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Quarks & Co
Sendung vom 04. November 2003
Die Gesundhalter in Obst und Gemüse
Wenn es um gesunde Ernährung geht, denken viele Konsumenten zuerst an Nahrungsergänzungsmittel und Multivitamintabletten. Dabei sind die Gesundhalter Nr. 1 eindeutig Obst und Gemüse. Untersuchungen zeigen: Wer viel Obst und Gemüse isst, lebt im Vergleich zu einem Obst- und Gemüseverweigerer um einiges gesünder. Das Risiko der Gemüseesser, an schweren Krankheiten zu sterben, ist rund ein Viertel geringer. Die spannende Frage ist nun, welche Inhaltsstoffe die gesund haltende Wirkung für den Menschen erzielen. Hinter dieser Frage stehen natürlich nicht nur akademische Interessen. Mit diesen Stoffen lässt sich auch viel Geld verdienen. Entsprechend intensiv wird geforscht.
Schon lange bemühen sich Forscher herauszufinden, welcher Inhaltsstoff die Gesundheit erhaltende Wirkung hat. Als aussichtsreiche Kandidaten galten zuerst Vitamine. Einige von ihnen haben bei Experimenten im Labor eine Erfolg versprechende Eigenschaft gezeigt: Sie binden reaktionsfreudige Radikale an sich, die im Körper Schaden anrichten könnten. Solche Radikalfänger unter den Vitaminen sind die Vitamine C und E. In aufwändigen Studien haben Wissenschaftler überprüft, ob sich die Ergebnisse im Reagenzglas auch auf den Menschen übertragen lassen.
Die Forscher führten eine so genannte doppelte Blindstudie durch: Eine Gruppe von Tausend oder mehr Versuchspersonen bekam Vitamin-E-Pillen verabreicht. Eine Kontrollgruppe bekam gleich aussehende Pillen, allerdings ohne Wirkstoff. Während des Experimentes, das über einen Zeitraum von mehreren Jahren durchgeführt wurde, wussten weder Versuchspersonen, noch Forscher, wer die echten Vitaminpillen einnahm. Das Ergebnis dieser Studie war überraschend: Bei keinem der allein verabreichten Vitamine konnte ein gesundheitsfördernder Effekt nachgewiesen werden.
Die nächste große Hoffnung der Wissenschaft, die
gesund erhaltenden Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse zu
finden, ruhte auf den Mineralstoffen. In Laborversuchen zeigte
sich, dass es auch unter den Mineralstoffen Radikalfänger
gibt. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Wirkungsweisen. Selen,
Eisen, Zink, Kupfer und Mangan erzielen diese Wirkung zusammen mit
einem Enzym. Darüber hinaus wirkt Selen auch direkt als
Radikalfänger. Aus diesem Grund wird zum Thema Selen intensiv
im Zusammenhang mit der Krebsprävention geforscht.
Doch auch bei den Mineralstoffen verlief der Test am Menschen
enttäuschend. Lediglich Selen zeigte eine geringe positive
Wirkung, die jedoch noch nicht verlässlich bestätigt ist.
Die Ergebnisse sind nur sehr langsam zu gewinnen, weil dafür
viele Personen über mehrere Jahre hinweg zu befragen
sind.
Nachdem einzelne Präparate keine durchschlagende Wirkung
erzielten, setzten die Wissenschaftler auf verschiedene
Kombinationen aus mehreren Mineralstoffen und Vitaminen. Doch auch
bei den Kombinationen ließ sich kein
gesundheitsfördernder Effekt nachweisen.
Daraufhin untersuchten die Forscher Obst und Gemüse auf
weitere Inhaltsstoffe, die für die gesundheitsfördernde
Wirkung verantwortlich sein könnten. Sie entdecken so genannte
sekundäre Pflanzenstoffe. Es soll an die 100.000 solcher
Stoffe geben, die ausschließlich Pflanzen bilden. Im
Unterschied zu den primären Pflanzenstoffen (Kohlenhydrate,
Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe) sind
sekundäre Pflanzenstoffe keine Nährstoffe für den
Menschen. Es sind Stoffe, die beispielsweise eine Pflanze
färben, oder Schädlinge abschrecken; oder Tiere anlocken,
sie zu fressen und ihre Samen zu verbreiten. Sie können in der
Pflanze auch als Hormone wirken. Die Wissenschaftler gehen auf
Grundlage bisher durchgeführter Untersuchungen im Labor davon
aus, dass sekundäre Pflanzenstoffe im menschlichen Körper
eine Vielzahl von Schutzfunktionen ausüben. Sie sollen als
Radikalfänger zur Stärkung des Immunsystem beitragen,
Krankheitserreger abtöten und vieles mehr.
Der positive Effekt auf die Gesundheit ist aber auch bei den
sekundären Pflanzenstoffen im Einzelnen schwer nachzuweisen.
Am Menschen wurde bisher vor allem die Wirkung von Beta-Carotin
untersucht. Aber auch diese Substanz allein zeigte keine
gesundheitsfördernde Wirkung. Es ist offenbar die Vielzahl der
wirksamen Substanzen, die das Geheimnis der Pflanzen ausmacht. Aus
diesem Grund ist es wenig wahrscheinlich, dass eine echte
Wunderpille entwickelt werden kann, die Obst und Gemüse in
ihrer gesundheitsfördernden Wirkung ersetzt. Da bleibt nur die
Empfehlung auf das Original zurückzugreifen und nicht auf
künstliche Substanzen, die bislang mehr versprechen, als sie
halten können.
Reinhart Brüning
Stand: 04.11.2003
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