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Quarks & Co
Sendung vom 06. August 2002
Das Schweizer Messer der Nanowelt
Mit einem verblüffend einfachen Gerät gelang 1981 zwei Forscher der Computerfirma IBM etwas, was davor niemand für möglich gehalten hatte: einzelne Atome zu sehen. Eigentlich wollten der Deutsche Gerd Binnig und der Schweizer Heinrich Rohrer nur Oberflächen untersuchen und das auf möglichst kleinem Maßstab. Heraus kam ein Mikroskop, das einzelne Atome abbilden kann - das Rastertunnelmikroskop. Das Prinzip: Eine hauchfeine Nadel wird langsam der Probe genähert. Ist die Lücke zischen Spitze und Oberfläche geringer als ein Nanometer, so beginnt ein Strom zu fließen. Dieser berührungslose Stromfluss ist eine Besonderheit der Nanowelt und wird Tunnelstrom genannt. Die Spitze wird nun zeilenweise über die Probe geführt, und zwar so, dass der Tunnelstrom konstant bleibt. Die Nadel bleibt also immer im gleichen Abstand zur Probe. Ein Computer zeichnet die Hebe- und Senkbewegungen auf, die nötig sind um den Abstand konstant zu halten und erhält so ein exaktes Höhenprofil der Oberfläche.
Das Rastertunnelmikroskop wurde rasch weiter entwickelt. Eine
ganze Familie von Mikroskopen entstand und mittlerweile können
nicht nur hochgenaue Oberflächenbilder erstellt, sondern auch
andere Materialeigenschaften wie Leitfähigkeit, Magnetismus
und Elastizität atomgenau untersucht werden. Binnig und Rohrer
erhielten 1986 für ihre genial einfache Erfindung den
Nobelpreis für Physik.
Den Schritt vom Mikroskop zum Werkzeug machte das
Rastertunnelmikroskop 1989. Der Amerikaner Don Eigler bemerkte, dass er
beim Mikroskopieren einige Atome auf der untersuchten
Oberfläche mit der Mikroskopspitze verschoben hatte. Mit etwas
Übung gelang es ihm, Atome gezielt zu manipulieren. Heute
gehört auch diese Technik zum Standard, auch wenn sie von
vielen Wissenschaftlern eher als Spielerei angesehen wird.
Daniel Münter
Stand: 06.08.2002
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