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Sendung vom 11. Juni 2002
Alternative Kunstblut
Ob bei einer Operation oder nach einem Unfall: Oft hängt
das Leben eines Patienten davon ab, dass er schnell Blutersatz
bekommt. Sofort muss also seine Blutgruppe festgestellt werden,
dann erhält er Blutkonserven. In Deutschland ist die
Versorgung dank gut organisierter Blutbanken in der Regel
ausreichend. Aber schon jetzt gibt es Zeiträume, während
derer der kostbare Lebenssaft rar ist. In den Sommerferien
beispielsweise, wenn die regelmäßigen Blutspender oft
selbst Urlaub machen und es zudem mehr Unfälle gibt. Experten
gehen gar davon aus, dass Spenderblut schon in 20-30 Jahren
Mangelware sein könnte. Dies hat unter anderem damit zu tun,
dass immer mehr Menschen sich Operationen unterziehen, bei denen
Blutkonserven gebraucht werden. Zum anderen sinkt aufgrund der
demographischen Entwicklung auch der Anteil der Blutspender.
Um diesem drohenden Mangel vorzubeugen, wird schon seit einigen
Jahrzehnten an der Erforschung von Blutersatzstoffen gearbeitet.
Der gemeinhin als "Kunstblut" bezeichnete Stoff kann aber
vermutlich niemals Blut mit allen seinen Eigenschaften ersetzen.
Aber "Kunstblut" soll vor allem die
Sauerstofftransportfunktion des Blutes übernehmen, damit der
Organismus - z.
B. während einer OP - ausreichend mit Sauerstoff
versorgt wird.
Um ein solches Kunstblut zu entwickeln, haben die Forscher zwei
Richtungen eingeschlagen. Die eine besteht aus einer komplett
"künstlichen" Lösung. Hier dient eine
Perfluorcarbon-Lösung als Blutersatz. Die milchige
Flüssigkeit sieht zwar keineswegs nach Blut aus, eignet sich
aber hervorragend zum Sauerstofftransport. Denn das langkettige
Kohlenstoffmolekül - im Vergleich zu
Hämoglobin ein sehr einfach
strukturiertes Molekül - trägt statt Wasserstoffatomen
Fluor und Brom. Dadurch kann das Molekül Sauerstoff leicht
binden und im Gewebe wieder abgeben.
Eine Substanz mit dem Namen Oxygene hat ihre Wirksamkeit auch
bereits in vielen klinischen Studien unter Beweis gestellt. Doch
zugelassen ist dieser Blutersatzstoff bislang weder in den
Vereinigten Staaten noch in Europa. Für eine Zulassung als
Arzneimittel sind noch weitere Studien nötig.
Ein anderer Blutersatzstoff ist da schon weiter: Hemopure. Das
Kunstblut Hemopure besteht aus Hämoglobin, das aus den roten
Blutkörperchen von Rinderblut isoliert wird. Hämoglobin
würde normalerweise im Blut sofort zerfallen, da diese
Moleküle extrem unstabil sind. Deswegen wird es in besondere
Molekülkomplexe verpackt. Der Sauerstofftransport funktioniert
ähnlich wie bei echtem Blut. Auch dieses Kunstblut hat in
vielen Studien bewiesen, dass es Blutkonserven während einer
Operation ersetzen kann. Für eine Zulassung in Amerika oder
Europa fordern die Gesundheitsämter aber noch weitere Studien
an noch mehr Patienten, um auszuschließen, dass Reaktionen
auftauchen, die sich bisher nicht gezeigt haben. Eine Zulassung
gibt es bislang erst in Südafrika. Dort wurde Hemopure im
April 2001 zugelassen, weil andere Alternativen fehlen. Die
Blutkonserven in Südafrika sind zu einem großen Teil mit
dem HIV-Virus infiziert
und eine solche Blutspende würde – nach derzeitigem
Wissensstand – ein größeres Risiko bedeuten als
der Einsatz von Blutersatzstoffen.
Eine ähnliche Substanz wie Hemopure ist Oxyglobin. Dieser
Blutersatzstoff ist auch in Deutschland zugelassen, allerdings nur
für die Behandlung einer Blutarmut bei Hunden.
Es gibt übrigens auch Forschungsansätze, bei denen das
Hämoglobin aus abgelaufenen Blutkonserven gewonnen wird.
Darüber hinaus wird an der gentechnischen Produktion von
Hämoglobin bereits erfolgreich geforscht. Vielleicht gibt es
eines Tages – ähnlich dem gentechnisch hergestellten
Insulin – auch einen derart erzeugten Blutersatzstoff.
Judith König
Stand: 11.06.2002
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