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Sendung vom 08. April 2003
Wie entsteht Regen?
Ohne Sonne gäbe es keine Wolken und ohne Wolken keinen
Regen. Diese Voraussetzungen für Regen klingen sehr einfach,
doch die Regenentstehung im Detail ist etwas komplizierter als man
vielleicht denkt.
Grundsätzlich unterscheiden die Meteorologen zwischen zwei
Arten von Regen: zwischen "kaltem Regen" und "warmem
Regen". Etwa 80 Prozent des Regens sind kalter Regen, die
restlichen 20 Prozent warmer Regen. Der Unterschied liegt im
Entstehungsprozess der Regentropfen - und nicht in der Temperatur,
mit der uns die Tropfen auf den Kopf fallen.
Diesen Beitrag können Sie auch als Real Video sehen.
Wenn die Sonne die Erdoberfläche erwärmt, verdunstet
Wasser. Die erwärmte Luft und der gasförmige Wasserdampf
steigen von der Erde auf. Je wärmer die Luft ist, desto mehr
Wassermoleküle kann sie aufnehmen.
Neben dem Wasserdampf befinden sich überall in der Luft
unsichtbare, kleine
Aerosolpartikelchen. Sie sind so klein und
leicht, dass sie von der Luft getragen werden, obwohl sie nicht
gasförmig sind. Schwefelverbindungen (Sulfate) und
Meersalzkerne sind die häufigsten Aerosolpartikel, aber auch
Staub, Ruß und einige andere Partikelarten gehören
dazu.
Mit steigender Höhe kühlt die Luft wieder ab. Je
kälter die Luft wird, desto weniger Wasserdampfmoleküle
kann sie halten - Wissenschaftler sagen dazu, kalte Luft ist
früher gesättigt. Erst wenn die Luft völlig mit
Wasserdampf gesättigt ist, können Wolken entstehen. Der
überschüssige Wasserdampf kondensiert dann an den
Aerosolpartikeln zu feinsten Tröpfchen: den
Wolkentröpfchen. Sie sind so dünn wie ein Haar und so
leicht, dass sie von der Luft gehalten werden.
Bei der Kondensation gibt der Wasserdampf die Energie wieder ab,
die die Sonne benötigt hat, um das Wasser zu verdunsten. So
heizt sich die umgebende Luft wieder etwas auf und kann noch
höher steigen. Auf ihrem Weg nach oben, stoßen die
Wolkentröpfchen zufällig zusammen und vereinen
sich.
In den eiskalten Höhen ab etwa minus 20 Grad gefrieren die
immer noch flüssigen, aber stark unterkühlten
Wolkentröpfchen zum Teil zu Eiskristallen. Sie wachsen weiter,
indem sie der Luft Wasserdampf entziehen. Wenn sie schwer genug
sind, sinken sie wieder nach unten und sammeln dabei weitere
Wolkentröpfchen ein. Die Kristalle verklumpen so zu Graupel-
oder Hagelkörnern. Sobald sie die Temperaturgrenze von Null
Grad übersteigen, schmelzen sie wieder und fallen als kalter
Regen zur Erde. "Kalt" ist der Regen also deshalb, weil
seine Regentropfen zuvor gefrorene Graupel- oder Hagelkörner
waren.
Warmer Regen entsteht zunächst auf die gleiche Weise wie kalter Regen. Allerdings gefrieren die Wolkentröpfchen nicht, sondern stoßen nur so lange aneinander, bis sie groß und schwer genug sind, um abzuregnen. Da während dieses Prozesses auch immer wieder Wolkentröpfchen verdunsten, dauert er in der Regel wesentlich länger als die Entstehung von kaltem Regen.
In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts machte der so
genannte "Saure Regen" Schlagzeilen. Inzwischen scheint
das Thema fast vergessen - zu Unrecht allerdings, denn den sauren
Regen gibt es immer noch. Zwar sind die meisten toten Bäume
abgeholzt und die Wälder wieder aufgeforstet, doch die Ursache
ist längst noch nicht beseitigt. Nach wie vor entstehen bei
Verbrennungsprozessen in Industrie und Verkehr Gase wie
Schwefeldioxid und Stickoxide, die in die Umwelt gelangen. Mit dem
Wasser der Regentropfen reagieren diese Gase zu Säuren. Der
pH-Wert des Regentropfens verschiebt sich in
den sauren Bereich. Der Regen im Erzgebirge - einer in den 80er
Jahren besonders stark vom sauren Regen betroffenen Region - hat
heute noch einen sauren pH-Wert von 4,2.
Im Boden beginnen die Säuren ihre schädigende Wirkung.
Vor allem karge Gebirgsböden verkraften den sauren Regen
schlecht, denn die Säuren lösen die Nährstoffe -
beispielsweise Kalzium - aus der dünnen Humusschicht heraus.
So geht das Kalzium den Bäumen verloren, obwohl sie es
dringend für den Aufbau ihrer Zellen benötigen.
Darüber hinaus lösen die Säuren auch Schwermetalle
und Aluminium im Boden. Sie schädigen entweder direkt die
Wurzeln der Bäume oder gelangen mit dem Wasser bis in die
Blätter oder Nadeln der Bäume und schädigen dort
deren Gewebe. Die Folge: braune Verfärbungen.
Experten sagen voraus, dass in Europa im Jahr 2020 etwa ein
Drittel weniger Schwefeloxide ausgestoßen werden als noch
1980. Doch dafür werden sie sich allein in Asien in diesem
Zeitraum mehr als verdoppeln. Noch verheerender sind Stickoxide,
die zum größten Teil als Verkehrsabgase in die Umwelt
gelangen. Parallel zur weltweiten Verkehrszunahme erwarten die
Experten einen Anstieg dieser Gase auf allen Kontinenten.
Ausgestanden ist die Gefahr des Sauren Regens also längst noch
nicht. Im Gegenteil. Schnell wachsende Industrien und zunehmender
Verkehr werden den Regen auch auf anderen Kontinenten sauer machen.
Welche Auswirkungen der saure Regen auf die tropischen Wälder
haben könnte, ist kaum auszudenken.
Harald Raabe
Stand: 08.04.2003
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