Die Macht der Suggestion

  • Dienstag, 09. Juli 2002, 21.00 - 21.45 Uhr

Szenenbild aus der Sendung Quarks & Co

Foto: Auge in Nahaufnahme

Wir sehen nur, was wir sehen wollen.

Normalerweise sind wir der irrigen Auffassung, dass wir mit unseren Sinnesorganen eine objektive Wirklichkeit wahrnehmen. Das wir damit falsch liegen, zeigen jedoch schon einfache optische oder akustische Täuschungen. Auf dem Weg vom äußeren Reiz bis zu unseren subjektiven Wahrnehmung spielen viele Faktoren ein Rolle. Ein sehr wichtiger ist unsere Erwartung. Etwas naiv ausgedrückt könnte man sagen: "Wir sehen/hören/etc. nur, was wir sehen/hören/etc. wollen."

Aus diesem Grund sind wir jedoch auch sehr einfach zu manipulieren. Wenn jemand in uns eine bestimmte Erwartungshaltung erzeugt, werden wir sehr wahrscheinlich diese uns suggerierte Wirklichkeit wahrnehmen, ganz egal wir real sie ist. Eine Paradebeispiel für die Macht der Suggestion ist ein Experiment, das wir bereits in einer unserer frühren Sendungen durchgeführt haben (Quarks  & Co -  Dr. Humbug und  Prof.  Scharlatan):

"Das Experiment"

Wir erklärten Physik-Studenten an der Technischen Hochschule Aachen, dass wir einen Versuch zur Ausbreitung von Gerüchen filmen wollten. In einer Flasche hatten wir eine grüne, angeblich stark riechende Flüssigkeit mitgebracht. Wer etwas roch sollte sich melden. Nach wenigen Minuten waren fast alle Studenten überzeugt, dass es im Vorlesungssaal stinkt. Tatsächlich war in dem Fläschchen jedoch nur gefärbtes Wasser. Absolut geruchlos.

Was war geschehen? Durch unsere Vorrede waren sie in eine bestimmte Erwartungshaltung gebracht worden. Nach einiger Zeit wurde diese durch das Aufzeigen einiger Kommilitonen noch verstärkt. So fielen schließlich fast alle auf unsere Suggestion herein: sie waren sich sicher etwas zu riechen, wo es nichts zu riechen gab.

Pink Floyds Vermächtnis - eine akustische Illusion

Bei Sinnestäuschung denken wir meist zuerst an optische Illusionen. Unsere anderen Sinne sind jedoch ebenso leicht zu irritieren. Ein gutes Beispiel dafür sind die angeblich geheimen Botschaften die auf mancher Schallplatte zu hören sind, wenn man sie rückwärts abspielt. Es geht jedoch einfacher: versteckte Texte sind auch auf einer CD zu hören.

Die Musikgruppe Pink Floyd hat 1979 das Album "The wall" aufgenommen, natürlich in englischer Sprache. Aber hören Sie sich mal den Kinderchor in dem Stück "Another brick in the wall" genau an. Er singt an mehreren Stellen scheinbar den deutschen Text "Hol ihn, hol ihn unter's Dach." Am besten sagen Sie sich den Text erst ein paar mal laut vor und spielen dann die Musik ab. Die genaue Sequenz ist zu hören bei: Pink Floyd: "The Wall", Track 5: "Another brick in the wall Part II ", Zeit: 1:50 bis 2:07

Sollten die Musiker sich hier einen Scherz erlaubt haben? Wollten sie ihren deutschen Fans etwas besonderes mitteilen; oder hat vielleicht ein Tontechniker diese Stelle manipuliert? Nichts von alldem. Die Kinder singen tatsächlich den englischen Text "All in all, it's just a". Die Satz- und Wortmelodie ist jedoch auch mit dem deutschen Text verträglich. Dadurch, dass wir die deutschen Worte vorher ein paar mal gehört haben, ist unser Gehirn sozusagen auf diesen falschen Text geeicht und wir hören nur diesen. Also, keine geheime Botschaft, sondern eine akustische Illusion.

: Ulrich Grünewald


Stand: 09.07.2002



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