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Wie wirkt Alkohol im Gehirn?

  • SendeterminDienstag, 10. Februar 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Vom Kichern zum Blackout

Bis der Alkohol über den Magen und die Blutbahn im Gehirn ankommt, dauert es etwa zwei Minuten. Er verteilt sich überall und beeinflusst fast alle StichwortTransmittersysteme gleichzeitig. Die Alkoholmoleküle binden sich an viele verschiedene Rezeptoren und verändern die Impulsübertragung zwischen den Nervenzellen. Im Gehirn gibt es aktivierende und hemmende Regulationssysteme. Alkohol verzerrt das natürliche Gleichgewicht von Aktivität und Dämpfung im Gehirn zugunsten der Dämpfung. Je mehr Alkohol in den Körper gelangt, desto stärker wirkt sich diese Dämpfung aus. Alle Gehirnleistungen nehmen kontinuierlich ab.

Glücksrausch nach dem ersten Schluck

Grafik: Ein computeranimiertes Bild vom Gehirn bei dem man sieht
wie Botenstoffe an einer Synapse ausgeschüttet werden
Durch Alkohol werden verstärkt Botenstoffe freigesetzt, die unter anderem Glücksgefühle hervorrufen

Alkohol wirkt bereits in kleinsten Dosen auf das Gehirn. Allerdings kann bei jedem von uns Alkohol heute anders wirken als morgen. Das Ausmaß und die körperlichen Symptome des Rauschs hängen stark mit unserem körperlichen und seelischen Zustand vor dem ersten Schluck zusammen. Trotzdem gibt es bei vielen ähnliche Verhaltensänderungen. Zum Beispiel verstärkter Tatendrang, gesteigerte Redseligkeit und Glücksgefühle. Kein Wunder: Alkohol setzt unter anderem jene Botenstoffe verstärkt frei, die zum Belohnungssystem gehören – vor allem Dopamin, Serotonin und Endorphine.

Alkohol als kognitive Bremse

Grafik: Ein computeranimiertes Bild vom Gehirn bei dem man sieht
wie Ethanolmoleküle Glutamatrezeptoren besetzen
Weil Alkohol das Glutamatsystem beeinflusst, werden die Aktivitäten im Gehirn eingeschränkt

Die Ausschüttung der Botenstoffe im Belohnungssystem wird irgendwann gehemmt – so wie alle Gehirnaktivitäten mit zunehmender Alkoholmenge. Verantwortlich für diese Hemmung ist der Einfluss des Alkohols auf zwei Transmittersysteme, die das natürliche Gleichgewicht von Aktivität und Dämpfung im Gehirn steuern. Alkohol bringt dieses Gleichgewicht durcheinander – am Ende setzt sich die dämpfende Wirkung durch. Das eine Transmittersystem, das unter Einfluss gerät, ist das Glutamat-System. Es ist für die Aktivität im Gehirn zuständig. Binden sich Alkoholmoleküle an Glutamatrezeptoren, wird diese Aktivität gebremst. Die Nervenimpulse nehmen ab.

Grafik: Ein computeranimiertes Bild vom Gehirn bei dem man sieht
wie Ethanolmoleküle Gabarezeptoren besetzen
Der Alkohol stärkt die hemmende Wirkung des GABA-Systems

Das zweite Transmittersystem, das durch Alkohol beeinflusst wird, ist das GABA-System. GABA-Moleküle dämpfen die Gehirnaktivität. Docken Alkoholmoleküle an den GABA-Rezeptoren an, nimmt diese Dämpfung noch zu.

Das wirkt, zusammen mit der Hemmung des Glutamat-Systems, wie eine Bremse für die Abläufe im Gehirn.

Auswirkungen auf das Verhalten

Von den beschriebenen Einflüssen auf das Gehirn sind fast alle Körperfunktionen betroffen. Die häufigsten beobachteten Symptome, die je nach Person und Tagesform unterschiedlich schnell und intensiv auftreten können, sind:

- Enthemmung

- Steigerung der Redseligkeit

- Einschränkung des Sehfeldes und Probleme bei der Entfernungseinschätzung, Gesichtsfeld ist eingeengt

- Reaktion lässt nach, insbesondere auf rote Signale

- Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen

- Sprachstörungen, lallende Aussprache

- Steigende Risikobereitschaft und Aggressivität

- Enthemmter Gedankenfluss, zusammenhanglose Gespräche

- Abnehmende Merkfähigkeit, bei besonders viel Alkohol Blackout

Stichwörter

1 Transmittersysteme
An den synaptischen Enden der Nervenzellen werden Substanzen gebildet, die dafür verantwortlich sind, die Übertragung eines Reizes zu steuern. Diese Substanzen nennt man Neurotransmitter. Alle Neurotransmitter, die für die Weiterleitung eines bestimmten Reizes zuständig sind, bilden zusammen ein Transmittersystem. Die Wirkung vieler Gifte und Drogen, wie auch von Alkohol, beruht darauf diese Transmittersysteme zu stören. Zurück zum Absatz
Autor:

Ilka aus der Mark

Stand: 10.02.2004


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