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Kleine Virenschule oder vier Tipps für eine erfolgreiche Epidemie

  • SendeterminDienstag, 03. Juni 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .

Lektion 1: Tarnung

Foto: Menschen mit Mundschutz
Zum Schutz vor Erregern tragen die Menschen einen Mundschutz.

Verhalten Sie sich unauffällig. Krankheiten, die nicht sofort und eindeutig zu erkennen sind, haben einen entscheidenden Zeitvorteil.  SARS  hat es vorgemacht: Getarnt als harmlose Grippe konnte sich die Krankheit über mehrere Monate hinweg ausbreiten, bevor gezielte Tests und Gegenmaßnahmen verfügbar waren.

Lektion 2: Flexibilität

Grafik: Modell eines Grippevirus'
Modell eines Grippevirus'

Seien Sie flexibel - hängen Sie nicht an ihrer Form. Die Grippe ist ein wahrer Verwandlungskünstler: Jedes Jahr taucht sie in leicht veränderter Form auf. Alte Impfstoffe müssen in aufwändigen molekularbiologischen Verfahren neu an die Virushülle angepasst werden. Und das kann dauern ...

Foto: Das Pockenvirus in schwarz/weiß Aufnahme
Das Pockenvirus

Die StichwortPocken dagegen haben seit jeher die gleiche, unveränderliche Form. Ein echter Nachteil! Nachdem einmal ein Impfstoff gefunden war, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann die einstmals weltweite Bedrohung zum Auslaufmodell werden würde. Ende der 1970er Jahre erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Pocken für ausgestorben.

Lektion 3: Ausdauer

Foto: Menschen in New York
Menschen in New York.

Üben Sie sich in Geduld! Ein Meister der Ausdauer ist der  AIDS-Erreger  HIV. Dieses Virus schlummert manchmal jahrelang untätig im Körper eines Infizierten. In diesen Jahren kann es unbemerkt an viele Menschen weitergegeben werden. Der ‚Erfolg' dieser schleichenden Ausbreitung ist an den Infektionszahlen abzulesen: Innerhalb von nur zwanzig Jahren ist AIDS über alle Erdteile hinweg zu einer der gefährlichsten Seuchen geworden.

Foto: Farbiger Mann sitzt am Schreibtisch vor Arztutensilien und
Menschen stehen vor seinem Fenster.
Arzt in Afrika.

Das afrikanische StichwortEbola-Virus ist zwar extrem aggressiv: kaum eine Krankheit tötet schneller und gründlicher. Genau diese Ungeduld wird dem Virus jedoch zum Verhängnis: Sein Wirt stirbt und kann die Krankheit nicht über die unmittelbare Umgebung hinaustragen. Die Epidemie bleibt regional begrenzt.

Lektion 4: Ausbreitung

Foto: Schwarz umrandeter Kreis. In der Mitte ein verzerrtes Bild.
Schlierenbild eines Niesers.

Nutzen Sie alle Möglichkeiten! Breiten Sie sich so unkompliziert aus wie möglich. Topmodell in Sachen Ausbreitung ist seit jeher die einfache Grippe (Influenza). Ihr reichen zur Übertragung ein paar winzige Tröpfchen in der Atemluft (Tröpfcheninfektion) oder ein Händedruck. Ein Nieser - und eine neue Grippewelle kann sich auf den Weg um den gesamten Globus machen. Ein simpler Rechentrick: Die riesigen Infektionszahlen machen aus der an sich harmlosen Krankheit Jahr für Jahr eine Killermaschine.

Grafik: Kondom das durch eine Wolke gerauscht kommt.
Plakat der Kampagne "Gib Aids keine Chance".

Die Sterblichkeitsrate von HIV ist wesentlich größer und aufgrund seiner Ausdauer (siehe Lektion 3) ist das Virus mindestens so gefährlich wie die Grippe. Doch HIV hat eine Achillesferse: Das Virus ist für seine Übertragung auf Blut oder ungeschützten Sex angewiesen. Ein Schutz vor der tödlichen Seuche ist denkbar einfach: Wenige Mikrometer Latex können für HIV zum unüberwindlichen Hindernis werden.

Stichwörter

1 Pocken
Pocken, auch als Blattern bezeichnet, sind eine sehr ansteckende lebensgefährliche Infektionskrankheit, die durch Viren verursacht wird. Etwa zwei Wochen nach der Infektion durch Tröpfchen reagiert der Patient mit starkem Fieber und Schüttelfrost. Vier Tage nach des ersten Symptomen zeigen sich die typischen Bläschen an fast allen Körperstellen. Unbehandelt stirbt etwa jeder dritte Mensch an Pocken. Zurück zum Absatz
2 Ebola
1976 trat das durch Ebola-Viren ausgelöste hämorrhagische Fieber erstmals in der Demokratischen Republik Kongo (ehemaliges Zaire) auf. Die Krankheit endet in 50-80 Prozent der Fälle tödlich. Seit 1976 sind mehrere Ebola-Epidemien in Zentralafrika aufgetreten, die bislang einige 100 Todesopfer gefordert haben. Die Ebola-Viren werden durch Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen. Medikamente und Impfungen gibt es bislang nicht. Zurück zum Absatz
:

Jan Krüger

Stand: 03.06.2003


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Quarks Viren-Quiz

Foto/Grafik: Ranga Yogeshwar im Vordergrund des Bildes. Menschen
mit Atemschutz stehen im Hintergrund

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