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Alkohol in der Schwangerschaft

  • SendeterminDienstag, 10. Februar 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Gefahr im Mutterleib

Foto: Embryo in Fruchtblase
Schon kleine Mengen Alkohol können eine Gefahr darstellen

In der Schwangerschaft ist das ungeborene Kind vor vielen Gefahren im Bauch der Mutter geschützt. Aber über die Blutbahn können neben den vielen lebenswichtigen Substanzen auch Giftstoffe in das Blut des Embryos gelangen.

Diese führen dort oftmals zu Entwicklungsstörungen. Solche Substanzen, die Missbildungen verursachen, nennen Wissenschaftler StichwortTeratogene.

Ein bekanntes Teratogen ist Thalidomid – der Wirkstoff des Schlafmittels Contergan. In den 50er und 60er Jahren erlitten Tausende von Kindern durch Contergan schwere Missbildungen. Contergan ist deshalb seitdem verboten.

Ein gefährliches Teratogen: Alkohol

Foto: Embryo im Mutterleib
Der Embryo kann sich gegen den Alkohol noch nicht wehren

Der Konsum eines der gefährlichsten Teratogene ist rund um den Globus selbstverständlich: Alkohol ist die Droge, die am häufigsten zu Missbildungen während der Schwangerschaft führt, häufiger als Medikamente, andere harte Drogen oder Nikotin.

Starker Alkoholkonsum während der Schwangerschaft führt zu Gehirnschäden beim Embryo. Zudem löst er schwere Wachstumsstörungen aus. Die Neugeborenen sind viel zu klein. Ihr Kopf ist besonders stark betroffen.

Als Kinder können sie später in der Schule oftmals dem normalen Unterricht nicht folgen. Meistens sind neben Konzentrationsschwierigkeiten auch Sprach- und Rechenprobleme die Ursache. Häufig stellen Experten einen unterdurchschnittlichen  IQ  fest und beobachten auch Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität.

Dem Alkohol schutzlos ausgeliefert

Entscheidend für den Alkohol-Abbau im menschlichen Körper ist ein Enzym: die Alkohol-Dehydrogenase. Dieses Enzym arbeitet bei Embryonen aber, verglichen mit einem Erwachsenen, nur mit einer Leistung von vier Prozent. Ihre Leber wächst erst heran. Die Embryonen sind dem Alkohol im Mutterleib daher hilflos ausgeliefert.  Die Leber kann das Alkohol-Molekül nur teilweise abbauen. Die Alkoholmoleküle bewegen sich somit unabgebaut durch den Körper des Kindes und stören die gesunde Entwicklung. Der Alkohol beeinflusst die normale Teilung der Zellen und verhindert dadurch das gesunde Wachstum des Embryos im Mutterleib.

Besonders betroffen von dieser fehlerhaften Zellteilung ist das Gehirn. Es ist das größte Organ des zentralen Nervensystems. Alkohol stört einerseits das Wachstum der Nervenzellen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel unterbindet er zusätzlich auch ihre Vernetzung untereinander. Wissenschaftliche Studien geben Hinweise darauf, dass unvernetzte Hirnzellen absterben und sich so die Größe des embryonalen Gehirns verringert.

Eine unkritische Menge gibt es nicht

Foto: Nahaufnahme von einem Embryokpf
Alkohol hemmt das Wachstum des Embryos

Allein in Deutschland kommen jährlich 2200 Kinder mit Entwicklungsstörungen durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft zur Welt. Oft sind ihre Mütter Alkoholikerinnen. Die Dunkelziffer liegt viel höher, denn auch der Konsum kleinerer Mengen Alkohols kann zu Fehlentwicklungen des Foetus führen. Auch während der Stillzeit bleibt Alkohol gefährlich. Denn er gelangt über die Blutbahn in die Muttermilch. Das Baby trinkt also mit.

Dennoch: Nicht eine einzige Flasche Alkohol muss in Deutschland mit einer Warnung gekennzeichnet werden.

Stichwörter

1 Teratogene
Als Teratogene werden Substanzen bezeichnet, die während der Schwangerschaft Fehlbildungen beim ungeborenen Kind erzeugen können. Dazu gehören zum Beispiel chemische Verbindungen wie bestimmte Arzneimittel, Infektionen ( z. B. Röteln) oder physikalischen Faktoren (z. B. Röntgenstrahlen). Auch Alkohol hat in entsprechender Menge und Kontinuität negative Auswirkungen auf das Ungeborene. Zurück zum Absatz
:

Marion Kerstholt

Stand: 10.02.2004


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