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Die Geschichte des Insulins

  • SendeterminDienstag, 25. März 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .
Foto: Frau trägt ein krankes Kind
Gegen Diabetes gab es Anfang des 20. Jahrhunderts kein anderes Mittel als Hungern.

Noch Anfang des vergangenen Jahrhunderts glich die Diagnose "zuckerkrank" einem Todesurteil. Vor allem Kinder waren davon betroffen. Bis dahin wusste man nur, dass im Körper der Kranken zu viel Zucker vorhanden war - denn selbst der Urin schmeckte süß. Also ließ man die Kinder hungern, um den Zuckergehalt zu senken. Das war die einzige Therapie damals. Damit wurde das Leben zwar verlängert, aber auch das Leiden. Geheilt wurde auf diese Weise niemand - kein Erwachsener und kein Kind.

Dem heilenden Stoff auf der Spur

Foto: Portrait von Frederick Banting
Frederick Banting extrahierte als erster Forscher Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Hunden.

Mehrere Forscher arbeiteten damals daran, die Zuckerkrankheit zu heilen. Einige stellten einen Zusammenhang zwischen dieser Krankheit und der Bauchspeicheldrüse her: Hunde, denen sie die Bauchspeicheldrüse entfernt hatten, entwickelten Diabetes. Trotzdem gelang es keinem Forscher, ein Gegenmittel zu finden. Denn noch kannte niemand den Stoff, der den Zuckerkranken fehlt und bei Gesunden in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Schließlich führte der junge Arzt Frederick Banting zusammen mit seinen Kollegen Charles Best und James Collip das entscheidende Experiment durch: Sie stellten aus den Bauchspeicheldrüsen von Hunden einen Extrakt her und behandelten damit einen Versuchshund mit Diabetes: Der Hund erholte sich. Wenige Monate später, im Januar 1922, behandelten sie den ersten Menschen - mit Erfolg: Das Insulin war entdeckt! Verschiedene Firmen begannen daraufhin, Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Tieren zu produzieren. Das war die Rettung: Kein Mensch musste mehr an der Zuckerkrankheit sterben.

Nicht genug für alle?

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen erste Probleme auf: Die Bevölkerung wuchs und Diabetes nahm zu. Mitte der 70er Jahre rechneten Studien hoch, dass schon etwa 20 Jahre später das Insulin nicht mehr für alle DiabetikerInnen reichen würde. Immerhin brauchte man für eine/n DiabetikerIn die Bauchspeicheldrüsen von rund 100 Schweinen pro Jahr. Dazu kam ein anderes Problem: Das tierische Insulin unterscheidet sich in einigen wenigen Bestandteilen vom menschlichen Insulin und etwa 5 % der DiabetikerInnen reagierten allergisch darauf. Ob die Allergien allerdings tatsächlich auf das tierische Insulin zurückzuführen waren oder vielleicht von den Trägerstoffen ausgelöst wurden, weiß man bis heute nicht. Diese Probleme ließen die Wissenschaftler weiter forschen.

Kleine Helfer bauen auf DNA

Foto: Bakterien auf gelber Unterlegscheibe
Die Bakterien Escherichia coli gehören zu unserer gesunden Darmflora und stehen jetzt auch im Dienst der Medizin.

Ende der 70er stellten einige Forscher in den USA ein Lösungsmodell vor: StichwortBakterien sollten menschliches Insulin produzieren. Dazu haben sie  in die Erbsubstanz der Darmbakterien Escherichia coli das menschliche StichwortGen für Insulin eingepflanzt. Und zwar so, dass dieses Gen an bakterielle StichwortDNA gekoppelt war. Auf dieser bakteriellen DNA befinden sich bestimmte Kontrollabschnitte. Sie bestimmen, wie oft die bakteriellen Enzyme das Insulin-Gen ablesen und in das StichwortEiweiß - in diesem Fall in das Hormon Insulin - übersetzen sollen. Die Bakterien produzieren auf diese Weise Insulin, das genauso aussieht wie menschliches Insulin. Es war das erste gentechnisch produzierte  Medikament, das zur Behandlung einer Krankheit eingesetzt wurde.

Allerdings wurden auch hier wieder skeptische Stimmen laut: Einige PatientInnen hatten bei der Umstellung von tierischem auf menschliches Insulin Probleme. Sie gerieten so schnell und unbemerkt in einen unterzuckerten Zustand, dass sie ins Koma fielen. Bei DiabetikerInnen, die von Anfang an dieses "menschliche" Insulin bekamen, traten diese Symptome nicht häufiger auf als bei tierischem Insulin.

1982 wurde Insulin als erstes gentechnisch produziertes Medikament in den USA zugelassen. Seit Ende der 90er Jahre wird menschliches Insulin auch in Deutschland produziert. Weltweit gibt es kaum noch tierisches Insulin auf dem Markt. Das Insulin machte damals den Anfang. Inzwischen werden mit dieser Technik - der Gentechnik - viele medizinische Wirkstoffe produziert. Allein in Deutschland sind es bereits über 100.

Stichwörter

1 Bakterien
Bakterien sind Einzeller, die keinen Zellkern besitzen. In der Gentechnik wird sehr häufig das Darmbakterium Escherichia coli verwendet. Manchmal besitzt es neben seinem großen DNA-Molekül noch einen kleineren DNA-Ring, das so genannte Plasmid. Zurück zum Absatz
2 Gen
Ein Gen ist der Abschnitt auf der DNA, der den Bauplan für ein Eiweiß enthält. Zurück zum Absatz
3 DNA
Die Desoxyribonucleinsäure (kurz DNS oder in der englischen Abkürzung DNA) speichert die Erbinformation einer Zelle. Das DNA-Molekül besteht aus einem Rückgrat aus Phosphat und Zucker sowie vier verschieden Basen: Adenin, Thymin, Cytosin und Guanin. Die Forscher kürzen diese Genbuchstaben A, T, C und G ab. Wie Watson und Crick 1953 entdeckten, hat die DNA die Struktur einer Doppelhelix: Zwei Einzelstränge lagern aneinander und verdrillen sich wie eine Wendeltreppe. Das Rückgrat liegt außen, die Genbuchstaben zeigen nach innen. Jeweils zwei Buchstaben liegen sich in der Doppelhelix immer gegenüber: A und T und C und G. Das nennen die Wissenschaftler Basenpaar. Zurück zum Absatz
4 Eiweiß
Eiweiße sind große Moleküle, die im Körper lebenswichtige Aufgaben haben. Sie bilden Muskeln, zersetzen Nahrung oder transportieren Sauerstoff durch den Körper. Eiweiße sind lange Ketten von 40 bis zu 400 Eiweißbausteinen. Von diesen Grundbausteinen, den so genannten Aminosäuren, gibt es 20 verschiedene. Ihre Abfolge nennt man die Sequenz eines Eiweißes. Sie ist in den Genen festgelegt. Jeder Eiweißbaustein verleiht dem Molekül andere Eigenschaften. Eiweiße werden auch Proteine genannt. Zurück zum Absatz
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Tanja Winkler

Stand: 25.03.2003


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