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Quarks & Co
Sendung vom 22. April 2003
Wer war zuerst da - das Huhn oder das Ei?
Generationen haben sich mit dieser Frage beschäftigt, Generationen haben darüber diskutiert, debattiert und um eine Antwort gerungen. Lange Zeit galt die Frage nach "Huhn oder Ei" als unlösbar: Beim Versuch sie zu beantworten, geriet man unweigerlich in einen Kreisschluss: "Das Huhn ist aus dem Ei geschlüpft - das Ei wurde von einem Huhn gelegt - das ist wiederum aus einem Ei geschlüpft, das seinerseits von einem Huhn stammen muss, ..." Und so weiter und so fort - und keine Antwort in Sicht!
Natürlich war weder das Huhn noch das Ei plötzlich
einfach da, sondern beide sind das Ergebnis einer Jahrmillionen
langen
Evolution. Alle Lebewesen verändern sich
von Generation zu Generation. Die Veränderungen sind zwar
nicht sehr groß - über lange Zeiträume hinweg
summieren sich die Veränderungen jedoch und es können
Wesen entstehen, die sich von ihren Urahnen deutlich unterscheiden.
Eine solche Entwicklung haben auch unsere Hühner
durchgemacht.
Der direkte Vorfahre unseres Huhns ist das so genannte
Bankivahuhn, das heute noch lebt. Es stammt aus Asien und wurde
circa 2.500 v.
Chr. domestiziert. Auf der Suche nach den Vorfahren
dieser Bankviahühner - und damit auch aller anderen
Hühnervögel - fanden
Paläontologen eine ganze Reihe fossiler
Hühnervögel. Die ältesten dieser
"Urhühner" sind etwa 50 Millionen Jahre alt. Aber
auch diese hatten Vorfahren. Die Paläontologen vermuten, dass
sich die Hühnervögel vor etwa 65 Millionen Jahren aus den
damaligen Vogelarten entwickelt haben. Folgt man dieser Linie
weiter in die Vergangenheit, gelangt man zum gemeinsamen Ursprung
aller Vögel: dem Archäopterix. Der Archäopterix gilt
als mögliches Bindeglied zwischen Dinosauriern und
Vögeln. Er ist seinerseits wahrscheinlich aus der Linie der
Raptoren hervorgegangen; das waren ziemlich wilde und
gefährliche Raubsaurier.
All diese Tiere legen bzw. legten Eier mit harten Schalen. "Hartschaleneier" gibt es erst seit ungefähr 400 Millionen Jahren, denn damals entwickelten sich die ersten Tiere, die nicht mehr im Wasser, sondern nur noch an Land lebten. Die harten Schalen schützten die Eier vor dem Austrocknen an der Sonne. Die Vorfahren der Tiere, deren Lebensraum an Land lag, waren die Amphibien. Sie lebten sowohl an Land wie auch im Wasser. Ihre weichen und gallertartigen Eier legten sie jedoch nur im Wasser ab - hier trockneten sie auch ohne harte Schale nicht aus.
Aber auch die weichen Eier, aus denen der Laich der Fische und
Amphibien besteht, waren nicht der Anfang aller Dinge, sondern nur
ein Zwischenglied. Sie sind eine Weiterentwicklung der ersten Eier
überhaupt. Die ersten Eier haben vermutlich frühe
Mehrzeller abgegeben, um sich fortzupflanzen. Die Geschichte dieser
Mehrzeller lässt sich zurückverfolgen bis in die Zeit vor
etwa 580-600 Millionen Jahren. Aus dieser Zeit stammen fossile
Abdrücke von Tieren, die wahrscheinlich auf einer
ähnlichen Entwicklungsstufe standen wie die heutigen
Schwämme. Deshalb vermuten
Wissenschaftler, dass sie sich auf die gleiche Art fortpflanzten
wie die Schwämme noch heute: durch Abgeben von Ei- und
Spermienzellen. Theoretisch könnte diese Fortpflanzungsart
rund eine Milliarde Jahre alt sein.
Aus evolutionstheoretischer Sicht ist unsere Ausgangsfrage also
eindeutig beantwortet: Das Ei war früher da als das Huhn -
auch wenn es kein Hühnerei war!
Salim Butt
Stand: 16.05.2007
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