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Vulkane als Klimamotoren

  • SendeterminDienstag, 04. Februar 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .
Foto: Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen
Riesige Mengen Asche bläst der Pinatubo 1991 in die Atmosphäre.

Sie sind uns vertraut: Bilder von großen Vulkanausbrüchen wie vom Pinatubo, vom Popocatepetl oder vom Ätna. Für die Anwohner bedeuten die Lavaströme, der Ascheregen und die Flutwellen eine unmittelbare und oft existenzbedrohende Gefahr. Aber ein großer Vulkanausbruch ist nicht nur ein Ereignis mit regionalen Folgen. Er beeinflusst das globale Klima bis hin zu langfristigen Klimaverschiebungen. Allerdings ist diese Erkenntnis noch gar nicht so alt. Lange Zeit wurde der Zusammenhang von Vulkanausbrüchen und Klimaveränderungen übersehen.

Der Ausbruch des Tambora und das "Jahr ohne Sommer"

Foto: Sonnenuntergang aus Shuttleperspektive
Seit Jahrhunderten werden ungewöhnliche meteorologische Phänome als Folge von Vulkanausbrüchen beobachtet.

Im Jahr 1815 bricht auf der Insel Sumbawa der Vulkan Tambora aus. Fast 1.300 Meter des Berges werden dabei weggesprengt. Das darauffolgende Jahr geht als "Jahr ohne Sommer" in die amerikanische Geschichte ein. An der Ostküste führen eisige Stürme und Schnee mitten im Sommer zu katastrophalen Missernten. Die Zeitgenossen machen das Vordringen des arktischen Eises oder die Erfindung des Blitzableiters für die drastische Verschlechterung des Klimas verantwortlich - auf einen Zusammenhang mit der Eruption des Tambora ein Jahr zuvor kommt zunächst niemand.

Vulkane als Schwefelschleudern

Grafik: 3D Animation; Ähnelt einem Felsbrocken unterteilt in
rot, orange und grau
Aschepartikel halten sich nur eine begrenzte Zeit in der Atmosphäre.

Als 70 Jahre später der Vulkan Krakatau ausbricht, denken die Wissenschaftler zum ersten Mal über einen Zusammenhang von Klimaveränderungen und Vulkanausbrüchen nach. Zunächst nehmen sie an, dass die in die StichwortAtmosphäre gelangten Aschepartikel das Sonnenlicht reflektieren und es so zu einer Abkühlung auf der Erde kommt. Dieser Erklärungsversuch hält sich lange. Erst nach den Ausbrüchen des El Chichón 1981 und des Pinatubo 1991 wird er korrigiert: Die Asche kann nicht der Hauptverursacher der klimatischen Veränderungen sein, denn sie hält sich nur eine begrenzte Zeit in der Atmosphäre. Als Klimafaktor gerät nun ein anderer Stoff ins Blickfeld, den man lange Zeit vernachlässigt hatte: der StichwortSchwefel.

Vulkanische Aerosolschichten als Klimafaktor

Grafik: Weltkarte mit rotem Wärmebalken
Über Jahre verteilen sich die Aerosolschichten in der Stratosphäre.

Tausende Tonnen Schwefeldioxid werden bei einem großen Vulkanausbruch freigesetzt. Innerhalb weniger Wochen bilden sich aus dem Gas winzige Schwefelsäuretröpfchen: so genannte StichwortAerosole. Sie können sich zu stabilen, oft mehrere Kilometer dicken Schichten verbinden. Weil es in der StichwortStratosphäre extrem wenig Flüssigkeit gibt, werden die Aerosole nur sehr langsam ausgewaschen und verteilen sich oft jahrelang über den Globus. Die Aerosolschichten reflektieren einen Teil der Sonnenstrahlung zurück ins All. Infolgedessen kühlt sich die Temperatur auf der Erde ab: In den beiden Jahren nach Ausbruch des Pinatubo 1991 sank die Temperatur weltweit um durchschnittlich 0,5 °Celsius. Darüber hinaus beobachteten die Wissenschaftler in dieser Zeit eine außergewöhnliche Vergrößerung des Ozonlochs.

