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Sendung vom 03. Juni 2003
Virus oder Bakterium
Klein sind sie beide. Und beide können uns innerhalb von Stunden krank machen. Trotzdem sind sie nicht gleich: Bakterien und Viren unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Einigen Viren - den Bakteriophagen - dienen Bakterien sogar als Wirtszelle, in der sie sich vermehren.
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal von Viren und Bakterien
ist ihre Größe. Während Bakterien bis zu
0,002 mm groß
werden können, sind Viren ungefähr hundert Mal kleiner.
Bakterien kann man deshalb noch mit einem Lichtmikroskop erkennen -
Viren kommt man nur mit dem
Elektronenmikroskop auf die Spur.
Bakterien sind Selbstversorger: in ihrer Zelle produzieren sie
alles, was sie zum Leben brauchen. Sie haben ihr eigenes Erbgut,
das jedoch nicht in einem Zellkern aufgehoben ist, und einen
eigenen
Stoffwechsel. Damit ernähren sie sich
selbst. Um sich zu vermehren, schnürt das Bakterium seine
Zelle in der Mitte durch: aus eins wird zwei.
Viren können im Gegensatz zu Bakterien nicht selbstständig existieren. Sie sind Minimalisten, das heißt, sie bestehen nur aus einer Hülle und Erbgut. Weil sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, brauchen sie auch keine Nahrung - nicht einmal Wasser. Zur Vermehrung benötigt das Virus eine Wirtszelle, denn es kann weder sein Erbgut selbst kopieren, noch seine Hülle selbst herstellen. Das erledigt die Wirtszelle für das Virus.
Egal ob wir von Bakterien oder Viren befallen sind: krank fühlen wir uns auf jeden Fall - dabei fühlen wir keinen Unterschied. Dennoch machen Bakterien und Viren auf unterschiedliche Weise krank. Viren zerstören durch ihren Vermehrungsprozess Zellen in unserem Körper - z. B. Schleimhautzellen. Bakterien dagegen machen uns durch ihre Stoffwechselprodukte krank: diese sind für uns oft giftig.
Antibiotika wirken auf Bakterien, indem sie
den Vermehrungsprozess der Mikroben stören. Sie verhindern,
dass Bakterien nach der Zellteilung eine neue Zellwand bilden
können. Weil die Zellwand von Bakterien anders aufgebaut ist
als die Zellmembran der Körperzellen, greifen Antibiotika nur
Bakterien an und keine Körperzellen. Ohne
Außenhülle sind Bakterien nicht lebensfähig - sie
platzen. Weil Viren keine Zellwand besitzen, sind Antibiotika bei
ihnen nicht wirksam. Trotzdem verschreiben Ärzte bei einer
Viruserkrankung manchmal auch Antibiotika, denn bei einem viralen
Schnupfen können sich gleichzeitig auch Bakterien
einnisten.
Der beste Schutz gegen eine Krankheit ist, sie erst gar nicht
ausbrechen zu lassen. Mit einer Impfung wird das Immunsystem auf
die Abwehr der Erreger vorbereitet. Das funktioniert bei Bakterien
und Viren. Wichtig ist dabei die äußere Erscheinung der
Mikroben. Sie ist das Erkennungsmerkmal für die Immunabwehr
des Körpers. Ein Impfstoff enthält entweder
abgeschwächte Krankheitserreger oder nur harmlose Stücke
der Hülle. Das Immunsystem erkennt die fremden Strukturen und
bildet Antikörper dagegen. Wenn die gleiche Erregerart nach
der Impfung wieder in den Körper gelangt, erinnern sich die
Gedächtniszellen an die bekannte Oberflächenstruktur und
bilden sehr schnell Antikörper gegen den Eindringling. Die
Antikörper machen ihn unschädlich und verhindern den
Ausbruch der Krankheit.
Allerdings verändern manche Viren ihr äußeres
Erscheinen sehr schnell. Das macht die Entwicklung eines
Impfstoffes schwer. Deshalb muss z. B. für den Grippe-Erreger
jedes Jahr ein neues Impfserum entwickelt werden.
Krankheiten ausgelöst durch
Bakterien:
Diphterie: Äußert sich häufig als
Entzündung des Rachens.
Cholera: Durchfallerkrankung
Keuchhusten: Infektion der Atemwege mit
stakkatoartigen Hustenanfällen, die über mehrere Wochen
anhalten können. Keuchhusten kann bei Säuglingen zu
Atemstillstand führen.
Tuberkulose: Die Tuberkulose wird im Volksmund
auch Schwindsucht genannt. Es handelt sich um eine chronisch
verlaufende sehr ansteckende Lungenerkrankung.
Syphilis: Die Syphilis wird überwiegend durch
Sexualkontakte übertragen. Die Krankheit soll 1493 durch
Seeleute, die mit Kolumbus von der ersten Atlantiküberquerung
zurückkehrten, nach Europa gelangt sein.
Typhus: Typhus wird ausgelöst durch eine
spezielle Salmonellen-Art, die mit verunreinigtem Wasser oder Essen
übertragen wird.
Pest
Salmonellen: Salmonellen lösen unter anderem
Entzündungen des Darm-Traktes aus.
Lepra: befällt Haut und Schleimhäute und
Nervenzellen
Tetanus: Wundstarrkrampf
Krankheiten ausgelöst durch Viren:
Grippe (Influenza): Infektion der
Schleimhäute und der Lunge.
Pocken: Hochgradig ansteckende Pustelnerkrankung -
gilt als ausgerottet.
Masern: Infektionskrankheit mit Grippesymptomen
und Hautveränderungen
Windpocken: Durch eine Herpes-Virus-Art
ausgelöst.
Herpes: Bläschenerkrankung an Mund oder
Genitalien.
Kinderlähmung: Befall von Nervenzellen, die
den Kontakt zu den Muskeln herstellen.
AIDS: Immunschwäche
Schnupfen: Erkrankung der Schleimhäute im
Nasen- und Rachenbereich.
Röteln: Allgemeine Krankheitssymptome mit
Ausschlag und Lymphknotenschwellung.
Ebola: Fiebererkrankung begleitet von starken
inneren Blutungen, die eine hohe Sterblichkeit (50-80 Prozent)
aufweist.
Marion Kerstholt
Stand: 03.06.2003
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