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Herpes-Träger küsst man nicht

  • SendeterminDienstag, 03. Juni 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .

Schlummernde Viren

Foto: Eine Kussmund in Nahaufnahme
Der größte Teil der Bevölkerung trägt Herpesviren in sich.

Es beginnt mit einem leichten Jucken an der Lippe. Man ahnt noch nichts Böses und verabredet sich leichtsinnig für den nächsten Abend. Doch über Nacht wird die Stelle rot und tut weh. Außerdem haben sich dort kleine Bläschen angesiedelt. Nun ist es nicht mehr zu übersehen: Das Herpes-Virus ist mal wieder am Werk. Will man die Verabredung nicht absagen, bietet jetzt nur noch eine Abdeckcreme kosmetische Erste Hilfe, denn bis alles wieder abgeheilt ist, vergeht mindestens eine Woche.

Eine unschöne Angelegenheit - dieses Virus! Und es gibt davon nicht nur eine Sorte, sondern eine ganze Reihe von Viren gehören zur Gruppe der Herpesviren. Sie alle haben eins gemeinsam: Der größte Teil der Bevölkerung trägt sie in sich.

Herpes simplex 1 (HSV1): 85 Prozent Durchseuchung. Die Viren dringen bei der Erstinfektion in die Zellen der Schleimhaut und der Haut ein. Dort vermehren sie sich und es kommt zu den bekannten Bläschen auf der Lippe.

Herpes simplex 2 (HSV2): etwa 30-40 Prozent Durchseuchung. HSV 2 infiziert vor allem den Genitalbereich.

Herpes StichwortZoster (Windpocken): Bei Kindern führt die Erstinfektion zu einer bekannten Kinderkrankheit, den Windpocken. Das Virus überlebt aber in bestimmten Nervenzellen und kann bei einer Schwächung des Immunsystems reaktiviert werden. Dann löst es die sehr schmerzhafte Gürtelrose aus.

StichwortEpstein-Barr-Virus: 99 Prozent Durchseuchung. Das Epstein-Barr-Virus verursacht das Pfeiffersche Drüsenfieber. Mit dem Virus infiziert man sich vorwiegend durch Speichel im Jugendalter. Deshalb wird das Drüsenfieber auch "Kuss-Krankheit" genannt.
Nach der Erstinfektion nistet sich  EBV im Erbgut ein. Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie das Virus in sich tragen, da es im Allgemeinen nicht aktiv ist. Von Zeit zu Zeit wird es reaktiviert, jedoch ohne eine auffällige Symptomatik aufzuweisen. Dann werden die Viren mit dem Speichel ausgeschieden. Den Grund für die Reaktivierung kennen die Wissenschaftler noch nicht.

Virenbomben: Die Herpesbläschen

Foto: Virendarsteller in der WDR-Vorhalle
Oft kommt es schon kurz nach der Erstinfektion zu einer Vermehrung der Herpesviren.

Die meisten Herpes-Infektionen finden bereits im Kindesalter statt. Eine Infektion ist fast unvermeidbar, da mehr als zwei Drittel der Bevölkerung das Virus in sich trägt. Sind die Viren erst einmal in die Zellen der Haut und Schleimhaut eingedrungen, vermehren sie sich rasch und lassen Herpesbläschen entstehen. In der Bläschenflüssigkeit schwimmen Abermillionen neuer Viren, die die Infektion auf andere Hautpartien oder andere Menschen weitertragen können. Nach einigen Tagen beginnt die körpereigene Immunabwehr die Herpesviren zu vernichten. Die akute Infektion wird zurückgedrängt und die Bläschen verschwinden.

Verstecken vor der Immunabwehr

Foto: Darsteller der Immunabwehr in Sicherheitsanzügen.
Nach einigen Tagen drängt die Immunabwehr die Herpesviren zurück. Die Bläschen verheilen.

Einige der Herpesviren überstehen die Immunabwehr allerdings. Sie dringen in die Nervenzellen ein. Dort "verstecken" sie ihr Erbgut unsichtbar für die Immunabwehr im Erbgut der Nervenzellen. Ab und zu, vor allem dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, kommen die Herpesviren wieder zum Ausbruch und vermehren sich sehr rasch: Innerhalb weniger Stunden spannt sich die Lippenhaut und die berüchtigten Bläschen sprießen. Als Ursachen für einen erneuten Ausbruch der Herpesviren an der Lippe werden vor allem  UV-Strahlung, Verletzungen an der Lippe, Stress, Menstruation, Zahnbehandlungen und Schwangerschaft genannt.

Los wird man sie nicht, aber …

Foto: Herpes-Virus-Darsteller in schwarz mit Sturmhaube gekleidet.
Antivirale Medikamente verhindern die Virusvermehrung in den Zellen.

Bisher existiert kein Medikament, das die Herpesviren endgültig beseitigt. Aber es gibt eine Reihe von Medikamenten, die die Vermehrung des Virus eindämmen. Frühzeitig eingesetzt können sie sogar die Bläschenbildung verhindern. Der bekannteste Wirkstoff bei der Herpesbehandlung ist Aciclovir. Es gibt mittlerweile über 50 verschiedene Medikamente, die auf diesen Wirkstoff setzen. Bei Lippenherpes wird im Allgemeinen eine Salbe eingesetzt. Die Behandlung ist vor allem deswegen sinnvoll, weil sie die Ansteckungsgefahr verringert.

Herpes-Träger küsst man nicht ...

Bei Lippenbläschen ist Küssen verboten - Ansteckungsgefahr! Wer eine Herpesinfektion vermeiden möchte, sollte den Haut- und Körperkontakt mit Personen meiden, bei denen gerade Herpes ausgebrochen ist. Auch sollte man sorgfältig darauf achten, nicht die gleichen Gläser, Bestecke oder Zahnbürsten zu benutzen.

Stichwörter

1 Zoster
Der Begriff Zoster stammt aus dem Griechischen und bedeutet Gürtel. Zurück zum Absatz
2 Epstein-Barr-Virus
Dieses Virus ist nach den beiden britischen Virologen M.A. Epstein und Y. M. Barr benannt. Es wurde Anfang der 1970er Jahre aus Asien nach Europa eingeschleppt. Zurück zum Absatz
:

Marion Kerstholt und Hilmar Liebsch

Stand: 03.06.2003


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Foto/Grafik: Ranga Yogeshwar im Vordergrund des Bildes. Menschen
mit Atemschutz stehen im Hintergrund

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