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Vaterschaftstest

  • SendeterminDienstag, 25. März 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .
Foto: Baby wird auf dem Arm getragen und schaut über die
Schulter des Mannes
Mit DNA-Proben kann man enge Verwandtschaftsverhältnisse feststellen.

Das Wissen über das komplette menschliche Genom, das heißt die Kenntnis sämtlicher Sequenzen der menschlichen  DNA und moderne Analysemethoden machen es möglich: Anhand von DNA-Proben kann man enge Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Menschen feststellen. Je direkter die Abstammung ist, desto sicherer sind die Aussagen einer solchen DNA-Analyse. Besonders sicher kann also die Verwandtschaft zwischen Eltern und Kindern bestimmt werden. Der Test, mit dem das möglich ist, wird "Vaterschaftstest" genannt, weil in den allermeisten Fällen nach dem Vater gefahndet wird. Die Mutterschaft lässt sich jedoch auf die gleiche Art nachweisen.

Ein "Mutterschaftstest" wird dann gemacht, wenn die Vermutung besteht, dass Babies vertauscht wurden oder wenn Mutter und Kind zum Beispiel in Kriegswirren getrennt wurden.

Warum ein Vaterschaftstest?

Die Menschen, die einen Vaterschaftstest veranlassen, stammen aus allen Bevölkerungsschichten. Es ist gar nicht immer der mögliche Vater, der Angst hat, dass ihm ein Kind untergeschoben werden soll. Häufig sind es Frauen, die sich nicht ganz sicher sind, wer der Vater ihres Kindes ist. Oder es sind Väter, die kursierenden Gerüchten eine Ende machen wollen und ihre Vaterschaft schwarz auf weiß bestätigt haben wollen.

Die Frage nach der Vaterschaft beschäftigt viele Menschen. Nach gängigen Schätzungen stammen fünf bis 10% aller Kinder nicht vom vermeintlichen Vater. Diese Zahlen sind allerdings nicht wissenschaftlich erhoben, sondern stammt aus der "Vaterschaftstestbranche".

Diese Branche boomt seit ein paar Jahren, obwohl der Test in seiner einfachsten Ausführung nicht gerade billig ist: Rund 1000 Euro muss man dafür anlegen. In der Apotheke kann man verschiedene Vaterschaftstests kaufen. Die Auswertung erfolgt immer im Labor.

Wie funktioniert der Test?

Foto: Frau steckt sich einen Wattepad in den Mund
Mit einem Wattestab kann man ganz einfach Zellen aus der Mundschleimhaut entnehmen.

Je nach dem welches Verwandtschaftsverhältnis geprüft werden soll, benötigt man für den Test DNA-Proben der Mutter oder der möglichen Väter sowie natürlich vom Kind. Am sichersten ist der Test, wenn man Proben aller Beteiligten hat. Die Proben nimmt man normalerweise durch einen Abstrich von der Mundschleimhaut. Aus den so entnommenen Schleimhautzellen wird im Labor die Erbsubstanz isoliert. Mit Hilfe der PCR, wird die gewonnene DNA vermehrt. Die PCR (Polymerase-Chain-Reaktion, oder deutsch: Polymerase-Kettenreaktion) ist ein Verfahren, bei dem mit Hilfe von Enzymen und starken Temperaturwechseln DNA vervielfältigt, also quasi kopiert werden kann.

Foto: Pinzette packt Partikelchen in ein Röhrchen
Mit der PCR-Maschine kann DNA vermehrt werden.

Auf den menschlichen Chromosomen gibt es bestimmte Abschnitte, die bei allen Menschen fast gleich sind. Diese Abschnitte enthalten keine Information. Das heißt, sie sind nicht die Grundlage für ein Merkmal, wie Augen- oder Haarfarbe. Im Buch unserer Erbinformation sind sie praktisch eine leere Seite. Dennoch kann die Reihenfolge der vier Basen Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G) und Cytosin (C) in diesen Abschnitten für den Test herangezogen werden. Denn die Abfolge der Basen wird unterschiedlich oft wiederholt. In Europa gibt es beispielsweise Menschen mit sechs, acht, elf oder 15 Wiederholungen einer bestimmten Basenabfolge.

Foto: Frau sitzt vor einem Monitor
Am Computermonitor können die Wissenschaftler die DNA von Eltern und Kind vergleichen.

Kinder erben jeweils eine Wiederholungsanzahl vom Vater und eine von der Mutter. Im Labor wird nun an 16 solcher Abschnitte überprüft, ob die Wiederholungszahlen des Kindes auf die Mutter und den möglichen Vater zurückzuführen sind. Diese Untersuchung läuft vollautomatisch ab. Ein Apparat liest gewissermaßen bestimmte Kapitel auf der DNA von Vater, Mutter und Kind. Hat das Kind an allen oder fast allen der untersuchten Abschnitte Übereinstimmungen mit dem möglichen Vater, kann man sehr sicher sein, dass er tatsächlich der Vater des Kindes ist. Gleiches gilt natürlich für die Mutter.

Wie sicher ist der Vaterschaftstest?

Die Firmen bieten mittlerweile eine Sicherheit von 99,99995  %. Das liegt an der hohen Zahl der miteinander verglichenen DNA-Abschnitte. Verwechslungen sind damit praktisch ausgeschlossen. Der Test ist sogar genauer als vergleichbare Verfahren der Kriminalistik, also beispielsweise der "genetische Fingerabdruck" mit einer Sicherheit von 99% - 99,5%.

Was beweist der Vaterschaftstest?

Foto: Vater, Mutter und Kind sitzen vor einer Kiste voll
Spielsachen
Schön, wenn das Ergebnis so ist, wie man es sich gewünscht hat.

Obwohl der Test so sicher ist, beweist ein privat in Auftrag gegebener Vaterschaftstest zunächst überhaupt nichts - jedenfalls nicht im juristischen Sinne. Als Beweis gilt er nur, wenn er gerichtlich in Auftrag gegeben wurde und notariell sicher gestellt ist, dass bei der Probennahme und auf dem weiteren Weg der Proben durchs Labor alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Eine DNA-Untersuchung ist in Deutschland nur auf freiwilliger Basis oder auf einen richterlichen Beschluss hin erlaubt. Wer hinter dem Rücken der Betroffenen einen Vaterschaftstest durchführen lässt, macht sich strafbar.

Dann kann man ja alles klären

Der Test gibt zwar die Antwort auf die Frage: Wer ist der biologische Vater eines Kindes? Aber wer einen solchen Test durchführen lässt, sollte sich der möglichen Konsequenzen bewusst sein. Wenn zum Beispiel herauskommt, dass der Ehemann und vermeintliche Vater des Kindes nicht der leibliche Vater ist, stellt das die Familie vor eine große Belastungsprobe. Das Kind steht plötzlich ohne Vater da und auch dessen Beziehung zu "seinem" Kind wird extrem belastet. Andererseits wäre es wohl auch nicht richtig, wenn die Mutter alleine, eine Art Herrschaftswissen in der Familie besitzt.
Rechtsmediziner, Familienpsychologen und Paartherapeuten warnen inzwischen vor dem allzu leichtfertigen Griff nach der Schachtel mit dem Vaterschaftstest. Nach ihrer Erfahrung schafft er mehr Probleme als Lösungen, insbesondere für die Kinder.
Der Fortschritt in der Wissenschaft, ist nicht immer ein Segen für die Betroffenen.

:

Lars Westermann

Stand: 25.03.2003


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