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Quarks & Co
Sendung vom 11. Juni 2002
Blutspende
Täglich mehr als 11.000 Mal wird in Deutschland Blut gespendet – jeweils etwa ein halber Liter. Wie sicher sind diese Blutspenden für den Empfänger? Und was passiert eigentlich mit dem gespendeten Blut?
Sicherheit wird bei den Blutspendediensten groß
geschrieben. Schon die Auswahl der Spender ist so streng, dass
viele Menschen gar nicht erst zur Spende zugelassen werden. So
führt zum Beispiel die Einnahme gewöhnlicher
Allergiemedikamente (Antihistaminika) bereits zu einem einmonatigen
Ausschluss. Ein Urlaub in einem Malariagebiet führt gar zu
einer Sperre von 6 Monaten. Gar nicht spenden
dürfen u.
a. Drogenabhängige, Prostituierte und
Häftlinge. Aber auch homo- und bisexuelle Männer werden
einer Hochrisikogruppe zugeordnet, obwohl die
befürchteten HIV- oder
Hepatitis-Infektionen natürlich nicht von der sexuellen
Orientierung allein abhängig sind.
Alle Blutproben werden dann aber noch intensiv geprüft. In
größeren Blutspendezentralen läuft diese
Überprüfung häufig automatisiert ab. Dabei wird das
Blut in einem Gerät gleichzeitig auf Hepatitis, HIV und
Syphilis getestet. Bei etwa jeder 30.000-sten Spende schrillen die
Alarmglocken: Wenn der Test ein positives Ergebnis zeigt, wird die
Blutprobe sofort gesperrt. Und trotzdem bleibt ein kleines
Rest-Risiko: Im Schnitt schlüpft bundesweit alle zwei Monate
eine Blutspende mit einem Virus durch die Kontrollen, obwohl der
Test nichts gefunden hat.
Wissenschaftler testen jetzt ein Verfahren, das noch mehr
Sicherheit verspricht: Sogar unbekannte Viren sollen dabei
unschädlich gemacht werden.
Die Forscher nutzen einen besonderen Unterschied aus: Alle
Krankheitserreger besitzen Erbsubstanz;
Blutplättchen und
rote Blutkörperchen, zwei wichtige
Blutpräperate, jedoch nicht.
Zurzeit laufen Tests an Blutplättchenpräparaten, die mit
einer Substanz vermischt werden, die auch in der Petersilie
vorkommt: Psoralen. Sind Krankheitserreger im Blut, dann heftet
sich das Psoralen an deren Erbsubstanz. Anschließend werden
die Präparate drei Minuten lang mit UV-A-Licht bestrahlt. Durch das
angeheftete Molekül wird dabei die Erbsubstanz zerstört.
Wenn im Blut Viren, Bakterien oder Parasiten vorhanden waren,
können sie sich nun nicht mehr vermehren und sind damit
unschädlich.
Dieses Verfahren wirkt auch bei unbekannten Erregern, weil das
Psoralen generell die Erbsubstanz angreift. Die Blutplättchen
werden bei dieser Prozedur nicht geschädigt, da sie ja keine
Erbsubstanz enthalten.
Mit den roten Blutkörperchen haben die Forscher Ähnliches
vor, denn auch sie besitzen keine Erbsubstanz.
Sind die Tests erfolgreich, könnten Bluttransfusionen noch
viel sicherer werden – obwohl die Wahrscheinlichkeit sich zu
infizieren auch bisher extrem gering ist.
Bei der Blutspende wird das Blut direkt in ein geschlossenes
Beutelsystem abgezapft. Darin befindet sich eine Substanz, die die
Gerinnung des Blutes unterbindet. Ohne diese würde es
innerhalb weniger Minuten verklumpen und man könnte es nicht
mehr nutzen.
Das Blut wird dann zentrifugiert: Dabei setzen sich die schweren
Bestandteile unten und die leichteren oben ab. In speziellen
Maschinen wird das Blut dann in drei Bestandteile aufgeteilt. In
die roten Blutkörperchen, das Blutplasma und die
Blutplättchen. Die roten Blutkörperchen sind relativ
schwer und fließen nach unten ab. Bei Operationen mit
großem Blutverlust stellen sie die Sauerstoffversorgung im
Körper sicher. Das leichtere
Blutplasma wird nach oben gedrückt. Aus
ihm können über 30 Medikamente hergestellt werden:
Gerinnungsfaktoren für Bluter, aber auch Impfstoffe
z. B. gegen
Wundstarrkampf. Im Beutel verbleiben die Blutplättchen. Mit
ihnen werden unter anderem Krebspatienten behandelt.
Axel Bach
Stand: 11.06.2002