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Quarks & Co
Sendung vom 18. Februar 2003
Links- und Rechtshänder
Nur jeder Zehnte benutzt die linke Hand, um zu schreiben, zu malen oder um einen Ball zu werfen. Lediglich zwei Prozent aller Menschen können beide Hände gleich gut benutzen und der große Rest ist eindeutig mit der rechten Hand stärker und geschickter. Wieso das so ist, darüber sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig.
Im Tierreich gibt es eine solche Vorliebe für Rechts nicht.
Zwar haben auch viele Tiere eine bevorzugte "Hand":
Katzen fischen mit ihrer "Lieblingspfote" nach dem
Wollknäuel unter dem Sofa. Aber diese Vorliebe variiert von
Katze zu Katze: 50 Prozent der Katzen benutzen dafür ihre
linke Pfote und 50 Prozent die rechte.
Auch die nächsten Verwandten des Menschen, die Menschenaffen -
also Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans - haben keine Vorliebe
für die rechte Hand.
Die ausgeprägte Rechsthändigkeit scheint in der Evolution einzigartig zu sein und nur beim Menschen vorzukommen. Ebenso wie die Sprache, die nur der Mensch entwickelt hat. Deswegen vermuten viele Forscher, dass die Vorherrschaft der rechten Hand im Zusammenhang mit der Entwicklung der Sprache steht. Immerhin liegen Sprachzentrum und die Steuerung der rechten Hand - zumindest bei den meisten Menschen - in der gleichen, nämlich linken Gehirnhälfte. Aber wo genau liegen die Berührungspunkte von "Hand" und "Sprache"? Mittels gestischer Sprache können wir auch mit den Händen sprechen. Insofern ist die Hand, mit der wir gestikulieren, auch ein "sprechendes" Organ. Um eine schnelle Kommunikation zu ermöglichen, erscheint es also als sehr sinnvoll, dass Sprach- und Handsteuerungszentrum räumlich eng beieinander liegen. Für diese Theorie spricht auch, dass ein Teil des Sprachzentrums, das so genannte Broca-Zentrum, entwicklungsgeschichtlich aus einem motorischen Areal im Gehirn entstanden ist: Eine Hirnregion, in der früher Gesten und Imitationen verarbeitet wurden. Auch heute noch findet man in diesem Areal Aktivität bei gehörlosen Menschen, die sich in Gebärdensprache unterhalten.
Es existieren noch zahlreiche andere, teilweise abenteuerliche
Erklärungsmodelle für die vorherrschende
Rechtshändigkeit. Einige Wissenschaftler sind der Meinung,
dass die Rechtshändigkeit genetisch begründet ist. Sie
beobachteten, dass Föten schon in der 10. Woche bevorzugt mit
Rechts "hantieren".
Gegen diese genetische Vorbestimmtheit spricht allerdings die
Zwillingsforschung: Es gibt eineiige Zwillinge, von denen einer
rechts- und der andere linkshändig ist.
Auch soziale Faktoren werden oft als Grund für die
überwiegende Rechtshändigkeit ins Feld geführt:
Schließlich ist unsere Welt in sehr hohem Maße auf
Rechtshänder ausgerichtet: Man gibt sich die rechte Hand zur
Begrüßung, hält das Messer rechts und schreibt
rechts. In einigen Kulturen gilt die linke Hand gar als unrein.
Linkshändigkeit wurde lange Zeit als unnormal angesehen. In der Schule erzog man die Linkshänder kurzerhand um. Für viele Kinder war das mit großen Schwierigkeiten verbunden, weil die rechte Hand einfach nicht so wollte wie die linke.
Umgeschulte Linkshänder sind heute für Händigkeitsforscher von großem Interesse. In einer Studie der Technischen Universität in München wurde die Gehirnaktiviät von Rechtshändern, Linkshändern und umgeschulten Linkshändern miteinander verglichen. Beim Schreiben wiesen Rechtshänder Aktivität in der linken Hirnhälfte auf und Linkshänder in der rechten Gehirnhälfte. Bei umgeschulten Linkshändern dagegen gab es Aktivitäten in beiden Hirnhälften. Das Gehirn hat also nur zum Teil umgelernt. Ein Teil der Steuerung verbleibt - trotz Umschulung - in der Gehirnhälfte, die ursprünglich für die Steuerung der linken Hand verantwortlich war: in der rechten Gehirnhälfte.
Viele Mythen ranken sich um die Händigkeit. So sollen Linkshänder kreativer sein als Rechtshänder. Als Grund dafür wird angeführt, dass bei Linkshändern die dominante Hand von der rechten Gehirnhälfte gesteuert wird, also von der Gehirnhälfte, die kreativ und ganzheitlich arbeiten soll. Tatsächlich gibt es Statistiken, die belegen, dass in kreativen Berufen ein höherer Prozentsatz von Linkshändern arbeitet. Viele Forscher glauben jedoch, dass das ein Folge des "Immer-Etwas-Anders-Seins" der Linkshänder ist.
Wenn Sie jetzt glauben, eigentlich ein Linkshänder zu sein, dann machen Sie doch einen Test mit uns.
Judith König
Stand: 18.02.2003
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