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Quarks & Co
Sendung vom 04. November 2003
Die Evolution der Vitamine
Menschen und Meerschweinchen haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Sie gehören zu der kleinen Gruppe von Lebewesen, die Vitamin C nicht selbst bilden können. Beide müssen diesen Stoff mit der Nahrung aufnehmen. Die meisten anderen Tiere können ihn dagegen selbst bilden. Sind wir also besonders nah mit den Meerschweinen verwandt?
"Vitamine" sind Stoffe, die wir nicht oder nicht in
ausreichender Menge selbst bilden können. Insgesamt gibt es 13
solcher Vitamine. Seit wann der Mensch kein Vitamin C mehr
produzieren kann, ist noch ungeklärt. Eine Mutation hat das
menschliche Erbgut so verändert, dass uns ein bestimmtes Enzym
zur Vitamin-C-Synthese fehlt. Die übrigen Stoffwechselschritte
könnten wir problemlos durchführen.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen der
Nahrung und der Abhängigkeit von bestimmten Vitaminen besteht.
Unsere Vorfahren haben viele Vitamin-C-reiche Früchte
gefressen. Deshalb konnten sich in der Evolution Organismen
durchsetzten, die die Fähigkeit zur Vitamin-Synthese verloren
hatten. Warum allerdings auch das Meerschweinchen kein Vitamin C
synthetisieren kann, ist nicht bekannt. Eine besonders nahe
Verwandtschaft zwischen diesen Nagetieren und dem Menschen gibt es
jedenfalls nicht.
Auch bei anderen Lebewesen vermutet man einen Zusammenhang
zwischen Ernährung und der (Un-)Fähigkeit zur
Vitaminsynthese. Katzen zum Beispiel gelten als ausgesprochene
Fleischfresser. Sie verzehren ihre Beutetiere ganz und gar: samt
Leber, und die enthält sehr viel Vitamin A.
Deshalb müssen Katzen kein Vitamin A aus Beta Carotin
herstellen. Sie nehmen genug Vitamin A mit der Nahrung auf.
Der Mensch, der als Allesfresser weniger Vitamin A aufnimmt, kann
es aus der Vorstufe Beta Carotin bilden. Beta Carotin kommt in
unserer Nahrung reichlich vor, zum Beispiel in verschiedenen
Gemüsesorten.
Einige evolutionär alte Organismen und einfache Organismen wie
Hefen und Bakterien können fast alle Stoffe, die für uns
Menschen lebenswichtige Vitamine sind, selbst synthetisieren. Diese
Fähigkeit ist uns im Laufe der Evolution verloren gegangen. Es
scheint also vorteilhaft zu sein, diese Vitamine mit der Nahrung
aufzunehmen. Sie den Körper selbst herstellen zu lassen,
würde nur zusätzlich Energie verbrauchen.
Das "Outsourcing" der Vitaminproduktion hat
allerdings auch einen Nachteil: Die Abhängigkeit von anderen
Vitaminproduzenten. Wenn diese uns nicht genügend Vitamine
"liefern" bekommen wir Mangelerscheinungen und
schlimmstenfalls schwere Krankheiten wie
Rachitis (Vitamin D Mangel) oder
Skorbut (Vitamin C Mangel).
Um einen Mangel zu vermeiden, benutzt man heute auch Hefen und
Bakterien, um Vitamine für Medikamente und
Nahrungszusätze zu synthetisieren.
Auch manche Tiere benutzen Bakterien zur Vitaminproduktion.
Kühe, Schafe und andere Wiederkäuer zum Beispiel haben
Bakterien im Magen, die Vitamin B12 produzieren. Bei anderen
Tieren, wie dem Kaninchen, leben vitaminproduzierende Bakterien im
Dickdarm. Doch diese Vitamine kann das Tier nicht direkt verwerten:
denn im Dickdarm kann der Körper keine Vitamine mehr
aufnehmen. Die Vitamine werden also ungenutzt ausgeschieden -
deshalb fressen Kaninchen morgens ihren eigenen Kot und nehmen so
Vitamine wieder auf.
Alexandra Hostert
Stand: 04.11.2003
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