Hauptnavigation

Sonntag, 27.05.2012

Suche im Redaktionsangebot von Quarks & Co
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

Navigation


Zurück: April 2012 Sendeplan für Mai 2012 Weiter: Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Wissen > Quarks & Co > Sendung vom 12. November 2002 > Wie Wahrscheinlichkeiten täuschen können


Wie Wahrscheinlichkeiten täuschen können

  • SendeterminDienstag, 12. November 2002, 21.00 - 21.45 Uhr.

Verwirrung durch Prozentzahlen

Eine knifflige Frage für Ärzte und Patienten: Wie bewertet man das positive Ergebnis eines medizinischen Tests richtig? Der Fall: Ein Test, der Blut im Stuhl nachweist, zeigt ein positives Ergebnis. Der Arzt schlägt in den Test-Unterlagen nach und findet die folgenden Informationen: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein über Fünfzigjähriger, symptomfreier Mann Darmkrebs hat, beträgt 0,3 %. Hat er Darmkrebs, liegt die Wahrschein-
lichkeit bei 50  %, dass er einen positiven Testbefund erhält. Wenn kein Darmkrebs vorliegt, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit 3 %, dass er dennoch einen positiven Testbefund bekommt."

Nachrechnen ist besser

Mediziner lieben es, sich in Wahrscheinlichkeiten auszudrücken. Und kommen dann oft zu Aussagen, die den Patienten ehr verwirren als aufklären. Was sagt das positive Testergebnis in diesem Fall aus? Es besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Patient Darmkrebs hat oder eine 3-prozentige, dass er keinen hat? Oder liegt die Wahrheit in der Mitte? Selbst Experten haben meist erhebliche Schwierigkeiten, solche Angaben richtig zu deuten. Dabei kommt man leichter auf die Lösung, wenn man statt der Wahrscheinlichkeiten mit "relativen Häufigkeiten" rechnet. In diesem Fall geht die Rechnung so: 0,3 % der über Fünfzigjährigen symptomfreien Männer haben Darmkrebs - von 10.000 Männern also 30. Von diesen 30 haben 50 % ein positives Testergebnis – also die Hälfte, nämlich 15. Bleiben 9.970 übrig, von denen 3 % ein (falsch) positives Testergebnis haben: immerhin 300. Insgesamt zeigt der Test also in 315 Fällen ein positives Ergebnis an, aber nur 15 dieser Männer haben Darmkrebs. Oder anders ausgedrückt: Dieses positive Testergebnis bedeutet, dass der Patient mit einer Wahrscheinlichkeit von 4,76 % Darmkrebs hat - nicht mehr!

Selbst Experten sind manchmal unsicher

Wissenschaftler vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung haben mehrere solcher Fälle Medizinstudenten und Juristen vorgelegt. Sie stellten fest: Werden die Wahrscheinlichkeiten in Prozentzahlen ausgedrückt, werden selbst erfahrene Experten unsicher. Sie wissen oft nicht, wie man statistische Informationen richtig interpretiert. Drückt man die Zahlen jedoch in relativen Häufigkeiten aus, werden sie plötzlich verständlich.

Überwältigende Beweise ...

Foto: Beamer und Leinwand
Auf den ersten Blick erscheinen die Zahlen des Gutachters überwältigend.

Ein anderer Fall: Den Probanden, in diesem Fall Jura-Studenten und Juristen, wurden Unterlagen aus einem fiktiven Gerichtsverfahren vorgelegt. Das einzige Indiz, das es in diesem Fall gab, war eine StichwortDNA-Spur vom Tatort. Das Gutachten berichtete: "Die Wahrscheinlich-
keit, dass eine zufällig ausgewählte DNA-Probe mit der Probe vom Tatort übereinstimmt, beträgt 0,0001 %. Wenn jemand dieses DNA-Profil hat, dann ist es so gut wie sicher (100 %), dass der DNA-Test einen Treffer anzeigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Test bei einer Probe einen Treffer anzeigt, obwohl sie nicht übereinstimmt, beträgt 0,001 %."

... beweisen manchmal gar nichts

Das klang überwältigend, vor allem für die Jura-Studenten, die sich bei diesem Test leichtfertig zu einer Verurteilung hinreißen ließen. Doch wenn man diese Zahlen nachrechnet, erscheint dieser Fall plötzlich gar nicht mehr so eindeutig: Von 10 Millionen Menschen haben 10 (0,0001 %) ein DNA-Profil, das mit der Probe übereinstimmt. Bei den übrigen 9.999.990 Menschen zeigt der Test aber bei 0,001 % fälschlicherweise ein positives Ergebnis an - das sind insgesamt 100. Bei zehn Millionen Menschen, die die gesuchten DNA-Merkmale aufweisen, würden also insgesamt 110 "Treffer" angezeigt werden. Lediglich bei 10 dieser 110 Treffer stimmen die Merkmale aber wirklich überein,  d. h.  nur 10 kämen als mögliche Täter in Frage. Ein Schuldspruch würde also bedeuten, dass der Richter bei 11 Verdächtigen wahllos einen herausgreift und ihm die Tat auf den Kopf zusagt.

Verwirrung bei HIV-Tests

Durch Wahrscheinlichkeitsaussagen lassen sich Betroffenen häufig verwirren. Die Max-Planck-Forscher stellten auch bei  AIDS -Beratern an deutschen Gesundheitsämtern erhebliche Unsicherheiten fest. Sie fragten die Berater, mit welcher Sicherheit der  HIV -Test eine vorhandene Infektion entdecken würde und mit welcher Sicherheit man von einem positiven Testergebnis auf eine HIV-Infektion schließen könnte. Die Wissenschaftler stellten fest: Viele Berater merkten nicht, dass dies zwei völlig verschiedene Fragen waren und gaben falsche Antworten. Erst wenn sie die Beispiele mit relativen Häufigkeiten durchrechneten, erkannten sie den Unterschied.

Stichwörter

1 DNA
DNA ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung desoxyribonucleic acid.
Auf Deutsch heißt es Desoxyribo-Nucleinsäure (DNS). Die DNA ist die chemische Grundsubstanz des Erbmaterials aller Lebewesen. Übrigens: Die berühmte Struktur der Doppelhelix wurde 1953 von den beiden Forschern James Dewey Watson und Francis Harry Crick entdeckt, die dafür den Nobelpreis bekamen. Zurück zum Absatz
:

Martin Rosenberg

Stand: 12.11.2002


Alle Beiträge


Quarks Zufalls-Quiz

Foto: Ranga jongliert mit Glücksspielen

Täglich begegnet uns der Zufall: nicht nur beim Lotto. [mehr]


Mehr zum Thema


Vorschauvideo

Edelschimmel und Scheibletten - die Wissenschaft vom Käse


Die Top10 Videos
im April

Schriftzug "Top10" vor blauem Hintergrund

Schauen Sie sich hier die beliebtesten Quarks & Co-Videos aus dem April an. [mehr]


Neu: Quarks & Co eBook

Titel Dossier

Entdeckungen im
Kölner Dom

Das Dossier gibt es jetzt als interaktives eBook für das iPad im ibookstore.


Die Quarks-Symphonie


Die Top10 Videos der Zuschauerfragen

Schriftzug "Zuschauerfragen" vor blauem Hintergrund

Hier sehen Sie die beliebtesten Zuschauerfragen und ihre Auflösungen. [mehr]


Unsere Fan-Seite


Wissen macht Spaß


Service

Skript, Newsletter, Mitschnitt & Co. [mehr]


Sendetermine


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.