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Quarks & Co
Sendung vom 11. Juni 2002
Blutsauger
Blut ist schon ein ganz besonderer Saft – eben ein
besonders nahrhafter. Immerhin haben 100 Milliliter Blut soviel
Kalorien wie ein ganzer Riegel Schokolade.
Die Liste der Blutsauger im Tierreich ist daher lang. Sie machen
sich mit raffinierten Strategien an den kostbaren Stoff heran.
Dabei zapfen sie nicht nur Blut ab, sondern übertragen in den
meisten Fällen leider auch gefährliche Krankheiten.
Quarks & Co stellt drei Beispiele
vor:
Eine Zecke nimmt nur drei Mal in ihrem Leben eine Mahlzeit zu
sich und bereitet sich darauf in aller Ruhe vor: Mit speziellen
Sensoren für Wärme und Kohlendioxid ausgestattet wartet
sie, ohne etwas sehen oder hören zu können, auf ein
geeignetes Opfer. Die Zecke saugt sich mit speziellen
Greifarmen binnen weniger Hundertstelsekunden fest. In
kürzester Zeit schwillt sie auf das Zweihundertfache ihres
Gewichtes an: durch nahrhaftes Blut von Mäusen, Katzen oder
auch Menschen. Entdeckt man eine festgebissene Zecke, sollte man
das Tier möglichst schnell von einem Fachmann entfernen
lassen.
Als Überträger der
Hirnhautentzündung sind die Zecken seit
langem gefürchtet. Mittlerweile kann man sich dagegen impfen
lassen. Doch Mediziner wie Patienten unterschätzen oft eine
zweite durch Zecken verursachte Infektionskrankheit: die
Borreliose. Wird sie nicht rechtzeitig
erkannt, kann sie zu schweren Nervenerkrankungen führen oder
den ganzen Körper lähmen. Einen Impfstoff gibt es bisher
nicht. Die Borreliose kommt in Deutschland - im Gegensatz zur
Hirnhautentzündung - überall vor.
Generell ist ein Zeckenbiss kein Grund zur Panik, denn nur jede
zwanzigste Zecke trägt auch tatsächlich
Borreliose-Erreger. Waldspaziergänger sollten auf lange
Kleidung achten und sich selbst regelmäßig nach dem
Spaziergang auf Zecken absuchen.
Vorbeugung ist auch bei Haustieren wichtig. Mit speziellen
Tropfenemulsionen im Fell lassen sich Zecken abwehren.
Auch Flöhe ernähren sich von Blut. Vor allem Tiere
können durch Flöhe ernsthaft erkranken; junge Tiere
können sogar sterben. Flöhe beißen nicht nur Hunde
und Katzen, sie mögen auch das Blut des Menschen. Selbst ohne
Mahlzeit können sie viele Wochen überleben und in
Wartestellung gehen. Am weitesten verbreitet sind Katzenflöhe.
Sie sitzen aber auch auf Hunden und Ratten. In Wohnungen
können sie das ganze Jahr überleben, denn sie haben keine
"Saison". Sieht man einen Floh im Teppich, so ist das
wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Hunderte von
Flöhen sind zu vermuten und 20-mal mehr Eier warten darauf zu
schlüpfen.
Nach einem Flohbiss fängt die Biss-Stelle an zu jucken und
wird rot. Oft sind die Biss-Stellen in Gruppen zu drei oder vier
Bissen an Beinen, Armen, Schultern und am Bauch zu finden. Kinder
werden oft Opfer von Flöhen, denn sie spielen länger und
öfter mit ihren Haustieren. Flohbisse sollte man mit Seife und
Wasser auswaschen. Und trotz Jucken sollte man sich nicht kratzen,
um Sekundär-Infektionen zu vermeiden. Bei Verdacht auf eine
Infektion muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Auch Blutegel ernähren sich von Blut. Der olivgrün bis
dunkelbraune Ringelwurm, übrigens ein Verwandter des
Regenwurms, hat eine eigene Strategie entwickelt, um an den
kostbaren Saft zu gelangen. Mit seinen drei scheibenförmigen,
gesägten Kiefern bohrt er sich regelrecht zum
Blutgefäß vor und hinterlässt eine Y-förmige
Wunde. Mit einer Mahlzeit nimmt er in nur 30 Minuten circa
15 ml Blut auf.
