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Sendung vom 06. August 2002
Nano-Krebstherapie
Für bisher unheilbare Gehirntumore ist eine neue Therapie in Sicht, entwickelt von Andreas Jordan vom Berliner Universitätsklinikum Charité: Winzige Partikel werden in das Tumorgewebe gespritzt und dann mit einem magnetischen Wechselfeld erwärmt. Der Tumor bekommt dadurch künstliches Fieber und stirbt. Die Behandlung von Tumoren mit Wärme (Hyperthermie) ist eigentlich nichts Neues. Bereits vor über hundert Jahren wurden heiße Bäder gegen bösartige Geschwülste verabreicht. Der Erfolg war allerdings begrenzt: Die Hitze drang nicht weit genug in den Körper ein, um auch tiefer sitzende Tumore zu erreichen. Seit einigen Jahren wird eine neue Form der Hyperthermie angewendet: Mit starken elektrischen Feldern lässt sich Wärme erstmals auch in tiefere Regionen des Körpers bringen. Elektrische Felder sind jedoch nicht präzise steuerbar.
Vor gut zehn Jahren kam Jordan auf eine Idee: Der Biologe wollte
ein magnetisches an Stelle eines elektrischen Feldes verwenden.
Dafür musste ein Pulver aus magnetisierbarem Material in das
Krebsgewebe gespritzt werden. Jordan testete fast 1000 verschiedene
Metallsorten, aber alle waren ungeeignet – es wurde viel zu
wenig Wärme übertragen.
Durch Zufall erhielt er schließlich ein Kontrastmittel
für Leberuntersuchungen zum Testen: "Kaum war das
Magnetfeld eingeschaltet, gab es einen lauten Knall und eine
schwarze Flüssigkeit spritzte durch den Raum." Die Probe,
die aus besonders kleinen Teilchen – so genannten
Nanopartikeln – bestand, war so heiß geworden, dass sie
explodierte. Die Nanoteilchen wurden sogar von den Krebszellen in
das Gewebe eingebaut – allerdings waren es noch zu
wenige.
Mit Hilfe von Experten für Nanopartikel vom "Institut
für Neue Materialien" in Saarbrücken arbeitete er
weiter. Er experimentierte systematisch mit verschiedenen Teilchen
und Umhüllungen. Es stellte sich heraus, dass je nach Krebsart
ein jeweils anderes Nanopartikel mit einer speziell aufgebauten
Hülle am besten wirkte. Die Behandlung mit den neuen Partikeln
war an Mäusen bereits erfolgreich.
Eine Pilotstudie mit Patienten wird Ende dieses Jahres
beginnen.
Eine erste klinische Studie wird vom Neurochirurgen Klaus
Maier-Hauff und dem Facharzt für Strahlentherapie Peter Wust
durchgeführt, beides Hochschullehrer von der
Berliner Charité. Zunächst sollen Patienten
behandelt werden, die an dem bisher unheilbaren Gehirntumor
Glioblastom erkrankt sind.
Die neue Therapie wird bei den Patienten fünf bis sechs mal
angewendet werden müssen, gibt Jordan zu bedenken,
außerdem seien weiterhin Chemotherapie und Bestrahlung
ergänzend erforderlich, weil sich einige wenige Tumorzellen
immer wieder von der Wärmebehandlung erholen
würden.
Sollte die Magnetfeld-Therapie erfolgreich sein, will die Berliner
Arbeitsgruppe auch andere Krebsleiden damit angehen. Für
einige Tumorarten wie beispielsweise Prostatakrebs haben sie die
passenden Nanoteilchen bereits erfolgreich im Reagenzglas
getestet.
Jordan selbst warnt jedoch vor zu viel Optimismus, denn die
überwiegende Zahl aller neuen Krebstherapien war letztlich
nicht erfolgreich. "Erst wenn wir Ende des Jahres die
klinische Erprobung in Angriff nehmen, werden wir wissen, woran wir
sind."
Fragen zu der neuen Behandlungsmethode können per E-mail gerichtet werden an: andreas.jordan@charite.de
Reinhart Brüning
Stand: 06.08.2002
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