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Das Wettrüsten - Impfstoff gegen HIV

  • SendeterminDienstag, 03. Juni 2003, 21.00 - 21.45 Uhr .

Eine Immunschwäche taucht auf

Es ist 1981. In den  USA häufen sich die Fälle des Kaposi-Sarkoms. Das Kaposi-Sarkom ist eine sehr seltene Krebserkrankung, die Haut und Blutgefäße befällt. Auch eine seltene Form der Lungenentzündung tritt häufiger auf als bisher. Von diesen Krankheiten werden fast ausschließlich Menschen betroffen, deren Immunsystem stark geschwächt ist. Die Beobachtungen führen zur Entdeckung der Krankheit AIDS (acquired immune deficiency syndrome), das erworbene Immunschwächesyndrom. Menschen mit Aids erkranken an "opportunistischen Krankheiten", die den Zusammenbruch des Immunsystems ausnutzen. Diese Krankheiten führen schließlich zum Tode.

Ein Virus greift das Immunsystem an

Foto: Skizze Wirkprinzip
Das Prinzip: Spezielle Antikörper sollen das Andocken des HIV an die Zelle verhindern.

Zwei Jahre später - 1983: Virologen in Frankreich und den USA identifizieren den Erreger. Es ist ein Retrovirus, das die Wissenschaftler fortan HIV (humanes Immunschwächevirus) nennen. Es bringt fast 100 Prozent der befallenen Menschen um. Damit könnte es der tödlichste Erreger sein, mit dem es die Menschheit je zu tun hatte. Das Aidsvirus ist deswegen so tödlich, weil es das Verteidigungssystem des Menschen angreift. Aidsviren benötigen die menschlichen Abwehrzellen, um sich zu vermehren. Dabei zerstören sie die Abwehrzellen und damit das Immunsystem.

Die Spur führt in den Dschungel

Mittlerweile gehen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass das HIV aus Zentralafrika stammt. Es hat sich wahrscheinlich aus einem HIV-ähnlichen Virus, der bei Schimpansen vorkommt, entwickelt. Einige Wissenschaftler vermuten, dass das Virus durch den Verzehr von Menschenaffenfleisch auf den Menschen übertragen wurde.

Der Feind ändert sein Gesicht

Das Aidsvirus benötigt viele Reproduktionsschritte, um sich zu vermehren. Dabei kommt es zu unzähligen StichwortMutationen. Man hat festgestellt, dass sich die HIV-Partikel in infizierten Personen zumindest geringfügig von dem Virus unterscheiden, das ursprünglich die Infektion ausgelöst hat. Gerade diese Mutationen machen es dem Immunsystem schwer, das Virus zu bekämpfen.

Die Kombinationstherapie

Die Immunschwäche Aids kann zur Zeit mit einer medikamentösen Therapie in Schach gehalten werden. Die Medikamente zielen darauf, die HIV-Produktion in den Patienten einzudämmen. Das gelingt mit Hilfe einer Kombinationstherapie aus verschiedenen Medikamenten recht gut. Allerdings müssen die Betroffenen oft starke Nebenwirkungen in Kauf nehmen und eine sehr hohe Therapiedisziplin zeigen.

Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen Aids

In der Theorie

Wissenschaftler setzen bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das HIV auf mehrere Strategien. Der Impfstoff kann z. B. aus Bruchstücken der Aidsvirushülle, aus abgetöteten Aidsviren oder aus Teilen des viralen Erbgutes bestehen.

1. Der Impfstoff soll das Immunsystem zur Produktion von speziellen Antikörpern anregen, die verhindern, dass das Virus an den Rezeptor der Immunzellen andocken kann. Es kann also nicht eindringen und sich vermehren.


2. Der Impfstoff führt zur Bildung von Antikörpern, die die Aidsviren markieren, so dass sie von den Fresszellen des Immunsystems erkannt und vernichtet werden.


3. Die durch den Impfstoff produzierten Antikörper legen sich auf diejenigen Rezeptoren der Immunzellen, an die die Aidsviren andocken wollen. Das Virus kann nicht in die Zelle eindringen.

