Sie befinden sich hier:
WDR.de
WDR Fernsehen
Wissen
Quarks & Co
Sendung vom 21. Januar 2003
Wie die Stimme klingt
Tonhöhe ist eine Sache - der Klang ist etwas anderes. Wir alle wissen: Zwei unterschiedliche Sänger klingen anders, selbst wenn sie das selbe Stück singen. Stimmlippen, Atemtechnik sowie der Mund- und Rachenraum sind bei jedem Menschen ganz individuell ausgeprägt. Und selbst jeder einzelne Mensch kann bei gleicher Tonhöhe ganz unterschiedliche Klänge erzeugen. Nehmen wir die Vokale: a, e, i, o, u. Wir können sie bei gleicher Tonhöhe singen und trotzdem kann jeder Zuhörer die Vokale klar voneinander unterscheiden. Aber wie funktioniert das?
Über den Stimmlippen bilden Mund, Rachen und Zunge einen Schalltrichter. Je nachdem wie dieser Schalltrichter geformt wird, werden verschiedene Frequenzen des Stimmlippentons gedämpft oder hervorgehoben. Bei einem "a" sieht der Mund- und Rachenraum also anders aus als bei einem "u". Entsprechend anders klingt der Laut.
Mit den modernen Methoden der
Kernspintomografie kann man diese
unterschiedlich geformten Schalltrichter sichtbar machen. Aufnahmen
mit diesem Gerät ähneln Röntgenaufnahmen - aber sie
sind detailreicher. Am Universitätsklinikum Aachen haben
Experten der Abteilung
Radiologie und
Phoniatrie für Quarks & Co
auf diese Weise das Innere des menschlichen Halses
fotografiert!
Wir erkennen eine Melodie an ihren Grundtönen. Das sind die Töne, die für eine Melodie auf einem Notenblatt notiert werden. Sie sind für die Tonhöhe verantwortlich. Nun wissen wir alle, dass sich diese Melodie sehr unterschiedlich anhören kann, je nachdem, von welchem Instrument sie vorgetragen wird. Eine Melodie klingt auf eine bestimmte Weise, wird sie von einer Posaune gespielt - aber sie klingt ganz anders, wenn sie gesungen oder auf dem Klavier gespielt wird. Das hängt damit zusammen, dass Musikinstrumente, aber auch die menschliche Stimme sehr komplexe Klänge schaffen, wenn sie einen Ton erzeugen. Neben dem Grundton entstehen die so genannten Obertöne. Das sind Töne mit höherer Frequenz, die über dem Grundton liegen und gleichzeitig mitklingen. Sie sind verantwortlich für den Klang. Nehmen wir als Beispiel noch einmal die Vokale: Beim "a" klingen andere Obertöne mit als beim "u".
Eine Posaune erzeugt also neben dem Grundton andere
Obertöne als ein Klavier. Aber genau deshalb kann das
menschliche Ohr diese Instrumente voneinander unterscheiden. Das
ist auch der Grund dafür, dass wir Menschen an ihrer Stimme
erkennen können: Jede Stimme hat ihre ganz spezifischen
Obertöne.
Ohne Obertöne klänge alles so langweilig wie das
Freizeichen im Telefon: Da hört man einen so genannten
Sinuston: den puren Grundton, ganz ohne Obertöne (in diesem
Fall einen Ton von 440 Hertz - den Kammerton "A").
Profisänger klingen deshalb besser, weil sie - durch Begabung und jahrelanges Training - das Zusammenspiel von Atmung, Stimmlippen, Mund- und Rachenraum optimal zur Klangerzeugung nutzen. Das betrifft vor allem die Obertöne zwischen 2000-3000 Hertz: Frequenzen, die das menschliche Ohr besonders gut hören kann. Bei "schlechten" Sängern ist in diesem Frequenzbereich wenig zu hören; bei "guten" viel. Auch wenn beide gleich laut singen: Die Stimme des guten Sängers "trägt" besser. Deshalb kann sich ein Profisänger gegen ein ganzes Opernorchester durchsetzen - und zwar bis in die letzte Zuschauerreihe.
Mike Schaefer
Stand: 21.01.2003
Seite teilen