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Quarks & Co
Sendung vom 04. November 2003
Entdeckung der Vitamine
Skorbut ist wohl die bekannteste Krankheit,
die durch einen Vitamin-Mangel ausgelöst wird.
Jahrhundertelang wütete der Skorbut vor allem unter Seeleuten
so heftig, dass oft mehr Menschen an Skorbut starben als durch
Waffen. Als im 18. Jahrhundert bekannt wurde, dass Sauerkraut oder
Limetten Skorbut verhindern, erweiterten vor allem die englischen
Seefahrer ihren Reiseproviant damit. Der Zusammenhang zwischen
Zitrusfrüchten, Sauerkraut und Skorbut ist also schon seit
langem bekannt. Doch erst 1928 gelang es dem ungarischen
Biochemiker Albert von Szent-György die Ascorbinsäure
beziehungsweise das Vitamin C aus Zitronensaft zu isolieren.
Auch bei der Entdeckung eines anderen Vitamins spielte eine seltsame Krankheit eine Rolle, die im 19. Jahrhundert in weiten Teilen Asiens umging. Man nannte sie Beriberi. Sie befiel vor allem Menschen, die dicht beisammen wohnten und das gleiche aßen, wie zum Beispiel Soldaten, Gefängnisinsassen oder Krankenhaus-Patienten. Durch Entzündung der Nerven entwickelten die Patienten erst Störungen beim Gehen, dann bildeten sich die Muskeln zurück und im schlimmsten Fall starben sie an Atemstillstand oder Herzschwäche.
Der junge niederländische Arzt Christiaan Eijkman wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit einer Forschergruppe in die holländische Kolonie Indonesien - damals noch Holländisch-Ostindien - entsandt, um die Ursache der Krankheit zu finden. Als Schüler von Robert Koch war er überzeugt davon, dass fast alle Erkrankungen auf eine Infektion mit Bakterien zurückzuführen seien. Aber trotz intensiver Suche fand er kein Bakterium, das er mit der Erkrankung in Zusammenhang bringen konnte. Gegen Bakterien sprach auch, dass selbst strengste Hygienemaßnahmen das Ausbrechen von Beriberi nicht verhindern konnten.
Eines Tages beobachtete Eijkman Hühner im Hof des Hospitals, in dem er arbeitete. Sie zeigten plötzlich ähnliche Symptome wie seine Patienten. Doch bevor er sie richtig untersuchen konnte, wurden sie plötzlich wieder gesund. Als Eijkman dem nachging, stellte er fest, dass vor kurzer Zeit das Hühnerfutter umgestellt worden war. Sie wurden inzwischen mit unbehandeltem Reis direkt vom Feld gefüttert. Vorher hatten sie den gleichen weißen Reis wie die Patientinnen und Patienten im Krankenhaus bekommen. Aber dem neuen Koch war der weiße Reis für das Federvieh zu teuer, er fütterte fortan mit braunem Reis.
Nun begann Eijkman gezielt mit unterschiedlichem Reis zu experimentieren: Er fütterte die Hühner mit unbehandeltem Reis direkt vom Feld, gestampften Reis oder poliertem, weißen Reis aus der industriellen Mühle. Das Ergebnis: Nur die Hühner, die ausschließlich weißen Reis bekamen, wurden krank. Aber mit ungeschältem Reis konnte man sie heilen. Eijkman erkannte, dass der Stoff, der Beriberi verhinderte, in der Reishülle stecken musste. Und tatsächlich: Als er auch seine Patienten mit braunem Reis versorgte, verschwanden die Symptome der Beriberi-Krankheit.
Katrin Buchwalsky, Tanja Winkler
Stand: 04.11.2003
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