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Woher kommen die Killerviren?

  • SendeterminDienstag, 03. Juni 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .
Foto: Nahaufnahme einer Stechmücke
Viele Viruskrankheiten wie das West-Nil-Virus werden durch Stechmücken übertragen.

Manchmal treten sie auch in den Nachrichten auf: die Killerviren. Die Angst vor StichwortEbola, HIV, Hanta oder SARS ist groß. Allerdings ist die Herkunft der tödlichen Viren oft unklar. Viele der so genannten Killerviren stammen von Tieren. In ihnen leben die Viren oft jahrelang unerkannt, denn meistens geht es den Tieren auch mit dem Virus gut. Erst wenn das Virus durch Zufall mit dem Menschen in Kontakt kommt, wird es gefährlich: Das menschliche Immunsystem kennt das tierische Virus noch nicht und der Erreger kann sich ungehindert vermehren.

HIV

Das HI-Virus - der Auslöser der Immunschwäche  AIDS - stammt aus Afrika. Das ist schon länger bekannt. Es gab viele Vermutungen über einen tierischen Träger des Virus. Aber erst vor kurzem fanden die Forscher heraus, dass HIV von Schimpansen stammt. Schon in Proben, die um 1950 genommen wurden, konnte das Virus nachgewiesen werden.

Ebola

Bis heute konnte das Tier, das dieses Killervirus (Sterblichkeit der Patienten 50-80 Prozent) in sich trägt, nicht genau identifiziert werden. Manche Forscher vermuten, dass das Virus in Fledermäusen vorkommt. Andere gehen davon aus, dass zwei Mäusearten in Afrika verschiedene Teile des Virus besitzen, die nur in Kombination ihre tödliche Wirkung entfalten. Doch diese Mutmaßungen konnten durch die Experten des Centre for Disease Control (CDC) in den USA noch nicht geklärt werden.

Influenza

Der Grippe-Erreger befällt nicht nur den Menschen, sondern auch Geflügel wie Hühner, Wachteln oder Enten. Dadurch hat das Influenza-Virus gute Möglichkeiten, sich auszubreiten. Es kommt immer wieder vor, dass der Erreger vom Tier auf den Mensch überspringt.

Die spanische Grippe schien 1918/19 aus dem Nichts aufzutauchen. Erst vor etwa zehn Jahren wurde bewiesen, dass das Virus von Hühnern stammte. Das zeigten Erbgutvergleiche. Auch die Hongkong-Grippe, die 1997 ausbrach, stammte ursprünglich von Hühnern.

Hanta

Im Korea-Krieg (1950-53) erkrankten plötzlich 3.000 Soldaten am so genannten Korea-Fieber: Sie litten an starken inneren Blutungen, Fieber und Nierenversagen. Erst 1978 konnte die Ursache der Soldatenkrankheit aufgeklärt werden: Ein neuartiges Virus war der Auslöser. Man benannte den Erreger nach dem koreanischen Hantaan-Fluss, wo die Erkrankungen zum ersten Mal aufgetreten waren.

Heimische Mäuse hatten das Hanta-Virus übertragen. Sie leben ohne erkennbare Schäden mit dem Virus und scheiden es mit Urin und Kot aus. Über diese Ausscheidungen hatten sich die Soldaten infiziert.

Heute ist klar: Auch deutsche Mäuse tragen eine Art des Hanta-Virus. Die Rötelmaus lebt mit dem Erreger, der nach dem finnischen See Puumala benannt wurde. Durch Einatmen von Staub beim Ausräumen von Schuppen oder bei Waldarbeiten stecken sich jährlich mindestens 600 Deutsche an. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher. Denn das deutsche Hanta-Virus ist nicht so gefährlich wie die koreanische Variante. Es führt "lediglich" zu grippeähnlichen Symptomen und chronischem Nierenversagen. Seine Sterblichkeitsrate ist niedriger als bei dem koreanischen Virus.

Wissenschaftler vermuten, dass es bereits im Ersten und Zweiten Weltkrieg große Hanta-Virus-Epidemien gab. Die Krankheit wurde damals "Nephropathia Epidemica" oder "Feldnephritis" genannt.

1993 brach eine neue Art des Hanta-Virus aus: das "Sin-nombre-Virus". 94 Menschen - darunter viele Navajo-Indianer - erkrankten an schweren Lungenödemen. Die Hälfte der Patienten starb an den gefährlichen Folgen. Eine außergewöhnliche Witterung - eine Folge des pazifischen StichwortEl Niño - hatte die Anzahl der Hirschmäuse in Arizona, Utah, Colorado und New Mexico stark ansteigen lassen: ideale Bedingungen für das Virus.

West-Nil-Virus

Zum ersten Mal trat das Virus 1937 in Uganda, westlich des Nils, auf. Nach seiner Herkunft wurde der Erreger auch benannt. Normale Patienten mit West-Nil-Virus haben nur grippeähnliche Symptome. Aber Kinder, alte Menschen oder immungeschwächte Patienten (HIV-Infizierte) können schwere Komplikationen entwickeln.

Das Virus lebt hauptsächlich in Vögeln und wird durch Stechmücken übertragen. So sind denn auch tote Vögel ein erstes Indiz dafür, dass die Krankheit in ein neues Land eingeschleppt wurde.

1999 trat das West-Nil-Virus zum ersten Mal in den USA auf. Per Flugzeug wurden vermutlich Mücken nach New York gebracht, wo auch die ersten Krankheitsfälle auftraten. Zur Zeit sind 31 Bundesstaaten der USA vom West-Nil-Virus betroffen. Im Jahr 2002 erkrankten dort insgesamt 4.008 Menschen - 263 davon starben. Auch in deutschen Störchen wurde das Virus schon nachgewiesen.

Stichwörter

1 Ebola
1976 trat das durch Ebola-Viren ausgelöste hämorrhagische Fieber erstmals in der Demokratischen Republik Kongo (ehemaliges Zaire) auf. Die Krankheit endet in 50-80 Prozent der Fälle tödlich. Seit 1976 sind mehrere Ebola-Epidemien in Zentralafrika aufgetreten, die bislang einige 100 Todesopfer gefordert haben. Die Ebola-Viren werden durch Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen. Medikamente und Impfungen gibt es bislang nicht. Zurück zum Absatz
2 El Niño
Fast jedes Jahr um die Weihnachtszeit tritt diese so genannte Warmwasseranomalie vor den Küste Perus und Equadors auf: in das kalte Wasser des Humboldstromes dringt aus bisher noch nicht vollständig geklärten Umständen ein riesiger Warmwasserkörper ein. El Niño soll sogar einen nicht unbedeutenden Einfluss auf das Weltklima ausüben. Zurück zum Absatz
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Marion Kerstholt

Stand: 03.06.2003


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mit Atemschutz stehen im Hintergrund

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