Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Wissen
Quarks & Co
Sendung vom 17. September 2002
Marathoncamp für Anfänger
Jeder gesunde Mensch kann es schaffen, in weniger als einem Jahr fit für einen Marathonlauf zu werden. Wie man das macht, wissen die Sportpädagogen und -therapeuten der Kölner Sporthochschule. In mehreren Gruppen treffen sich die Teilnehmer zweimal wöchentlich in Köln, Bonn, Bergisch-Gladbach und Siegburg, um gemeinsam für den großen Lauf zu trainieren.
Am Anfang steht die sportmedizinische Untersuchung. Die
Mediziner machen zunächst ein Belastungs-
EKG und
Laktat-Feldstufentests, um festzustellen, wie
viel sich der Läufer am Anfang zumuten kann. So können
sie einen Plan für die angemessene Geschwindigkeit und
empfohlene Trainingsdauer entwerfen. Außerdem untersuchen sie
auch die Gelenke der Füße, Knie, der Hüfte und des
Beckens.
Mit Hilfe der Befunde der persönlichen Ausgangsvoraussetzungen und der individuellen Zielvorstellungen entwerfen die Wissenschaftler für jeden Teilnehmer einen persönlichen Trainingsplan. Sie geben Tipps bei der Wahl der richtigen Schuhe, erklären, welche Muskeln besonders trainiert werden müssen und wo Defizite im Bewegungsablauf bestehen. Allen Teilnehmern verordnen sie drei Trainingseinheiten pro Woche über einen Zeitraum von 333 Tagen – insgesamt also rund 120 Trainingstage.
Jeweils ein Lauftrainer betreut eine Trainingsgruppe. Bei den
Trainingslektionen steht das Laufen weit weniger im Mittelpunkt,
als man es vielleicht erwartet hätte. Viel wichtiger ist das
gründliche Aufwärmen und Dehnen vor dem Lauf. Die meisten
Hobbyläufer vernachlässigen diese wichtige Vorbereitung
und ziehen sich deshalb beim Laufen Verletzungen zu. Ebenso wichtig
ist ein umfangreiches Muskeltraining, denn jeder Muskel wird
gebraucht, um Rücken und Gelenke zu schützen. Trainiert
werden auch immer wieder neue Laufstile, um Bewegungen zu
koordinieren und ein Gefühl für den richtigen Rhythmus zu
entwickeln.
Die Coaching-Treffs
haben auch eine wichtige psychologische Funktion: Die Teilnehmer
können sich in der Gruppe besser motivieren und werden
selbstbewusster. Natürlich achtet der Trainer auch darauf,
dass sich niemand überlastet und dadurch die Lust am Laufen
verliert.
Mit immer länger werdenden Strecken tasten sich die
Läufer langsam an den Marathon heran: 10, 15, 20 und
30 km laufen sie zum
Teil unter Wettkampfbedingungen. Dabei lernen sie, sich die Strecke
einzuteilen und sich nicht von schnelleren Läufern
mitreißen zu lassen. Außerdem kann man bei solchen
Trainingsläufen auch ganz praktisch ausprobieren, wie man mit
Krisen und Beschwerden während des Laufens umgeht.
Am 6. Oktober ist es dann so weit. Der Köln-Marathon soll
zeigen, ob das Versprechen der Sportspezialisten in Erfüllung
geht. Die Teilnehmer des Marathon-Camps machen sich daran, die 42,5 Kilometer
hinter sich zu bringen. Die Chancen, dass sie es schaffen stehen
gut: Viele der Marathon-Camper haben es bisher geschafft.
Wer in Köln und Umgebung wohnt und gerne an einem
Marathon-Camp teilnehmen möchte, kann sich direkt
an die Kölner Sporthochschule wenden (telefonische Auskunft:
(02 21) 49 82-7 29, donnerstags und freitags von 10:00 bis 15:00
Uhr). Auch wer etwas außerhalb von Köln wohnt, kann sich
dort beraten lassen und sich individuelle Trainingspläne
aufstellen lassen. Ähnliche Marathon-Camps bieten auch die sportwissenschaftlichen
Institute in allen anderen Städten, die regelmäßig
einen Stadtmarathon veranstalten.
Falls Sie nicht die Möglichkeit haben, an einem Marathon-Camp teilzunehmen, ist das
längst kein Grund, nicht trotzdem ins Training einzusteigen.
Beim Internetangebot "laufend fit" von wdr.de finden
Sie Trainingspläne für Einsteiger und
Forgeschrittene.
Martin Rosenberg
Stand: 17.09.2002
Seite teilen