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Quarks & Co
Sendung vom 03. Juni 2003
Wie mutiert ein Virus?
Die Medizin wäre um ein großes Problem ärmer, wenn Viren immer gleich aussähen und sich nicht veränderten. Mit Impfungen könnten die Ärzte unseren Körper auf die Abwehr des nächsten Virenangriffs vorbereiten und so gefährliche Virusepidemien eindämmen.
Bei manchen Viren, die nicht zur Veränderung neigen, funktionieren Impfungen sehr gut - so zum Beispiel bei den Viren, die Pocken oder Polio hervorrufen. Im Jahr 1967 startete die Weltgesundheitsorganisation eine weltweite Impfkampagne gegen Pocken und nur zwölf Jahre später erklärte sie die Welt für pockenfrei. Leider verändern sich viele andere Viren sehr schnell - einige sogar so schnell, dass es für die Forscher schwer ist, einen Impfstoff zu entwickeln. Zu diesen Viren gehören das HI-Virus, das Hepatitis-C-Virus und das Grippevirus.
Aber wie schaffen es die Viren, so schnell ihre äußere Erscheinung zu verändern? Das Influenza-Virus - der Grippe-Erreger - ist ein Meister der Verwandlung: In jedem Winter kommt es in einer neuen Form vor. Deshalb schützt der Impfstoff gegen Grippe jeweils nur ein Jahr. Dafür ist die Struktur seiner Erbsubstanz verantwortlich: Sie besteht aus acht Stücken. Weniger variable Viren besitzen dagegen nur ein einziges großes Erbgutmolekül.
Diese Struktur bietet gute Möglichkeiten zur Veränderung: Manchmal wird eine einzige Zelle von zwei unterschiedlichen Influenza-Viren gleichzeitig befallen. Dann können die beiden Viren einzelne Erbgutteile miteinander austauschen. Wird eine Zelle also von einem Hühner- und einem Menschen-Grippevirus infiziert, entsteht eine Mischformen dieser beiden Viren. Das geschieht oft in Körperzellen von Schweinen, denn sie können sowohl von der Hühnergrippe als auch von menschlichen Influenza-Viren befallen werden.
Nun kann also bei einer Virenfusion der menschliche Erreger mit dem Hühnervirus einen Abschnitt austauschen, auf dem das Aussehen der Virus-Hülle festgeschrieben ist. Das neu entstandene Virus besitzt dann auf seiner Oberfläche einen Bestandteil des Hühnervirus. Für das Immunsystem sieht das neue Virus anders aus als der ursprüngliche Erreger. Das Virus hat sich neue Kleider angezogen, wird damit von der Immunabwehr nicht mehr erkannt und kann sich ungehindert im Körper vermehren.
Das Grippevirus kann sich auch spontan - also ohne Gen-Austausch mit einem anderen Erreger - verändern. Das geschieht dann, wenn das Viruserbgut in einer Zelle fehlerhaft kopiert wird. Ist davon der Teil der Erbsubstanz betroffen, der das Aussehen der Virushülle festlegt, so ändert sich die Gestalt des Virus: Auch auf diese Weise können Viren das Immunsystem überlisten.
Marion Kerstholt
Stand: 03.06.2003
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