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Quarks & Co
Sendung vom 04. November 2003
Demenz und Vitamin B12
Unter den Begriff "Demenz" fallen viele Erkrankungen - die zwei häufigsten sind die Alzheimer-Demenz und die Vaskuläre Demenz. Allen gemeinsam ist das Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten: Das Gedächtnis wird schlechter, Sprachschwierigkeiten tauchen auf und auch zu Persönlichkeitsveränderungen kann es kommen. Nicht zu verwechseln ist eine Demenz mit der langsam nachlassenden Gedächtnisleistung im Alter. Im Anfangsstadium ist beides noch nicht voneinander zu unterscheiden. Doch die Demenz schreitet sehr viel schneller voran und beeinträchtigt das alltägliche Leben, da die Patienten sich nicht mehr allein zurechtfinden.
Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die das Entstehen einer Demenz begünstigen. Sie sind je nach Art der Demenz verschieden. So spielen bei der Alzheimer-Demenz beispielsweise auch die Vererbung oder Alkoholkonsum eine Rolle. Bei der Vaskulären Demenz gelten zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen als bekannte Risikofaktoren. Neuere Studien deuten darauf hin, dass auch ein Mangel an Vitamin B12 die Entstehung einer Demenzerkrankung begünstigen kann.
Einige Menschen haben trotz ausreichender Zufuhr von Vitamin
B12, das zum Beispiel in Leber, Milch und Eiern vorkommt, einen
Mangel an diesem Vitamin. Normalerweise wird es im Magen aus seiner
Verbindung mit dem Nahrungseiweiß herausgelöst. Dann
wird das freie Vitamin B12 an das Protein "intirinsic factor" gebunden,
das in der Magenschleimhaut produziert wird. Dieser Komplex aus
Vitamin und Protein wird vom oberen Dünndarm aufgenommen. Es
gibt aber Menschen, bei denen dieser Vorgang nicht klappt. Dazu
gehören Menschen, die eine
Gastritis haben. Rund 30 % der über
60-jährigen Menschen entwickeln eine Gastritis, ohne es zu
bemerken. Der Säuregehalt im Magen verändert sich dadurch
und das Vitamin B12 kann nicht mehr aus der Verbindung mit dem
Nahrungseiweiß herausgelöst werden.
Vitamin B12 spielt in vielen Stoffwechselprozessen eine Rolle. So auch beim Umbau eines bestimmten Eiweißbausteins. Ist Vitamin B12 nicht in ausreichender Menge vorhanden, reichert sich ein Zwischenprodukt an, das so genannte Homocystein. Dieses Zwischenprodukt schädigt die Wände der Blutgefäße. Über diesen Umweg ist ein Vitamin-B12-Mangel höchst wahrscheinlich ein Risikofaktor für Herz-Kreislaufkrankheiten. Was die Demenz betrifft, geben die bisherigen Studien deutliche Hinweise auf ein erhöhtes Risiko bei Vitamin B12-Mangel. Der endgültige Beweis steht aber noch aus - die derzeit laufenden Studien wollen ihn liefern. Über den Mechanismus, wie Homocystein eine Demenz beeinflussen könnte, sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig. Eine Theorie geht davon aus, dass durch das Homocystein einige Hirnareale nicht mehr richtig durchblutet werden und dadurch die Hirnleistung herabgesetzt wird.
Wenn ein Patient zum Beispiel über beginnende Vergesslichkeit klagt, untersuchen viele Ärzte nicht den Vitamin-B12-Wert. Im großen Blutbild kommt dieser Wert nicht vor. Und selbst, wenn man nach Vitamin B12 sucht, erfasst eine normale Untersuchung lediglich den Vitamin-B12-Gesamtgehalt. Wichtig ist aber nur eine von drei Untereinheiten, aus denen das Vitamin zusammengesetzt wird. Die Menge des so genannten Holotranscobalamin II wird bei der normalen Vitamin-B12-Untersuchung nicht erfasst. Nur einige Forschungslabore in Universitäten oder Krankenhäusern befassen sich damit. Trotzdem kann ein Hausarzt oder eine Hausärztin diese Untersuchung über ein Privatlabor anfordern, das mit größeren Forschungslaboratorien kooperiert. Bis jetzt muss man die Untersuchung selbst bezahlen.
Wenn ein solcher funktioneller Vitamin-B12-Mangel festgestellt worden ist, ist die Therapie sehr einfach: Eine einfache Multivitamintablette enthält das Vitamin in freier Form und der Körper kann es deswegen wieder aufnehmen - trotz Gastritis.
Tanja Winkler
Stand: 04.11.2003
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