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Quarks & Co
Sendung vom 03. Juni 2003
Kleine Virenschule oder vier Tipps für eine erfolgreiche
Epidemie
Verhalten Sie sich unauffällig. Krankheiten, die nicht sofort und eindeutig zu erkennen sind, haben einen entscheidenden Zeitvorteil. SARS hat es vorgemacht: Getarnt als harmlose Grippe konnte sich die Krankheit über mehrere Monate hinweg ausbreiten, bevor gezielte Tests und Gegenmaßnahmen verfügbar waren.
Seien Sie flexibel - hängen Sie nicht an ihrer Form. Die Grippe ist ein wahrer Verwandlungskünstler: Jedes Jahr taucht sie in leicht veränderter Form auf. Alte Impfstoffe müssen in aufwändigen molekularbiologischen Verfahren neu an die Virushülle angepasst werden. Und das kann dauern ...
Die
Pocken dagegen haben seit jeher die gleiche,
unveränderliche Form. Ein echter Nachteil! Nachdem einmal ein
Impfstoff gefunden war, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann
die einstmals weltweite Bedrohung zum Auslaufmodell werden
würde. Ende der 1970er Jahre erklärte die
Weltgesundheitsorganisation die Pocken für ausgestorben.
Üben Sie sich in Geduld! Ein Meister der Ausdauer ist der AIDS-Erreger HIV. Dieses Virus schlummert manchmal jahrelang untätig im Körper eines Infizierten. In diesen Jahren kann es unbemerkt an viele Menschen weitergegeben werden. Der ‚Erfolg' dieser schleichenden Ausbreitung ist an den Infektionszahlen abzulesen: Innerhalb von nur zwanzig Jahren ist AIDS über alle Erdteile hinweg zu einer der gefährlichsten Seuchen geworden.
Das afrikanische
Ebola-Virus ist zwar extrem aggressiv: kaum
eine Krankheit tötet schneller und gründlicher. Genau
diese Ungeduld wird dem Virus jedoch zum Verhängnis: Sein Wirt
stirbt und kann die Krankheit nicht über die unmittelbare
Umgebung hinaustragen. Die Epidemie bleibt regional begrenzt.
Nutzen Sie alle Möglichkeiten! Breiten Sie sich so unkompliziert aus wie möglich. Topmodell in Sachen Ausbreitung ist seit jeher die einfache Grippe (Influenza). Ihr reichen zur Übertragung ein paar winzige Tröpfchen in der Atemluft (Tröpfcheninfektion) oder ein Händedruck. Ein Nieser - und eine neue Grippewelle kann sich auf den Weg um den gesamten Globus machen. Ein simpler Rechentrick: Die riesigen Infektionszahlen machen aus der an sich harmlosen Krankheit Jahr für Jahr eine Killermaschine.
Die Sterblichkeitsrate von HIV ist wesentlich größer und aufgrund seiner Ausdauer (siehe Lektion 3) ist das Virus mindestens so gefährlich wie die Grippe. Doch HIV hat eine Achillesferse: Das Virus ist für seine Übertragung auf Blut oder ungeschützten Sex angewiesen. Ein Schutz vor der tödlichen Seuche ist denkbar einfach: Wenige Mikrometer Latex können für HIV zum unüberwindlichen Hindernis werden.
Jan Krüger
Stand: 03.06.2003
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