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Quarks & Co
Sendung vom 10. Dezember 2002
Von der Pflanze in die Tasse
An kalten Wintertagen eine echte Wohltat: Eine Tasse kräftiger Ostfriesentee, nur original mit Kandiszucker ("Kluntjes" genannt) und Sahne. Die Ostfriesenmischung ist in Deutschland eine der bekanntesten Teemisch- ungen. Und es waren tatsächlich die Ostfriesen, die diese Mischung erfunden haben - kein Wunder, bei der oft kalten und ungemütlichen Witterung im hohen Norden. Aber was ist in dieser Mischung genau drin? Wir machen uns auf die Weg, dieses Geheimnis zu lüften.
Im Paket an der Ladentheke ist die Ostfriesenmischung schon fertig gemixt. Nicht einmal ein Experte könnte von der Mischung aus der Tüte auf deren genaue Inhalts- stoffe und das Mischungsverhältnis schließen. Wir müssen also den Teehersteller aufsuchen, um das Geheimnis des Ostfriesentees weiter zu entschlüsseln.
Als erstes schauen wir uns die Abfüllmaschinen an; aber auch hier erfahren wir nichts Neues: Natürlich kommt der Tee als fertige Mischung in die Tüte. Also müssen wir weiter suchen. Vor der Abfüllung wird der Ostfriesentee in riesigen Trommeln und mächtigen Rüttelmaschinen gemischt. Dazu werden die unterschiedlichen Teesorten aus verschiedenen Alucontainern in die Trommeln geschüttet.
Aber wo kommt der Tee her, der sich in den Containern befindet?
Riesige Teesäcke, jeder einzelne mit einem Aufdruck, der Sorte
und Herkunftsland bezeichnet, befüllen die Alucontainer. Unsere
Ostfriesenmischung kommt also aus Indien, das steht jedenfalls auf
den Teesäcken. Und außerdem können wir dort lesen:
Assam und
Darjeeling Tee. Das sind also die Teesorten,
aus denen unser Tee gemischt ist. Jetzt müssen wir nur noch
das Geheimnis des genauen Mischungsverhältnisses
lüften.
Die ganz genaue Mischung kennt der wichtigste Mann des Teeherstellers: der Teeverkoster. Er prüft jedes Jahr aufs Neue die aktuellen Tee-Ernten. Erst danach legt er fest, welche Mischung in die Packung kommt, damit der Tee tatsächlich in der erwünschten Geschmacksrichtung auf dem Markt erscheint. Der Geschmack hängt nämlich nicht nur von der Teesorte ab. Ähnlich wie beim Wein fällt auch beim Tee je nach Witterung die Erntequalität immer ein klein wenig anders aus. Deshalb muss auch eine Ostfriesenmischung jedes Jahr wieder neu gemixt werden. Immerhin bestätigt uns der Teeverkoster: In unserer Ostfriesenmischung ist hauptsächlich kräftiger Assamtee, veredelt mit einer kleinen Portion feinem Darjeeling. Aber dann die Enttäuschung: Das genaue Mischungsverhältnis erfahren wir von ihm nicht: Firmengeheimnis!
Immerhin wissen wir, woher unsere Ostfriesenmischung stammt: aus
dem Norden Indiens. Dort liegen die Flachlandplantagen des
kräftigen Assamtees, der die unverzichtbare Grundlage jeder
Ostfriesenmischung ist. Im nordindischen Hochland hingegen
wächst auf Steilhängen der edle Darjeeling. Der ist
für eine Ostfriesenmischung jedoch kein Muss; andere
Hersteller mischen dem Assam andere Sorten aus
Sri Lanka oder
Sumatra zu. Deshalb schmecken
Ostfriesenmischungen unterschiedlicher Hersteller auch immer etwas
anders.
Nicht immer muss man eine solche Reise wie wir machen, um das
Geheimnis einer Ostfriesenmischung zu lüften. Wenn man
Glück hat, stehen die Ursprungs-Sorten der Mischung ganz
einfach auf dem Packungsbeutel.
Mike Schaefer
Stand: 10.12.2002
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