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Sendung vom 11. Juni 2002
Blut - Saft des Lebens
Wir haben versucht uns die unglaublich vielen Fähigkeiten des Blutes klarzumachen. Am eindrucksvollsten schien uns das zu gelingen, indem wir uns den Körper als eine Stadt vorstellten. Die Stadtbezirke wären dann die einzelnen Organe. Und das Blut? Der Saft des Lebens ist ein wahnsinnig vielseitiges Transport- und Logistiksystem. Ein System, das gleichzeitig Rohstoffe, Energie und Baumaterial durch die Körperstadt transportiert, das als Müllabfuhr, als Kanalisation, als Klimaanlage, als Post- und Kurierdienst und als Reparaturnotdienst fungiert und das sogar die Aufgaben der Polizei übernimmt.
Begleiten sie uns auf eine einmalige Reise durch die animierte Körperstadt. Übrigens: Wenn sie wissen wollen, wie so ein körpereigenes Müllauto oder ein biologischer Polizeiwagen in Wirklichkeit aussieht, dann halten sie die Reise durch die Körperstadt einfach an und greifen sie auf die zusätzlichen Informationen zu.
Das Straßennetz der Körperstadt ist ein Röhrensystem, in dem kein Verkehrsmittel selbst fahren muß. Ein schneller Strom – eben das Blut, angetrieben von einer Hochleistungspumpe, dem Herz, transportiert große Vehikel (die Blutzellen) und kleine Vehikel (Proteine, Vitamine und Salze).
Der Strom erreicht zunächst die Lunge. Wie ein Wald in der Stadt, versorgt sie den Körper mit Sauerstoff und nimmt ihm das Abgas Kohlendioxid ab. Die Verteilung des lebenswichtigen Sauerstoffs übernehmen spezielle Gastransporter im Strom, die Erythrozyten. Sie tauschen in der Lunge das Abgas Kohlendioxid gegen Sauerstoff aus.
Im Röhrensystem verkehren unzählige Taxis. Manche sind universell einsetzbar, wie z.B. Albumin: Dieser Transporter kann Fettsäuren, aber auch Fremdstoffe wie Penicillin befördern.
Andere Taxis befördern nur ausgewählte Fahrgäste: Transferrin zum Beispiel befördert nur Eisen, Transcobalamin nur Vitamin B12 und LDL nur Fette wie Cholesterin.
Im Darm, der Raffinerie des Körpers, wird das Blut mit Rohstoffen beladen, die in anderen Stadtbezirken zum Leben gebraucht werden: Baustoffe (die Aminosäuren) und Treibstoffe (Glukose und Fette) werden im Darm aufgenommen. Manche von ihnen gleiten alleine durch die Verkehrswege, wie die Glukose, andere werden auf Spezialtransporter geladen. Die Energietransporter laden ihre kostbare Fracht meist in der Leber, der Chemiefabrik der Körperstadt ab. Fette und Glukose werden hier in eine Speicherform verwandelt und gelagert. Die Chemiefabrik entsorgt aber auch gefährliche Abfallstoffe, die in der Körperstadt Schaden anrichten würden.
Nicht alle Schadstoffe werden in der Chemiefabrik unschädlich gemacht, die wasserlöslichen wie der Harnstoff, werden einfach in das Röhrensystem geleitet. Um den Strom regelmäßig zu filtern, durchfließt er permanent eine Art Kläranlage, die Niere.
Gibt es irgendwo im Röhrensystem ein Leck, tritt sofort das mobile Reparaturteam in Aktion. Eine komplizierte chemische Kaskade sorgt dafür, dass das Blut im Bereich des Lecks gerinnt und einen Pfropfen bildet, der das Loch abdichtet. Die wichtigsten Einsatzkräfte im "Gerinnungsteam": die Blutplättchen (Thrombozyten) und das Protein Fibrinogen.
Im Röhrensystem sind ständig Sicherheitskräfte unterwegs. Ein Teil der Polizisten, die Lymphozyten, sucht mit kleinen mobilen Fahndern, den Antikörpern, nach Eindringlingen – Bakterien, Parasiten oder Giftstoffen - und schlägt Alarm wenn sie fündig werden. Das ruft Sicherheitskommandos auf den Plan, die alle Angreifer außer Gefecht setzen: Granulozyten und Monozyten, Fresszellen fressen die festgenommenen Eindringlinge einfach auf.
Und noch etwas begegnet dem Reisenden in der Körperstadt: Kuriere, die wichtige Informationen in Windeseile von einem zum anderen Ort transportieren. Adrenalin zum Beispiel, das die Körperstadt in kürzester Zeit in Alarmbereitschaft versetzt.
Ismeni Walter
Stand: 11.06.2002
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