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Sendung vom 06. August 2002
Die modernen Alchemisten? - Nanotechnologen und ihre Visionen
Abends kommt der Nanotechnologe nach Hause, schiebt eine undefinierbare Grundmasse in seinen Nanomanipulator und heraus kommt nach 5 Minuten ein saftiges Steak. Solche Visionen sind natürlich Science-Fiction pur, aber auch seriösere Zukunfts- prophezeihungen führender Nanotechniker haben es in sich.
Einige Nanotechniker glauben, dass man mit der Nanotechnologie
in 50 oder 1.000 Jahren fast jedes Material, jeden Gegenstand von
Grund auf selbst herstellen kann: indem man es Atom für Atom
maßgeschneidert zusammenbaut. Ohne Abfälle. Ohne
Umweltverschmutzung. Billig.
Medizinspezialisten wie der Amerikaner Robert Freitas träumen schon heute von
einer Nanomedizin der Zukunft. Da ist von kleinen Robotern die
Rede, die durch die Blutbahn kreisen, Viren töten, Zellen
reparieren und andere nützliche Arbeiten im Körper
erledigen. Künstliche, selbstbewegliche rote
Blutkörperchen, aufgeladen mit wertvollem Sauerstoff, retten
Infarktpatienten. Andere Miniroboter können sogar
Genschäden beheben.
Andere Wissenschaftler glauben, dass man mit Hilfe der
Nanotechnologie neue Materialen entwickeln kann, "50-mal
fester als Stahl und dabei viel leichter" lauten da die
Prognosen.
Computer werden um ein vielfaches kleiner, leichter und dabei viel
leistungsfähiger sein. Menschenähnliche Roboter nehmen
uns viel Arbeit ab. In Sachen Intelligenz werden sie uns
überlegen sein.
Solche Visionen kann man relativ einfach veröffentlichen,
den Beweis, ob und wann sie Wirklichkeit werden könnten, muss
der Autor ja nicht unbedingt antreten.
Auffällig ist, dass die Kluft zwischen den heutigen
Möglichkeiten der Nanotechnologie und diesen Visionen
riesengroß ist. Von Robotern, die so klein sind, dass sie im
Nanobereich arbeiten können, sind die Techniker noch
"meilenweit" entfernt. Gegenwärtig werden gerade
Roboter entwickelt, deren kleinste Bauteile einige Mikron
groß sind, also nicht mal halb so dünn wie ein Haar,
aber immer noch tausend mal zu groß für den
Nanobereich.
Bisher ist es auch nicht gelungen, Atome mechanisch dreidimensional
(also ähnlich wie Legosteine) kontrolliert zusammenzubauen.
Und wie sollen die Millionen von kleinen Nanorobotern, die
nötig wären, um Gegenstände aus Atomen
zusammenzubauen, gesteuert und mit Energie versorgt werden? Viele
ungelöste Fragen ...
Was ermutigt dann die Nanotechniker zu ihren Visionen?
Vieles, was man im Nanobereich herstellen könnte, können
die Wissenschaftler heute schon auf dem Computer simulieren und
berechnen. So scheinen prinzipiell Nanogetriebe machbar zu sein,
sie wären mit den Gesetzen der Physik vereinbar. Aber wie man
sie real bauen könnte, das weiß derzeit niemand.
Und diese prinzipielle Machbarkeit einer völlig neuen
Technologie ist es, die natürlich die Fantasie der
Wissenschaftler anheizt. Doch Verfahrenstechniken zu finden, mit
denen man diese Utopien auch nur ansatzweise realisieren kann, da
stehen die Nanotechnologen noch ganz am Anfang.
Mike Schäfer
Stand: 06.08.2002
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