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Quarks & Co
Sendung vom 22. April 2003
Küchentipps in Sachen Ei
Multitalent, Tausendsassa, unentbehrlicher Helfer - Eier sind aus der Küche einfach nicht wegzudenken. Aber wieso? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um "das Ei in der Küche".
Schlägt man Wasser mit einem Schneebesen, bilden sich Blasen, die jedoch sehr schnell wieder verschwinden. Schlägt man dagegen Eiklar, das immerhin auch zu 88 Prozent aus Wasser besteht, dann entsteht ein lockerer, feiner Schaum, der ziemlich lange stabil ist. Verantwortlich für den dauerhaften Schaum sind die Proteine im Eiklar. Sie bestehen aus einem "wasserfreundlichen" und einem "wasserfeindlichen" Teil. Deshalb ordnen sich die Proteine bevorzugt an den Übergangsflächen zwischen Wasser und Luft an. Auf diese Weise umschließen und schützen sie die Luftbläschen im Wasser des Eiklars und die Luftblasen können sich länger im wässrigen Milieu halten. Beim Aufschlagen des Ei-Schnees entstehen zunächst recht große Luftblasen. Sie werden um so kleiner, je länger man schlägt. So wird der Zusammenhalt zwischen den Blasen fester.
Öl und Wasser mischen sich normalerweise nicht. In der
Mayonnaise ist das anders. Sie wird aus Pflanzenöl, Essig oder
Zitronensaft und Eigelb hergestellt. Das Eigelb enthält so
genannte
Lecithine. Die Lecithin-Moleküle haben -
wie die Proteine - einen "wasserliebenden" und einen
"wasserfeindlichen" Anteil und umschließen in der
Mayonnaise die Öltröpfchen so, wie die Proteine im
Eischnee die Luftblasen. Die Öl-Tropfen verhalten sich durch
die Lecithin-Hülle nicht mehr wasserabweisend und
"verschmelzen" regelrecht mit dem wasserhaltigen Essig
oder Zitronensaft - zur Mayonnaise.
In regelmäßigen Abständen beunruhigen Meldungen
über
Salmonellen in Eierspeisen die
Öffentlichkeit. Wie können Sie sich dagegen
schützen, ohne auf das weiche Frühstücksei zu
verzichten? Eigelb gerinnt bei Temperaturen zwischen 62 und
65° C. Salmonellen
überleben bei 59° C nur wenige Minuten. Wenn Sie die Eier
für mindestens sechs Minuten zwischen 59 und
61° C erwärmen, sind sie garantiert salmonellenfrei.
Praktisch funktioniert das so: Legen Sie das Ei zunächst
für 3,5 Minuten in kochendes Wasser. In dieser Zeit gerinnt
das Eiweiß, der Dotter erwärmt sich aber nur auf
ungefähr 30° C. Anschließend legen Sie das Ei in
60° C heißes Wasser. Innerhalb von 7,5 Minuten steigt die
Temperatur des Eigelbs auf 59° C. Nach weiteren sieben Minuten
ist das Frühstücksei weich und salmonellenfrei.
Es stimmt nicht, dass man Eier nach dem Kochen abschrecken muss, damit man sie besser pellen kann. Sie machen sogar einen Fehler, wenn Sie Ihre Eier abschrecken. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hat dies untersucht. Es fand heraus, dass hartgekochte Eier, die abgeschreckt wurden, nicht sehr lange haltbar sind. Der Grund: Bakterien gelangen durch das Wasser beim Abschrecken in das Ei und vermehren sich dort. Wenn Sie die Eier abschrecken, sollten Sie diese innerhalb von zwei Tagen verzehren. Verzichten Sie auf das Abschrecken, sind die Eier bis zu drei Monaten haltbar.
Wenn Sie Eier ziemlich lange kochen, zeigt sich um das Eigelb herum ein blau-grüner Ring. Dieser Ring besteht aus Eisensulfid, einer schwefelhaltigen Verbindung. Das Eisen stammt von einem Protein im Dotter; der Schwefel dagegen kommt von einem Protein im Eiklar. Beim längeren Kochen werden beide Proteine zerstört. Eisen wird freigesetzt und Schwefelwasserstoff bildet sich. Schwefelwasserstoff ist es auch, der älteren Eiern ihren charakteristischen Geruch verleiht. An der Grenze zwischen Eigelb und Eiklar reagieren beide Substanzen miteinander und bilden so den farbigen Ring, der jedoch nicht gesundheitsschädlich ist. Zu lang gekochte Eier können Sie also ohne Sorge verzehren.
Silvio Wenzel
Stand: 22.04.2003