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Das Geheimnis der Sequenz

  • SendeterminDienstag, 25. März 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .

Im Sommer 2000 schaffte die internationale Forschergemeinschaft der Human Genom Organisation (HUGO) den Meilenstein: Sie entschlüsselte alle drei Milliarden Genbuchstaben des menschlichen Erbguts. Dabei entdeckten die Wissenschaftler Überraschendes: Der Mensch besitzt weitaus weniger StichwortGene als erwartet. Nur etwa 35.000 Bauanleitungen fanden die Forscher im StichwortZellkern des Menschen. Fast genauso viele wie bei der Maus.

Nur 35.000 Gene bestimmen also, was wir sind. Doch neue Forschungsergebnisse zeigen, dass es neben der Abfolge der Genbuchstaben der StichwortDNA vermutlich noch weitere Informationen gibt. Die Wissenschaftler haben bisher drei Mechanismen entdeckt, die die Information des Erbguts verändern können.

Blockierte Eiweiße

Grafik: DNA gewickelt auf Histone
Die Histone verpacken das große DNA-Molekül im Zellkern.

Im Zellkern liegt die DNA nicht als nackter Doppelhelix-Faden. StichwortEiweiße binden sich an das Molekül. Sie verpacken und organisieren die DNA im Zellkern. Um eine Art dieser Eiweiße - die so genannten StichwortHistone - wickelt sich die DNA wie um einen Lockenwickler. Dadurch liegt das Molekül des Lebens geordnet im Zellkern. Wenn nun die Information der DNA abgelesen werden soll, muss sich der Erbgutfaden zunächst von den Histonen abwickeln. Doch es gibt Mechanismen, die das Ablesen unterbinden. Zum Beispiel, kann das Abwickeln des Erbgutfadens verhindert werden. Dabei wird das Histon, das die DNA trägt, chemisch blockiert, so dass sich die DNA nicht Abwickeln lässt. Die Gene, die auf diesem Stück des Erbguts sitzen, können dann nicht abgelesen werden. Sie sind blockiert.

Markierungen im Text

Grafik: Gene in grün und blau in einer Reihe. Darüber ein
schwebendes goldenes Gen.
Die markierten Genbuchstaben blockieren die Information der Gene.

Die Sequenz der DNA ist aus nur vier Genbuchstaben aufgebaut: Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T). Allerdings kommt es vor, das der Buchstabe C, das Cytosin, chemisch markiert wird. Methylierung nennen das die Forscher. Etwa fünf Prozent des Buchstaben C im Erbgut sind so markiert. Durch die Markierung wird das gesamte Gen, das mehrere gekennzeichnete Buchstaben enthält, stillgelegt. Denn das Ablese-Enzym, die StichwortPolymerase, kann dann nicht an die DNA andocken und das Gen ablesen.

Abfangjäger in der Zelle

Grafik: Gene nebeneinander hängend mit grafisch dargestelltem
"Abfalljäger" der Gene transportiert.
Die Abfangjäger erkennen die Genkopie mit ihren angehängten Genbuchstaben.

Die Information des Bauplans eines Gens kann aber auch erst im letzten Schritt abgefangen werden. Erst vor kurzem haben Forscher diese Möglichkeit entdeckt. Dabei wird die DNA zunächst ganz normal von der Polymerase abgelesen. Das Ablese-Enzym produziert dabei eine Genkopie, die aus dem Zellkern wandert. Und hier im Inneren der Zelle kann es zu Störungen kommen: Abfangjäger können die Genkopie angreifen. Sie tragen kurze Stücke der Ribonucleinsäure (RNA), die exakt zur Genkopie aus dem Zellkern passen. Ausgestattet mit diesem Steckbrief können die Abfangjäger die gesuchte Genkopie gezielt aufstöbern. Anschließend zerlegen sie die Kopie. Auf diese Weise kann die Information des Gens nicht weitergeleitet werden. Das zugehörige Eiweiß wird nicht hergestellt.

Eine Zelle wird erwachsen

Diese Eingriffe in das Ablesen der Gene nennen die Wissenschaftler Epigenetik. Epi bedeutet im Griechischen über. Eine Über-Genetik also. Dabei wird die Sequenz der Buchstaben der DNA nicht verändert; sie bleibt gleich. Vergleicht man den genetischen Code des Lebens mit einem geschriebenen Text, so bestimmen die Epigenetischen Prozesse, wie und wann dieser Text gelesen wird. Es sind Anmerkungen an den Text geschrieben. Denn die Epigenetik ist sozusagen die Formatierung des Buchs des Lebens. Sie markiert Teile des Textes oder streicht einige Passagen.

