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Trinken für die Wissenschaft - Ranga im Selbstversuch

  • SendeterminDienstag, 10. Februar 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Foto: Ranga Yogeshwar mit einem Glas Wein in der Hand
Ranga im Selbstversuch

Jeder weiß: von wenig Alkohol bekommt man einen kleinen Schwips, von viel Alkohol einen ordentlichen Rausch. Wir wollten es aber genauer wissen.  In einem kontrollierten Versuch ließen wir eine Testperson mehrere Gläser Rotwein trinken. Mit Hilfe verschiedener Tests haben wir dann beobachtet, wie sich die steigenden Promillewerte auf den Zustand des Probanden auswirkten. Unsere Testperson? Kein geringerer als Ranga selbst.

Grafik: Balkendiagramm zur Feinmotorik
Balkendiagramm zur Feinmotorik

Geprüft haben wir dabei Rangas Feinmotorik, sein Aufmerksamkeitsvermögen, sein Gleichgewichtssystem und seine Augenbewegungen, d.h. die Zeit die seine Augen nach mehrfacher Drehungen um die eigene Achse benötigten, um sich wieder auf einen Punkt fixieren zu können.

Grafik: Balkendiagramm zur Aufmerksamkeit
Balkendiagramm Aufmerksamkeit
Grafik: Balkendiagramm zum Gleichgewicht
Balkendiagramm Gleichgewicht

Phase 1: Kompensation

Foto: Herzspannungskurve auf einem EKG-Monior
Rangas Puls verrät seine Anstrengung

Nach dem ersten viertel Liter Rotwein (13 Volumen-%) hatte Ranga bereits 0,23 Promille im Blut. Erstaunlicher Weise waren seine Testleistungen auf den ersten Blick nicht schlechter als in nüchternem Zustand, sondern eher sogar ein wenig besser. Ein Blick auf Rangas Pulsfrequenz löste schließlich das Rätsel. Sie stieg, im Gegensatz zum nüchternen Durchlauf, während der Tests kontinuierlich an. Ein deutliches Zeichen, dass sich Ranga mit der Zeit immer mehr anstrengen musste um die gleiche Leistung zu erbringen.

Foto: Balkendiagramm zu den Augenbewegung
Rangas Augenbewegungen: längere Zeiten lassen auf mehr Promille schließen

Ein typischer Effekt bis rund 0,3 Promille: bei entsprechender Motivation können die Auswirkungen des Alkohols durch stärkere Konzentration zumindest teilweise kompensiert werden. Eine Ausnahme ist die Augenbewegung, denn die lässt sich nicht willentlich beeinflussen. Tatsächlich verlängerte sich der Zeitraum bis Rangas Augen wieder einen Punkt fixieren konnten von 5 auf 7 Sekunden.

Phase 2: Selbstüberschätzung

Foto: Ranga Yogeshwar stützt seinen Kopf auf seiner Hand
Rangas Konzentration bei 0,61 Promille

Einen Viertel Liter Rotwein später hatte die enthemmende Wirkung des Alkohols voll durchgeschlagen. Ranga, mit inzwischen 0,61 Promille im Blut, war bester Laune und überzeugt davon alle Tests noch mit guten Leistungen zu meistern. Die Messergebnisse zeigten dagegen überall deutliche Abstriche.

Diese Selbstüberschätzung ist eine typische Wirkung des Alkohols: er vermindert unsere Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung. Wir sind in dieser Phase der Meinung noch alles im Griff zu haben, zum Beispiel noch problemlos Autofahren zu können. Tatsächlich ist jedoch die Gefahr sehr groß, dass wir auf eine unvorhergesehene Situation falsch reagieren.

Phase 3: Ausfälle

Foto: Ranga Yogeshwar mit ausgestreckten Armen versucht das
Gleichgewicht zu halten
Ranga verliert das Gleichgewicht

Nach insgesamt einer Flasche Rotwein und bei einem Promillewert von 0,99 spürte Ranga deutlich die Auswirkungen des Alkohols. Besonders schwer fiel es ihm, sein Gleichgewicht zu halten. Wer kennt das nicht?

Phase 4: Müdigkeit und Schlaf

Foto/Grafik: Eine Nachtsichtanicht von Ranga Yogeshwar beim
schlafen bei der unten seine Schlafkurven angezeigt sind
Rangas Schlafkurve zeigt, wie tief er in der Nacht geschlafen hat

Eben noch bester Dinge, schlug kurz nach dem letzten Testdurchlauf Rangas Stimmung um. Entsprechend der hohen Konzentration im Körper, entfaltete der Alkohol nun seine betäubende Wirkung. Obwohl Ranga fast sofort einschlief und ungewöhnlich selten aufwachte, war die Nacht für ihn nur wenig erholsam. Der Grund: er hat nicht geträumt. Die wichtigen so genannten StichwortREM-Schlaf-Phasen wurden zu Gunsten eines oberflächlichen Schlafes unterdrückt. Außerdem hatte er am frühen Morgen immer noch eine Alkoholkonzentration von 0,5 Promille im Blut.

Der Alkoholabbau

Grafik: Computeranimierte Enzymen beim Abbau von den
Alkoholmoleküle
Der Alkohol wird in mehreren Schritten abgebaut.

In der Nacht, aber auch schon während des Trinkens am Abend, begann Rangas Körper den Alkohol abzubauen. Normalerweise liegt diese Eliminationsrate zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde. Bei Ranga war sie mit 0,1 Promille pro Stunde verhältnismäßig niedrig.

Mehr über den Alkoholabbau in der Leber erfahren sie hier

Stichwörter

1 REM-Schlaf
REM  steht für rapid-eye-movements, "schnelle Augenbewegungen".Der REM-Schlaf ist eine Schlafphase, die durch schnelle Augenbewegungen und erhöhte vegetative Aktivität gekennzeichnet ist. Dabei haben wir gefühlsbetonte Träume und eine erhöhte Atmungs- und Herzfrequenz. Die lebhafte REM-Phase wird durch die Non-REM-Phase, den Tiefschlaf, abgelöst. Zurück zum Absatz
Autor:

Ulrich Grünewald

Stand: 10.02.2004


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