Wann beeinflusst ein Vulkanausbruch das globale Klima?

Foto: Shuttle-Bild Kamtschatka
Astronauten der Raumfähre Columbia beobachten den Ausbruch des Shevelutch in Kamtchatka.

Nicht jeder Ausbruch beeinflusst das Klima global. Ob und wie viel SO2 in die Atmosphäre gelangt, hängt zunächst vom Schwefelgehalt des Magmas ab. Daneben ist die Höhe der Eruptionssäule für die freigesetzte Aerosolmenge entscheidend. Global beeinflusst wird das Klima vor allem durch hochexplosive Eruptionen, die große Schwefelmengen an die Stratosphäre abgeben. Der dritte entscheidende Faktor ist die geografische Breite: Einen globalen Klimaeffekt haben nur die Vulkanausbrüche in Äquatornähe: Hier transportiert die Zirkulation in der Stratosphäre die Aerosole um den ganzen Globus.

hot and cold: Vulkane in der Eiszeit

Weltweit gelangen pro Jahr etwa 15 Millionen Tonnen Schwefeldioxid durch Vulkanausbrüche in die Atmosphäre - allerdings erreicht nur alle ein bis drei Jahre eine Eruption die Stratosphäre. Der Ausbruch des Tambora war 1815 ein Jahrhundertereignis. Und dennoch sind das alles Strohfeuer im Vergleich zu den Vulkanausbrüchen in prähistorischer Zeit. Forscher nehmen an, dass der Ausbruch des Toba auf Sumatra vor rund 73.000 Jahren für die 1.000 kältesten Jahre der letzten Eiszeit gesorgt hat.

Stichwörter

1 Atmosphäre
Die Atmosphäre, aus dem griechischen atmós für "Dunst" und sphaira für "Kugel", ist die im Schwerefeld der Erde festgehaltene Lufthülle. Sie ist etwa 1.000 bis 3.000  km mächtig. Bis zu einer Höhe von 110 km besteht die Atmosphäre aus einem Gasgemisch, das sich aus Stickstoff (78 %), Sauerstoff (20,95%), Edelgasen (1%), Kohlendioxid (0,03%), Wasserdampf und einer variablen Menge Staub, Meeressalz und Abgasen zusammensetzt. Zurück zum Absatz
2 Schwefel
Schwefel gehört zu den häufigsten  Elementen der festen Erdkruste.  In der Häufigkeitsliste der chemischen Elemente steht er an 15. Stelle. Freier, gediegener Schwefel findet sich entweder als vulkanischer Schwefel oder als sedimentärer Schwefel. Gebunden kommt Schwefel in Sulfaten, in den Sulfiden der Schwermetalle, im Schwefelwasserstoff (Erdgas und vulkanische Gase), Schwefeldioxid und in organischen Verbindungen vor. Als Bestandteil von Proteinen ist Schwefel im Pflanzen- und Tierreich weit verbreitet; er ist  z.B. Baustein von Aminosäuren und Vitaminen. Zurück zum Absatz
3 Aerosole
Aerosole sind in Luft gelöste Stoffe. Sie bestehen aus einem Gas als Lösungsmedium, in dem flüssige oder feste Substanzen gelöst sind. Die kleinsten Aerosolpartikel sind geladene Gasmoleküle und besitzen Abmessungen von ca.  1 nm. Die größten Aerosolpartikel von in Luft gelösten Substanzen betragen etwa 1 mm. Zurück zum Absatz
4 Stratosphäre
Die Stratosphäre ist eine Schicht der Atmosphäre. Sie erstreckt sich von  ca.  7 bis 11  km  bis in eine Höhe von 50 km. In der Stratosphäre befindet sich die sogenannte Ozon-Schicht, die die höchsten Ozon-Konzentrationen in 20 bis 30 km Höhe aufweist. Wegen ihres geringen Wasserdampfgehaltes enthält sie keine Wolken. Zurück zum Absatz
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Jakob Kneser

Stand: 04.02.2003


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