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Theorien zum aufrechten Gang

  • SendeterminDienstag, 17. September 2002, 21.00 - 21.45 Uhr .

Die Genialität des Zweibeiners

Afrika, der schwarze Kontinent, gilt als Wiege der Menschheit. Dort lernten unsere Vorfahren vor etwa fünf bis sieben Millionen Jahren das aufrechte Gehen. Bis heute sind wir die einzigen zweibeinig stehenden und gehenden Säuger geblieben – Kängurus brauchen zum Beispiel ihren Schwanz als Stütze. Doch was bringt einen Affen, der sich auf allen Vieren fortbewegt, dazu, sich aufzurichten und auf den zweibeinigen Gang umzustellen? Quarks  &  Co sucht nach den Vorteilen der neuen Fortbewegungsweise.

Hände hoch!

Grafik: Humba kratzt sich am Rücken
Den Rücken kratzen kann man auch im Sitzen.

Ein Vorteil besteht darin, dass man im Stehen die Hände frei hat, um sie für andere Tätigkeiten zu benutzen. Feinmanipulation nennt die Wissenschaft das. Doch dafür musste der junge Zweibeiner nicht unbedingt stehen: Das meiste ging ebenso gut im Sitzen. Auch die Herstellung von Werkzeugen und Waffen war nicht der Grund für die Umstellung auf die Zweibeinigkeit, denn diese Fertigkeiten entwickelten die Vormenschen erst sehr viel später.

Hunger macht erfinderisch

Grafik: Humba erschrickt vor einem Löwen
Besser sehen bedeutet oft auch, besser gesehen werden.

Vor etwa fünf bis sieben Millionen Jahren änderte sich in Afrika das Klima und die großen Wälder wichen einer Savannenlandschaft. Als Folge davon wandelte sich auch das Nahrungsangebot: In der Savanne wuchsen andere Pflanzen als in den Wäldern. Einige Theorien gehen davon aus, dass die Vormenschen daraufhin zunächst Aasfresser waren. Auf zwei Beinen hätten sich unsere Verwandten ein großes Stück Aas mit den Händen greifen und "nach Hause" tragen können. Bei ihrem Marsch mit der Beute hätten sie allerdings auch neidische Nahrungskonkurrenten angezogen. Es wäre also eigentlich schlauer gewesen, die Mahlzeit gleich an Ort und Stelle einzunehmen.

Hochgelegene Nahrung konnte der Vormensch auf zwei Beinen zwar besser erreichen; aber ihr Verzehr war auch im Sitzen möglich.

Grafik: Humba steht vor einen Elefantenfuß
Nach der Drohgebärde gibt es keinen Grund mehr, zweibeinig zu bleiben.

Unumstritten ist indessen, dass unsere Vorfahren im hohen Savannengras aufrecht mehr gesehen haben als ihre vierbeinige Konkurrenz. Umgekehrt wurden sie aber auch von Feinden schneller entdeckt. So konnte der Jäger schnell zum Gejagten werden.

Imponierender Zweibeiner

Auch für das Imponiergehabe und Drohverhalten ist die Zweibeinigkeit ein Vorteil: Aufrecht wirkt man einfach imposanter. Doch es gibt keinen zwingenden Grund oben zu bleiben, nachdem man sich stehender Weise in die Brust geworfen hat.

Hitze durchstehen

Grafik: Humba und seine Familie im Wasser mit Krokodil
Das Bad mit Krokodilen zu teilen, ist gefährlich.

Trotz des Klimawandels war es in Afrika immer noch sehr heiß. Vor allem in der Mittagszeit brannte die Sonne enorm. Im Stehen waren die Vormenschen der starken Sonneneinstrahlung deutlich weniger ausgesetzt. Doch hätten sie - wie alle anderen Tiere auch - einfach Siesta im Schatten halten können, um der größten Hitze zu entgehen. Auch baden gehen wäre eine erfrischende Lösung gewesen: Die "Wasseraffentheorie" geht davon aus, dass einer unserer Vorfahren im Wasser lebte. Er konnte aufrecht tiefer hinein und so mehr Nahrung erreichen. Außerdem geht es sich im Wasser leichter aufrecht. Allerdings gab es schon damals unfreundliche Nachbarschaft: Mit Krokodilen war noch nie gut Kirschen essen.

Weltmeister der Vielfalt

Es gibt also verschiedene Theorien, aber nur wenige Beweise. Wahrscheinlich ist an jeder Theorie etwas Wahres dran. Die Gründe, die uns zu einem Sonderfall der Fortbewegung machten, sind vielfältig. Durch den aufrechten Gang sind wir den Tieren in vieler Hinsicht unterlegen: Auf zwei Beinen sind wir weder besonders schnell, noch besonders ausdauernd. Allerdings sind wir die Weltmeister der Vielfältigkeit: Wir können gehen, laufen, sprinten, springen, schwimmen und klettern. Das macht uns bis heute kein anderes Lebewesen nach.

:

Tim Förderer

Stand: 17.09.2002


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