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Sendung vom 03. Juni 2003
Chronik einer Infektion - Warum SARS krank macht
Ein Atemzug genügt - und das SARS-Virus dringt über die Luftröhre in den Körper ein. Dieser Infektionsweg ist typisch für die so genannten Coronaviren, zu denen auch das SARS-Virus zählt. Diese Gruppe von Viren ist für ein Drittel aller Erkältungskrankheiten verantwortlich. Ein Infizierter überträgt das Virus durch Tröpfcheninfektion auf den nächsten Menschen.
SARS ist zum Glück nicht ganz so infektiös wie manch andere Erkältungskrankheit: Der Abstand muss weniger als einen Meter betragen, damit das SARS-Virus von einem Menschen auf den anderen überspringen kann. Deswegen infizieren sich die meisten SARS-Patienten in der Familie. Eine herzliche Umarmung, ein Kuss - mehr braucht das Virus nicht.
Noch ist nicht klar, wie sich das Virus zu Beginn der Infektion genau verhält. Möglicherweise setzt es sich erst im Rachen fest und gelangt später über das Blut in die Lunge. Vielleicht kommt es aber auch durch den Atem direkt dorthin. Sicher ist bislang nur: Das SARS-Virus ist zu Beginn der Erkrankung in der Lunge und im Blutplasma nachweisbar. Aber wie vermehrt es sich? Es dringt in eine Lungenzelle ein und bringt diese dazu, immer mehr Viren zu produzieren. Manche Zellen platzen, wenn sie von der Virenproduktion völlig erschöpft sind und geben so ihre Virenlast frei. Andere sterben einfach nur ab, ohne zu platzen.
In den ersten Tagen merken die Infizierten von den Aktivitäten der Viren in ihrem Körper noch nichts. SARS hat eine Inkubationszeit von zwei bis acht Tagen. Dann beginnt ein heftiges Fieber - über 38 Grad Celsius. Außerdem plagen die Patienten starke Muskelschmerzen und ein trockener Husten. Zwischen dem fünften und dem siebten Tag kommt bei ca. 70 Prozent der Patienten noch ein wässriger Durchfall hinzu. Im Röntgenbild ist die Verletzung der Lunge sehr früh zu erkennen. Innerhalb der ersten Woche der Erkrankung haben die meisten Patienten zwar noch keine Antikörper gebildet. Das Immunsystem ist trotzdem schon aktiv: Immunzellen schütten so genannte Cytokine aus. Sie sind verantwortlich für das hohe Fieber.
Um den neunten Tag der Krankheit nimmt das Fieber wieder zu. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Viren sich inzwischen stark vermehrt haben. Das belegen die Analysen von Schleimproben aus den Atemwegen. In diesen Proben ist die Viruskonzentration um den zehnten Tag herum am höchsten. Dann beginnt auch das Immunsystem den intensiven Kampf gegen solche Viren. Am 12. Tag der Krankheit sind bei vielen Patienten erstmals Antikörper gegen das SARS-Virus im Blut nachweisbar. Trotzdem verschlechtert sich der Zustand vieler Patienten weiter.
Nach dem 15. Tag der Erkrankung geht es für einen Teil der Patienten wieder bergauf. Dann sind nur noch wenige Viren im Körper nachweisbar. Bei dem anderen Teil der Patienten steigt das Fieber allerdings wieder auf über 40 Grad. Als Grund vermuten die Ärzte eine überschießende Immunreaktion. In der Lunge greifen die Immunzellen nicht nur die Viren an, sondern auch die Zellen, die mit den Viren infiziert sind. Dabei zerstören sie einen großen Teil des Lungengewebes. In der Lunge sammelt sich schließlich Flüssigkeit an. Daran sterben 10 bis 15 Prozent aller SARS-Patienten.
Eine Behandlung mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, ist nicht ganz unumstritten. In Hongkong und China wird sie häufig durchgeführt. Einige Patienten haben dadurch jedoch einen Rückfall erlitten. Ihr Körper hatte nicht gelernt mit dem SARS-Virus fertig zu werden.
Kirstin Raabe
Stand: 03.06.2003
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