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Sendung vom 06. August 2002
Reise in die Nanowelt
In einer visionären Rede vor der "American Physical Society" fragte sich der amerikanische Physiker Richard Feynman, ob es nicht möglich wäre, die gesamte "Encyclopedia Brittanica" auf den Kopf einer Stecknadel zu schreiben. Und nach ein paar Berechnungen stellte Feynman sogar die These auf, dass theoretisch die gesamte Weltliteratur in einem dreidimensionalen Stück Materie gespeichert werden könne, das gerade so groß ist, wie ein Staubkorn. Seine Überlegungen fasste er in einem Satz zusammen: "There is plenty of room at the bottom". Der Nobelpreisträger Feynman wurde mit dieser Rede zum ersten Visionär der Nanotechnologie.
In der Nanotechnologie dreht sich alles um die Erforschung und die Kontrolle kleinster Strukturen in der Welt der Atome und Moleküle. Ein einzelnes Atom ist etwa ein zehntel Nanometer groß. Zum Vergleich: Ein Meter verhält sich zu einem Nanometer, wie der Durchmesser unseres Erdballs zu dem einer Haselnuss. Bei der Größe von 100 Nanometern beginnt die Nanowelt, eine fließende Grenze. In diesem Nanokosmos gelten andere Gesetze als in unserer Alltagswelt.
Es macht sich zum Beispiel der so genannte Tunneleffekt
bemerkbar. Auf Computerchips sind die Leiterbahnen, auf
denen die Elektronen fließen nur durch hauchdünne
Isolierschichten voneinander getrennt. Ist diese Barriere nur
wenige Nanometer dick so können die Elektronen ab und zu durch
sie "hindurchtunneln". Dabei schlüpfen sie nicht
durch ein kleines Loch, sondern tauchen einfach auf der anderen
Seite auf. In unserer alltäglichen Erfahrung erscheint das
verrückt. In der Nanowelt ist es völlig normal.
Teilchen, die nur wenige Nanometer groß sind, nennt man
Nanopartikel. Auch sie haben außergewöhnliche
Eigenschaften. Im Verhältnis zu ihrem Volumen haben sie eine
riesige Oberfläche. Deshalb können Schichten aus
Nanopartikeln extrem hart und kratzfest sein. Der Grund: Die
Haftkraft und die Bindung anderer Partikel hängt direkt mit
der Größe der Oberfläche zusammen.
Daniel Münter
Stand: 06.08.2002
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