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Quarks & Co
Sendung vom 17. September 2002
Laufstudien im Stadtwald
Am Nachmittag wird es vor allem an schönen Sommertagen in den meisten Parks und Grünanlagen richtig voll. Hunderte von Joggern laufen nach Feierabend noch ein paar Runden. Die meisten wollen etwas für die Gesundheit tun, fit bleiben, vielleicht auch ein paar Pfunde abnehmen. Doch das funktioniert nur, wenn man auch langsam genug läuft. Denn wer zu schnell läuft, tut sich keinen Gefallen. Statt Fett zu verbrennen, schaltet der Körper auf Zuckerverbrennung um. Er läuft sozusagen mit den letzten Reserven. Und die einzige Folge ist: vorzeitige Erschöpfung, Überanstrengung. Und vor allem: Zu schnelles Laufen hat keinerlei Trainingswirkung. Die Ausdauer wird nur trainiert, wenn man langsam läuft, aber dafür längere Strecken.
Wissenschaftler des Instituts für Kreislaufforschung an der
Kölner Sporthochschule wollten im Auftrag von
Quarks &
Co wissen, ob die Hobby-Läufer im Stadtwald
langsam genug laufen. Ob das Tempo richtig ist, lässt sich
relativ einfach anhand des Milchsäure- oder Laktatspiegels im
Blut messen. Befinden sich mehr als 4 mmol/Liter Laktat im Blut,
läuft ein Jogger
mit den letzten Reserven: Sein Muskel wird bald
ermüden.
Die Wissenschaftler winkten an einer belebten Stelle Läufer
heraus und forderten sie auf, sich am Ende des Laufes Blut abnehmen
zu lassen. Zusätzlich mussten die Probanden noch einen
Fragebogen ausfüllen. Außer einigen persönlichen
Daten sollten sie auch ihre eigene Leistung anhand der so genannten
Berg-Skala einstufen: Mit einem Wert zwischen 1 und 20 konnten sie
angeben, ob ihre Anstrengung hoch oder niedrig war. Die
Wissenschaftler konnten auf diese Weise vergleichen, ob der
Laktatwert mit der Selbsteinschätzung der Läufer
übereinstimmt und ob die Läufer überhaupt bemerken,
wenn sie sich selbst überfordern.
Blutproben und Fragebögen von 104 Läufern zwischen 14
und 71 Jahren wurden dann statistisch ausgewertet. Das Ergebnis war
ermutigend: Die meisten liefen mit der richtigen Geschwindigkeit.
Der durchschnittliche Laktatwert lag bei 2,3 mmol/l und damit in einem
völlig akzeptablen Bereich. Bei der gleichen Studie, die die
Sporthochschule 17 Jahre zuvor erhoben hatte, war noch ein
Durchschnittswert von über 8 mmol/l herausgekommen –
viel zu hoch für ein vernünftiges Ausdauertraining. Doch es gab auch
Ausreißer: Immerhin 10,6 mmol/l zeigte die Blutprobe eines
Läufers an. Das ist fast schon
gesundheitsgefährdend.
In der Statistik zeigte sich auch, dass Frauen offenbar mehr auf
ihre Gesundheit achten. Sie laufen gemächlicher und wissen,
wie viel sie sich zumuten können. Außerdem schätzen
Frauen ihre Leistung wesentlich realistischer ein als
Männer.
Männer gaben oft noch eine mittlere Belastung an, wenn ihr
Laktatwert weit über der optimalen Grenze lag. Offensichtlich
glauben Männer, sie müssten kämpfen, sich
herausfordern, Leistung bringen, schwitzen. Sie sind oft der
Meinung, nicht genug zu tun und laufen dadurch viel zu
schnell.
Doch bei der Mehrheit der Läufer waren die Laktatwerte in
Ordnung. Denn viele, die hier im Kölner Stadtwald laufen,
trainieren für den Köln-Marathon. Und
Marathon-Läufer wissen: Nur wer langsam läuft, kann lange
Strecken durchhalten.
Martin Rosenberg
Stand: 17.09.2002
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