Für die Verdauung lässt er sich dann 6-15 Monate
Zeit.
Hierzulande ist der Egel längst ausgestorben. Daran ist sein
über Jahrhunderte geradezu inflationärer Verbrauch in der
Medizin schuld. Bis ins 19. Jahrhundert galt der Blutegel als
Allheilmittel: Er wurde zur Behandlung von Furunkeln,
Hautkrankheiten und Hämorrhoiden verwendet - aber auch, um
Depressionen und Rheuma zu heilen.
Die medizinische Wirkung ist mehr als nur ein Aderlass. Mit seinem
Biss gibt der Wurm den gerinnungshemmenden Stoff Hirudin ins Gewebe
ab und eine entzündungshemmende Substanz, die man Eglin nennt.
Beide Stoffe können längst auch synthetisch hergestellt
werden. Hirudin ist ein direkter Hemmstoff von Thrombin, einem
wesentlichen Gerinnungsfaktor im Blut. Es wird vor allem zur
Behandlung von Venenthrombosen und Hämorrhoiden
verwendet.
Weil diese Medikamente leichter anzuwenden sind, war die etwas
eklige Egeltherapie lange Zeit in Vergessenheit geraten. Seit
einigen Jahren erlebt sie ein Comeback. Vor allem in der Naturmedizin, wo sie
angeblich sehr gute Resultate bei der Behandlung von Migräne,
Bluthochdruck, Rheuma und Arthrose zeigt. Aber auch in der
Schulmedizin wird der Egel heute wieder eingesetzt. Speziell in der
plastischen Chirurgie, zum Beispiel nach der Transplantation von
abgetrennten Gliedmaßen, kann der Blutegel effektiver
Blutergüsse auflösen als Salben.
Die Egel, die dafür verwendet werden, stammen aus einer Zucht
für Blutegel und man kann sie wie ein Medikament in der
Apotheke kaufen. Sie dürfen allerdings nur einmal eingesetzt
werden, denn sonst könnten sie Krankheiten
übertragen.
Nur die Weibchen ernähren sich von Blut. Alle 24 Stunden
stechen sie zu, um Eiweißstoffe für die Entwicklung
ihrer Eier aufzunehmen. Die Moskito-Männchen hingegen leben
vegetarisch. Sie ernähren sich von Pflanzensäften und
Nektar.
Stechmücken verfügen über ein komplexes
Ortungssystem, mit dem sie ihre Opfer aufspüren. Die Moskitos
lassen sich bei der Suche ihres potenziellen Opfers vor allem durch
ihren Geruchssinn leiten. Der menschliche Körper setzt 300 bis
400 verschiedene Substanzen frei, davon allein über die Atmung
etwa 100 verschiedene flüchtige Substanzen. Kohlendioxid und
Milchsäure sind die bekanntesten Substanzen, die
Stechmücken anziehen. Zusätzlich spielen Hauttemperatur
und Hautfeuchtigkeit eine wichtige Rolle.
Mit ihrem dünnen langen Stechrüssel können Moskitos
Blut aus den feinen Kapillargefäßen der Haut saugen. Die
Hautrötung nach dem Stich ist Folge einer allergischen
Reaktion. Denn die Mücken injizieren den Opfern beim Stich
eine ätzende Lösung. Darauf reagiert das menschliche
Immunsystem.
Verschiedene Stechmückenarten können besonders in den
Tropen gefährliche Krankheiten verbreiten. Am bekanntesten ist
die Malaria, eine Erkrankung durch Parasiten, die durch die
Anopheles-Mücke übertragen wird und beim Menschen
wiederkehrende Fieberschübe auslöst. Außer der
Malaria übertragen Stechmücken auch andere
Tropenkrankheiten wie Gelbfieber oder Denguefieber.
Heinz Greuling, Judith König
Stand: 11.06.2002
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