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Quarks & Co
Sendung vom 22. April 2003
Überraschungseier
Ei ist nicht gleich Ei. Nicht nur Vögel, Krokodile, Schildkröten und Frösche legen Eier. Sogar bei einigen Säugetieren - wie beim Schnabeltier und beim Ameisenigel - schlüpft der Nachwuchs aus dem Ei. Es gibt nicht nur Eier mit harter Kalkschale; Schlangen und Eidechsen zum Beispiel legen Eier mit weicher Schale, die sich anfühlt, als wäre sie aus Leder. Einige Vögel wiederum legen Eier, die so bunt aussehen, als ob sie der Osterhase gebracht hätte.
Vogeleier gibt es in allen Größen und vielen
verschiedenen Formen. Die größten Eier stammen vom
Madagaskar-Riesenstrauß. Sie sollen bis zu zwölf
Kilogramm gewogen haben und sogar größer als ein
Dinosaurier-Ei gewesen sein. Allerdings ist diese Art seit
ungefähr 400 Jahren ausgestorben. Bis heute kennt man keinen
Vogel, der größere Eier legt.
Die Rekordhalter unter den lebenden Vögeln sind die
Strauße. Ihre Eier werden bis zu 18 cm lang und bringen nahezu 1.800
Gramm auf die Waage - wahre Giganten also. Die kleinsten Eier
dagegen zaubert die auf Kuba beheimatete Bienenelfe hervor. Ihre
Eier messen gerade einmal sechs Millimeter und wiegen nur
¼ Gramm. In
Deutschland ist die Beutelmeise der Vogel mit den kleinsten
Eiern.
Zugegeben, Strauße legen ziemlich große Eier! Aber
diese Vögel sind ja auch richtig stattliche Tiere. Ein
Straußen-Ei wiegt nur ungefähr 1 % des
Körpergewichtes der Henne.
Anders ist das bei den Kiwis in Neuseeland. Hier ist das Ei fast
ein Viertel so schwer wie seine Mutter. Kurz vor dem Legen ist
nahezu der gesamte Bauchraum des Weibchens mit dem Ei
ausgefüllt. 34 anstrengende Tage dauert es, bis das Ei im
Körper der Mutter herangereift ist. Nach dem Legen
übernimmt das Männchen und brütet über 75 Tage
fast rund um die Uhr. Die Kiwis sind damit einsame Spitzenreiter -
keine andere Art muss so lange auf ihren Eiern hocken, bis der
Nachwuchs schlüpft.
Im Vergleich dazu brüten die Buntspechte ihre Küken fast
im "Vorübergehen" aus. Nach nur zehn Tagen
kämpfen sich die Jungen durch die Schale und strecken den
Eltern ihre hungrigen Schnäbel entgegen.
Nicht alle Vögel legen gleich viele Eier. Es gibt Arten,
die nur ein einziges Ei bebrüten - dazu gehört der
Adler.
Darüber kann die Blaumeise nur lachen, denn sie bringt es auf
zehn bis elf Eier pro Gelege. Die geschlüpften Jungtiere
bleiben dann bis zum Flüggewerden im Nest und lassen sich dort
füttern. Das Rebhuhn bemüht sich gleich um 15 bis 19 Eier
- ein wahres Kunststück. Weil jedoch nicht alle Junge
überleben, müssen manche Vögel viele Eier
produzieren, um ihre Art erhalten zu können.
Ein besonders gewiefter Zeitgenosse ist der Kuckuck. Während
des Frühlings legt das Weibchen etwa 18 Eier - nur nicht ins
eigene Nest. Dafür sucht sie sich Nester von Singvögeln
und legt in jedes dieser Nester immer nur ein einziges Ei. Der
Kuckucksnachwuchs wird schließlich von den anderen
Singvögeln aufgezogen. Erstaunlicherweise legen die meisten
Kuckucksweibchen ihre Eier in Nester der Vogelart, bei der sie
selbst aufgewachsen sind.
Vorne etwas spitzer, dafür hinten ein wenig runder - so
sehen die Eier in unseren Kühlschränken aus. Die meisten
Eier erfüllen dieses Formideal, aber es gibt Ausnahmen:
Eine besonders interessante Form haben die Eier der Trottellumme.
Dieser Vogel brütet in Kolonien hoch auf den Felsen
Helgolands. Dort hat er meist nur wenige Zentimeter Platz um seine
Eier zu legen und auszubrüten. Deshalb sind die Eier auf einer
Seite ausgesprochen spitz. Stupst man eines dieser Eier an, so
rollt es im Kreis. Damit verhindert seine Form, dass das Ei bei
einer unvorsichtigen Bewegung der Eltern vom Felsen stürzt.
Ganz schön clever, die Trottellumme!
Manche Eulen-Eier dagegen sind kugelrund; einige erinnern an
Tischtennisbälle. Warum das so ist, weiß man noch nicht
genau. Möglicherweise liegt es daran, dass einige Eulen auf
dem Boden, andere dagegen in Baum- oder Erdhöhlen nisten. Auf
jeden Fall haben sie dort viel mehr Platz als die Lummen auf ihren
Felsen und ihre Eier sind nicht ständig in Gefahr
herunterzufallen.
Selbst die Eier der Dinosaurier hatten verschiedene Formen. Es gab kleine, die in etwa so groß waren wie ein Golfball. Andere sahen aus wie ein Zylinder und wurden 40 bis 60 Zentimeter lang. Viel größer wurden jedoch selbst die Eier der Urzeit-Riesen nicht. Das hat zwei Gründe: Je größer ein Ei ist, desto mehr Flüssigkeit drückt aus seinem Inneren gegen die Kalkschale. Ist zu viel Flüssigkeit im Ei, dann wird der Druck auf die dünne Schale so groß, dass sie zerbricht. Je dicker aber die Schale ist, desto weniger Sauerstoff kann durch die feinen Poren der Schale wandern. Ist sie zu dick, kann der Embryo im Ei nicht mehr atmen.
Silvio Wenzel
Stand: 16.05.2007
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