Wie viel Alkohol ist gesund?
- Dienstag, 10. Februar 2004, 21.00 - 21.45 Uhr
Länger leben mit Alkohol?
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Alkohol kann das Herz schützen. Aber in welcher Dosis?
Bei ganz alten Menschen gehört es zur Legende: Das regelmäßige Gläschen Wein wird gern als das Geheimnis für langes Leben zitiert. Queen Mum wurde 101 – vielleicht gerade weil sie gerne einen oder auch mehrere Gin gebechert hat? Tatsächlich zeigen Statistiken, dass Menschen, die "mäßig" Alkohol konsumieren, eine höhere Lebenserwartung haben als Menschen, die gar keinen Alkohol trinken. Und schon in den 20er Jahren war Pathologen aufgefallen, dass die Blutgefäße von starken Trinkern, die an Leberzirrhose gestorben waren, auffallend saubere Innenwände aufwiesen – ein Indiz dafür, dass Alkohol das Blut besser fließen lässt. Mittlerweile hat eine Vielzahl von Studien belegt, dass Alkohol einen günstigen Einfluss auf die Blutgefäße hat. Er erhöht die Werte für das "gute" HDL-Cholesterin, das dafür sorgt, dass sich weniger "schlechtes", also LDL-Cholesterin an den Gefäßwänden ablagert und die Gefäße verstopft. Alkohol sorgt auch dafür, dass das Blut nicht so schnell gerinnt. Das Risiko einer Herzerkrankung und eines Herzinfarktes kann so fast um ein Drittel gesenkt werden.
Die schlechte Nachricht: Horrorszenario von Gefahren
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Im ganzen Körper hinterlässt der Dauerkonsum von Alkohol seine Spuren
Die Wirkungen des Alkohols beschränken sich bei regelmäßigem Konsum leider nicht auf den Schutz vor Herzerkrankungen. Die Spätfolgen des Dauerkonsums sind am ganzen Körper ablesbar. Da ist natürlich die Leber in Gefahr: Schon bei 40 - 60 Gramm Alkohol täglich (4 - 6 Gläser (0,125 l ) Wein oder (0,25 l) Bier) ist das Risiko für eine Leberzirrhose sechsmal höher als bei Abstinenzler, bei der doppelten Menge steigt es schon auf das 14fache – und das sind nur die Werte für Männer. Bei Frauen treten diese Folgen schon bei der Hälfte des Konsums ein. Auch auf dem Weg vom Mund in den Magen hinterlässt der Alkohol Spuren: Forscher haben ausgerechnet, dass das Risiko für Mundhöhlen- und Kehlkopfkrebs bei einem Konsum von 75 bis 100 Gramm täglich auf das 13fache ansteigt. Die Schleimhäute in Magen und Dünndarm entzünden sich durch den Alkohol und werden geradezu perforiert. Das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse steigt schon bei einem Konsum von 20 Gramm täglich. Auch dem Gehirn bekommt der Alkohol nicht gut. Bei jedem Besäufnis sterben Millionen von Gehirnzellen unwiederbringlich ab. Bei starken Trinkern können Pathologen deutlich erkennen, wie stark das Gehirn geschrumpft ist. Nerven und Muskeln nehmen erheblichen Schaden, und auch die Zeugungsfähigkeit lässt nach: Schon bei 40 Gramm am Tag wird die Spermienproduktion reduziert, bei höheren Dosen wird sie komplett eingestellt und die Hoden schrumpfen. Diese Liste ließe sich fast endlos fortsetzen – es gibt kaum ein Organ, das durch den Alkoholgenuss nicht geschädigt würde.
Alkohol als Medizin?
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Sollte vor den Gefahren des Alkohols gewarnt werden?
Wer also mit Alkohol dem Herzinfarkt vorbeugen möchte, sollte sich bewusst sein, dass er damit ein Risiko für andere Erkrankungen auf sich nimmt. Vor allem das Risiko für Krebserkrankungen in Mund, Speiseröhre und Darm ist schon bei 10 Gramm täglich höher als bei Nichttrinkern. Das Risiko steigt natürlich mit der konsumierten Menge drastisch an – und das betrifft nur die direkten Organschäden. Alkoholbedingte Unfälle oder die Entwicklung einer Abhängigkeit bilden eine zusätzliche Gefährdung. Experten sind sich deshalb nicht ganz einig darüber, welche Alkoholmenge denn als "risikoarm" gelten soll. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt eine Obergrenze von 30 Gramm täglich für Männer und 20 Gramm für Frauen; die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hält diese Werte jedoch für zu hoch. In der Fachdiskussion sind 10 bis 12 Gramm für Frauen und 20 bis 24 Gramm für Männer bei täglichem Konsum. Noch mal zur Erinnerung: Zehn Gramm Alkohol sind entweder 1/8 Liter Wein oder 1/4 Liter Bier. Zwei alkoholfreie Tage jede Woche sollten zusätzlich eingelegt werden. Und die Einschränkung: Diese Werte gelten natürlich nur für völlig gesunde Menschen über 21 Jahren. Menschen mit Leberkrankheiten oder genetischen Risiken für Brust- oder Eierstockkrebs, Schwangere und Alkoholkranke sollten grundsätzlich keinen Alkohol trinken.
: Martin Rosenberg
Stand: 10.02.2004
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