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Quarks & Co
Sendung vom 06. August 2002
Bio gegen Technik: Der Quarks & Co-Motortest
Was haben ein U-Boot und ein begeißeltes Bakterium gemeinsam? In Größe und Gewicht könnten sie kaum unterschiedlicher sein: Ein riesiger Stahlkoloss und ein kleines einzelliges Wesen, das mit bloßem Auge gar nicht sichtbar ist. Und doch bahnen sich beide ihren Weg nach dem gleichen Prinzip, mit Hilfe eines rotierenden Motors.
Das U-Boot, von Menschenhand gebaut, wird im klassischen Fall von einem kombinierten Diesel/Elektromotor angetrieben. Die Geschwindigkeit eines U-Boots liegt zwischen 12 und 20 Knoten (1 Knoten = 1,852 km/ h) – pro Sekunde bewegt sich das U-Boot also nur zehn Meter weit. Bei der Umwandlung des Treibstoffs in die Fortbewegung des U-Bootes gehen etwa sechzig Prozent der Ausgangsenergie verloren: Man spricht von einem Wirkungsgrad des Motors von vierzig Prozent. Außerdem nehmen die verschiedenen Motorteile viel Raum und Gewicht im Innern des U-Bootes ein, und das U-Boot ist nicht unabhängig – in regelmäßigen Abständen muss es an die Wasseroberfläche, um neuen Treibstoff zu tanken.
Vorbild Natur: Bakterium mit Geißel Die Natur hingegen hat
das Bakterium mit einem Motor ausgestattet, von dem Ingenieure
träumen. Die lange, dünne Geißel, die das Bakterium
als Propeller antreibt, ist in die äußere Verkleidung
des Bakteriums eingesenkt und nimmt im Innenraum kaum Platz weg.
Der Kraftstoff für den Motorantrieb wird in der Zelle selbst
hergestellt und ist vollständig biologisch abbaubar –
ebenso wie das Bakterium selbst.
Und der Bakterienmotor ist äußerst effektiv: Forscher
gehen davon aus, dass beim Antrieb der Bakteriengeißel kaum
Energieverluste auftreten - die zelleigene Energie wird fast
vollständig in Bewegungsenergie umgesetzt. Das Bakterium legt
damit pro Sekunde einen Strecke von etwa 20 eigenen Längen
zurück – das ist im Verhältnis fünfzig Mal
schneller als ein U-Boot!
Ein Gefährt zu schaffen, das von einem biologischen Motor angetrieben wird, ist keine Utopie mehr: Gerade haben sich Forscher der Cornell-University in den USA an einer solchen Konstruktion versucht. Allerdings verwendeten sie nicht den Original-Motor eines begeißelten Bakteriums. Sie nahmen ein Protein, eine ATPase, die ganz ähnlich funktioniert wie der Geißelmotor. Sie ist nur noch zehn Mal kleiner, fünf Nanometer im Durchmesser.
An die sich drehenden Elemente befestigten sie ein künstliches Rotorblatt aus Nickel und tauchten das Ganze in eine Lösung mit Zellkraftstoff. Zwar drehten sich von 400 "Biomotoren" nur fünf, trotzdem glauben die Forscher, einen idealen Antrieb für Nanomaschinen gefunden zu haben. Die ATPase-Motoren könnten beispielsweise kleine Kugeln im Körper herumtransportieren, die mit Medikamenten gefüllt sind.
Verena von Keitz
Stand: 06.08.2002
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