Besonders wichtig ist das bei der Entwicklung der Zellen eines Embryos. Da gibt es viele zelluläre Veränderungen. Wenn aus einer Embryozelle eine Hautzelle wird, müssen im Erbgut der Zelle immer wieder Gene an- und abgeschaltet werden. Das ist die Aufgabe der Epigenetik. Denn Gene, die im Ebryostadium wichtig für die Zelle waren, werden später nicht mehr benötigt. Solche Abschnitte der Erbsubstanz können dann so lange stillgelegt werden, bis sie wieder gebraucht und aktiviert werden müssen.

Stichwörter

1 Gene
Ein Gen ist der Abschnitt auf der DNA, der den Bauplan für ein Eiweiß enthält. Zurück zum Absatz
2 Zellkern
Der Zellkern ist die Kommandozentrale der Zelle. Im Zellkern liegt das Erbgut geschützt durch die Kernhülle. Alle notwendigen Informationen sind hier auf der DNA gespeichert. Der Kern ist daher für die Vererbung der Information der DNA zuständig. Außerdem werden von den Genen auf der DNA alle Prozesse in der Zelle kontrolliert. Hier wird die DNA abgelesen. Allerdings haben nicht alle Lebewesen einen Zellkern. Bei Viren und Bakterien liegt das Erbgut direkt in der Zelle. Zurück zum Absatz
3 DNA
Die Desoxyribonucleinsäure (kurz DNS oder in der englischen Abkürzung DNA) speichert die Erbinformation einer Zelle. Das DNA-Molekül besteht aus einem Rückgrat und den Genbuchstaben Adenin, Thymin, Cytosin und Guanin. Die Forscher kürzen die Buchstaben als A, T, C und G ab. Wie Watson und Crick 1953 entdeckten, hat die DNA die Struktur einer Doppelhelix: Zwei Einzelstränge lagern aneinander und verdrillen sich wie eine Wendeltreppe. Das Rückgrat liegt außen, die Genbuchstaben zeigen nach innen. Jeweils zwei Buchstaben liegen sich in der Doppelhelix immer gegenüber: A mit T und C mit G. Das nennen die Wissenschaftler Basenpaar. Zurück zum Absatz
4 Eiweiße
Eiweiße sind große Moleküle, die im Körper lebenswichtige Aufgaben haben. Sie bilden Muskeln, zersetzen Nahrung oder transportieren Sauerstoff durch den Körper. Eiweiße sind lange Ketten von 40 bis zu 400 Eiweißbausteinen. Von diesen Grundbausteinen, den so genannten Aminosäuren, gibt es 20 verschiedene. Ihre Abfolge nennt man die Sequenz eines Eiweißes. Sie ist in den Genen festgelegt. Jeder Eiweißbaustein verleiht dem Molekül andere Eigenschaften. Eiweiße werden auch Proteine genannt. Zurück zum Absatz
5 Histone
Histone sind Eiweiße, die sich an die DNA im Zellkern binden. Der DNA-Faden ist wie um einen Lockenwickler zweimal um ein Histon gewickelt. Die Histone helfen also, die DNA im Zellkern zu verpacken. Denn der gesamte DNA-Faden im Zellkern ist etwa einen Meter lang. Damit er in den sehr kleinen Zellkern überhaupt hineinpasst, muss der DNA-Faden stark gewickelt werden. Zum Ablesen der Geninformation muss das DNA-Molekül jedoch wieder abgewickelt werden. Zurück zum Absatz
6 Polymerase
Die Polymerase ist ein Eiweiß. Von ihr gibt es verschiedene Arten mit leicht unterschiedlichen Aufgaben. Die RNA-Polymerase liest die Information der Gene ab und stellt eine RNA-Kopie des Gens zur Produktion eines Eiweißes her. Die DNA-Polymerase fährt ebenfalls an der DNA entlang, stellt aber eine DNA-Kopie her. Wenn z.B. die Zelle sich teilen will: Dann verdoppelt die Polymerase die DNA. Zurück zum Absatz
:

Marion Kerstholt

Stand: 25.03.2003


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