und wollen von Zwillingen auf ein Kind reduzieren lassen. In Deutschland sucht man Ärzte, die dies machen vergeblich.
Die Gefahr Mehrlinge zu bekommen, besteht übrigens nicht nur bei IVF und ICSI, sondern auch bei einer Hormonbehandlung mit Clomifen oder Gonadotropin. Diese Präparate sollen die Eierstöcke stimulieren und können von einem Hausarzt oder einem Frauenarzt verschrieben werden. Doch der Einsatz und vor allem die Wirkung muß ganz streng kontrolliert werden. Funktioniert die Therapie werden auf einen Schlag viele Follikel/Eizellen reif. Ist der Partner normal fruchtbar, ist die Mehrlingsschwangerschaft vorprogrammiert.
Schwangere, bei denen eine Mehrlingsschwangerschaft festgestellt und eine Reduktion empfohlen wurde, finden beim ABC-Club www.abc-club.de Gesprächspartner. Hier finden sich Erfahrungsberichte von Müttern, die mit Mehrlingen leben und von Frauen, die selbst Erfahrungen mit einem Fetozid gemacht haben.
Corinna Sachs
Stand: 30.04.2002
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