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Quarks & Co
Sendung vom 30. März 2004
Wie sich der Körper gegen Schmerzen schützt
Vom ersten Signal an versucht das Gehirn, den Schmerzreiz zu kontrollieren. Es schützt sich vor unwichtigem "Datenmüll", den ungefährliche Stöße oder Berührungen auslösen.
Die wichtigsten körpereigenen Schmerzmittel sind die "endogenen (im Körper entstehenden) Opiate", Enkephaline und Endorphine. Sie machen Nervenzellen im Rückenmark unempfindlicher, und im Gehirn hemmen sie die Wahrnehmung des Schmerzes.
Diese inneren Opiate, andere hemmende Stoffe wie GABA (Gamma-Aminobuttersäure) sowie absteigende Bahnen mit Serotonin und Noradrenalin unterdrücken zusammen mit dem vernünftigen und beurteilenden Teil des Gehirns das qualvolle Gefühl.
Sobald das Gehirn alle nötigen Schmerzdaten hat, verliert der Schmerz seinen Sinn und verschwindet...wenn alles normal verläuft.
Tatsächlich: Das Schmerzempfinden der Menschen ist
unterschiedlich. Das liegt wie so oft an den Genen. Im Erbgut steht
geschrieben, wie viel körpereigene Opiate in unseren Adern
fließen und uns vor Schmerz schützen. Je mehr, desto
besser.
(Val-Val): Das entscheidende Gen gibt es in drei Varianten. Die
sogenannte Valin-Valin-Variante sorgt für einen hohen
Opiatspiegel
(Val-Met): Bei der Mischvariante liegen Opiatspiegel und Schmerzempfindlichkeit in der Mitte
Aber auch Schmerzerlebnisse in der Kindheit beeinflussen unsere
Schmerzempfindlichkeit. Müssen Babys und Kinder lange Zeit
starke Schmerzen erleiden, kann sie das ihr Leben lang sensibler
für Schmerzen machen.
Schmerz kann Leben retten. Endloses Ziehen, Stechen und Pulsieren bedeuten Leid. Sinnloses Leid, wie man heute weiß. Millionen Deutsche klagen mehr als 15 Tage im Monat über Schmerzen, viele mehr als 6 Monate hintereinander. Bei ihnen ist der Schmerz chronisch und zu einer eigenständigen Krankheit geworden. Sie stecken in einer Schmerzspirale, die ihr Leben bestimmt, ihre Persönlichkeit verändert.
Man schätzt, dass sich in Deutschland wegen andauernder
Schmerzen etwa 3000 Menschen pro Jahr das Leben nehmen.
Bei der Entwicklung eines chronischen Schmerzes kommt es im
Körper zu einer Veränderung: Die Nervenbahnen werden
überempfindlich und leiten banale Reize genauso weiter, wie
gefährliche. Das Ergebnis: Man hat Schmerzen, obwohl die
Schmerzursache längst verschwunden und man unverletzt ist.
Wenn man Pech hat, ein Leben lang.
Stand: 30.03.2004
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