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Sendung vom 11. Juni 2002
Blutgruppen
Vor der Entdeckung der Blutgruppen wurde immer wieder versucht, Blut von Menschen oder Tieren zu übertragen. Ausgedehnte Blutverluste bei Operationen oder Geburten sollten behandelt werden. Häufig wurde dadurch jedoch der Tod des Patienten sogar beschleunigt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren deshalb Bluttransfusionen in den meisten europäischen Ländern verboten. Der Stadtrat von Paris verbot unter Androhung der "Lebensstrafe" alle Formen von Blutübertragungen.
Karl Landsteiner (1868-1943) entdeckte im
Jahr 1901 das ABO-Blutgruppensystem. Er stellte fest, dass das Blut
von verschiedenen Spendern bei der Kombination zum Teil verklumpt
(agglutiniert). Er stellte Versuche mit seinem Blut und dem von 5
weiteren Kollegen an und entdeckte die Blutgruppen A, B und 0.
Dabei hatte er das Glück auf seiner Seite, denn die meisten
Menschen in Europa haben die Blutgruppe A oder 0 und nur 11 Prozent
der Bevölkerung besitzen Blutgruppe B. Er veröffentlichte
seine Erkenntnisse 1901 in der Arbeit "Über
Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes".
Für diese Arbeit erhielt Landsteiner 1930 den Nobelpreis
für Medizin. Das neue Wissen über die Blutgruppen
revolutionierte die medizinische Praxis, da endlich eine
sorgfältige Bestimmung der Blutgruppen möglich war. Dies
half auch bei der Behandlung der Verwundeten im ersten Weltkrieg.
Trotzdem traten immer noch ungeklärte Probleme bei
Bluttransfusionen auf. Die Lösung zu dieser Frage fand Karl
Landsteiner 1940 in Experimenten mit Rhesusaffen. Er entdeckte ein
weiteres Blutgruppenmerkmal: den Rhesusfaktor.
Das ABO-System der Blutgruppen klingt kompliziert. Man kann es sich aber ganz einfach an unserem Blutgruppenspiel veranschaulichen. Auf den roten Blutkörperchen gibt es drei verschiedene Eiweißsubstanzen. Wir nennen sie der Einfachheit halber A, B und C. C wird jedoch aus historischen Gründen Rhesusfaktor genannt, weil es an Rhesusaffen entdeckt wurde. Die drei Eiweiße also legen die Blutgruppe eines Menschen fest. In unserem Blutgruppenspiel haben wir sie mit verschiedenfarbigen Spielfiguren dargestellt. Befinden sich im Blut alle drei Eiweiße/Spielsteine A, B und C, dann hat dieser Mensch die Blutgruppe AB Rhesus positiv. Fehlt aber zum Beispiel der Spielstein B, so hat die Person die Blutgruppe A Rhesus positiv.
Unser Blutgruppen-Spiel zeigt sämtliche Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Blutgruppen. Insgesamt gibt es acht verschiedene Möglichkeiten, wie die Eiweiße A, B und der Rhesusfaktor verteilt sein können. Von der Blutgruppe AB Rhesus positiv, die alle drei Eiweißkomponenten besitzt, bis zur Blutgruppe 0 Rhesus negativ. Hier ist keiner der Spielsteine also Eiweiße im Blut zu finden. Spielen Sie unsere Internetversion des Blutgruppenspiels.
An unserem Spiel wird auch klar, warum es lebenswichtig ist, vor einer Bluttransfusion die Blutgruppe zu kennen. Erhält ein Blutspendeempfänger Blut, mit Eiweißsubstanzen, die sein Körper nicht kennt, dann wehrt sich das Immunsystem. Das Blut verklumpt und der Mensch stirbt. Menschen mit der Blutgruppe AB Rhesus positiv können jedes Blut erhalten, denn ihr Körper kennt alle drei Eiweißkomponenten. Anders ein Mensch mit der Blutgruppe A Rhesus positiv. Er darf kein Blut mit der Eiweiß B bekommen, also weder Blut der Blutgruppe AB noch der Blutgruppe B. Bei Menschen mit der Blutgruppe O Rhesus negativ ist die Situation komplizierter. Da ihr Körper keines der drei Eiweiße kennt, dürfen diese Menschen auch nur Blut der Blutgruppe 0 Rhesus negativ erhalten.
Marion Kerstholt
Stand: 11.06.2002