Foto: Skizze Wirkprinzip
Das Prinzip: Dank der Markierungen soll das Immunsystem die Infizierte Zelle erkennen und zerstören.

4. Der Impfstoff sorgt dafür, dass infizierte Zellen spezielle Marker-Eiweiße an der Oberfläche präsentieren. Die Zellen werden so für die Killerzellen des Immunsystems erkennbar und können von ihnen vernichtet werden.

In der Praxis

Die Ergebnisse der ersten groß angelegten Phase-3-Studie eines Impfstoffes wurden am 27. Februar 2003 vorgestellt: "5.417 Freiwillige, alle HIV-nn-Impfstoff negativ und mit erhöhtem Infektionsrisiko, ließen sich für die Studie impfen. Insgesamt siebenmal in 36 Monaten wurden die Probanden zur Spritze gebeten. Das Ergebnis: In der Gruppe der Schwarzen und der Teilnehmer asiatischer Herkunft kam es zu einer Senkung des Infektionsrisikos um 66,8 Prozent. In der Gesamtgruppe der Teilnehmer war das Infektionsrisiko allerdings nicht gesenkt, die Impfung blieb bei der Mehrzahl der Weißen und Hispanier ohne Wirkung." Das Ergebnis der Studie zeigt, wie schwierig die Impfstoffentwicklung ist. Der Impfstoff bestand aus einem Oberflächeneiweiß des HIV.

Verschiedene Virustypen

Grafik: Weltkarte
Die Weltkarte zeigt Regionen mit gleichen HIV-Untertypen. Meist treten in einer farblich gekennzeichneten Region mehrere HIV-Untertypen gleichzeitig auf.

Da das Aidsvirus sehr variabel ist, versagt ein Impfstoff, der nur auf eine Ausformung des Aidsvirus zugeschnitten ist. Zwar unterdrückt er möglicherweise diesen einen Virustyp. Gleichzeitig erhalten die anderen Aidsvirus-Varianten einen Wettbewerbsvorteil, weil sie nicht durch den Impfstoff unterdrückt werden.

Das Beispiel der Studie mit dem VaxGen Impfstoff zeigt noch eine weitere Besonderheit des HIV auf: Die Gruppe der Schwarzen und Asiaten scheint besser auf den Impfstoff anzusprechen. Das hat seinen Grund. Das Aidsvirus ist von Region zu Region anders und je nach Region treten viele unterschiedliche HIV-Varianten auf. Allein südlich der Sahara kommen mindestens neun verschiedene Untertypen des HIV vor! All das muss bei der Entwicklung eines Impfstoffes berücksichtigt werden.

Die Impfstoff-Entwicklung ist langwierig

Bis ein wirksamer Impfstoff entwickelt ist, vergehen in der Regel mehrere Jahre. Selbst wenn der Impfstoff in Labor und Theorie hervorragend funktioniert, muss gewährleistet sein, dass er auch ungefährlich ist. Schließlich werden gesunde Menschen geimpft. Oft sind Theorie und Forschung schon wesentlich weiter als die Impfstoffe, die in den großen Studien erprobt werden. So war den Experten zum Zeitpunkt der Studie schon lange klar, dass der VaxGen nur begrenzten Erfolg haben konnte.

Ein Ausblick

Mittlerweile gehen selbst die optimistischsten Forscher davon aus, dass es in absehbarer Zeit keinen Impfstoff geben wird, der wirksam vor dem Aidsvirus schützt. Sie gehen jedoch davon aus, dass die Kombination mehrerer Ansätze bald einen Impfstoff hervorbringt, der dafür sorgt, dass das Immunsystem das Virus in Schach hält.

Stichwörter

1 Mutationen
Mutationen sind Veränderungen im Erbgut eines Organismus. Einige Mutationen verändern das äussere Erscheinungsbild des Lebewesens. Viren verändern auf diese Weise ihr Aussehen und entgehen dadurch den Angriffen des Immunsystems ihres Wirtes. Zurück zum Absatz
:

Hilmar Liebsch

Stand: 03.06.2003


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