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Quarks & Co
Sendung vom 10. Februar 2004
Trinken für die Wissenschaft - Ranga im Selbstversuch
Jeder weiß: von wenig Alkohol bekommt man einen kleinen Schwips, von viel Alkohol einen ordentlichen Rausch. Wir wollten es aber genauer wissen. In einem kontrollierten Versuch ließen wir eine Testperson mehrere Gläser Rotwein trinken. Mit Hilfe verschiedener Tests haben wir dann beobachtet, wie sich die steigenden Promillewerte auf den Zustand des Probanden auswirkten. Unsere Testperson? Kein geringerer als Ranga selbst.
Geprüft haben wir dabei Rangas Feinmotorik, sein Aufmerksamkeitsvermögen, sein Gleichgewichtssystem und seine Augenbewegungen, d.h. die Zeit die seine Augen nach mehrfacher Drehungen um die eigene Achse benötigten, um sich wieder auf einen Punkt fixieren zu können.
Nach dem ersten viertel Liter Rotwein (13 Volumen-%) hatte Ranga bereits 0,23 Promille im Blut. Erstaunlicher Weise waren seine Testleistungen auf den ersten Blick nicht schlechter als in nüchternem Zustand, sondern eher sogar ein wenig besser. Ein Blick auf Rangas Pulsfrequenz löste schließlich das Rätsel. Sie stieg, im Gegensatz zum nüchternen Durchlauf, während der Tests kontinuierlich an. Ein deutliches Zeichen, dass sich Ranga mit der Zeit immer mehr anstrengen musste um die gleiche Leistung zu erbringen.
Ein typischer Effekt bis rund 0,3 Promille: bei entsprechender Motivation können die Auswirkungen des Alkohols durch stärkere Konzentration zumindest teilweise kompensiert werden. Eine Ausnahme ist die Augenbewegung, denn die lässt sich nicht willentlich beeinflussen. Tatsächlich verlängerte sich der Zeitraum bis Rangas Augen wieder einen Punkt fixieren konnten von 5 auf 7 Sekunden.
Einen Viertel Liter Rotwein später hatte die enthemmende
Wirkung des Alkohols voll durchgeschlagen. Ranga, mit inzwischen
0,61 Promille im Blut, war bester Laune und überzeugt davon
alle Tests noch mit guten Leistungen zu meistern. Die
Messergebnisse zeigten dagegen überall deutliche
Abstriche.
Diese Selbstüberschätzung ist eine typische Wirkung des
Alkohols: er vermindert unsere Fähigkeit zur realistischen
Selbsteinschätzung. Wir sind in dieser Phase der Meinung noch
alles im Griff zu haben, zum Beispiel noch problemlos Autofahren zu
können. Tatsächlich ist jedoch die Gefahr sehr
groß, dass wir auf eine unvorhergesehene Situation falsch
reagieren.
Nach insgesamt einer Flasche Rotwein und bei einem Promillewert von 0,99 spürte Ranga deutlich die Auswirkungen des Alkohols. Besonders schwer fiel es ihm, sein Gleichgewicht zu halten. Wer kennt das nicht?
Eben noch bester Dinge, schlug kurz nach dem letzten
Testdurchlauf Rangas Stimmung um. Entsprechend der hohen
Konzentration im Körper, entfaltete der Alkohol nun seine
betäubende Wirkung. Obwohl Ranga fast sofort einschlief und
ungewöhnlich selten aufwachte, war die Nacht für ihn nur
wenig erholsam. Der Grund: er hat nicht geträumt. Die
wichtigen so genannten
REM-Schlaf-Phasen wurden zu Gunsten eines
oberflächlichen Schlafes unterdrückt. Außerdem
hatte er am frühen Morgen immer noch eine Alkoholkonzentration
von 0,5 Promille im Blut.
In der Nacht, aber auch schon während des Trinkens am Abend, begann Rangas Körper den Alkohol abzubauen. Normalerweise liegt diese Eliminationsrate zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde. Bei Ranga war sie mit 0,1 Promille pro Stunde verhältnismäßig niedrig.
Mehr über den Alkoholabbau in der Leber erfahren sie hier
Ulrich Grünewald
Stand: 10.02.2004
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