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Sendung vom 30. März 2004
Das richtige Medikament bei schwachen bis mittelstarken Schmerzen
Fast Dreiviertel aller verkauften Schmerzmittelpackungen werden
ohne Rezept gekauft. Bei den freiverkäuflichen Schmerzmitteln
sind es sogar 90 Prozent der Packungen.
Wir konzentrieren uns auf nicht verschreibungspflichtige
Wirkstoffe. Bei den Medikamenten, die Sie nur mit Rezept bekommen,
fragen Sie auf alle Fälle immer Ihren Arzt nach individuellen
Risiken und eventuellen Wechsel- und Nebenwirkungen.
Stiftung Warentest hat im Februar 2004 die Apothekenberatung
getestet. Leider mit einem sehr bedenklichen Ergebnis. Zwar wurde
nicht nach Schmerzmitteln gefragt, doch in mehr als der Hälfte
der Apotheken wurden die Testkäufer bei ihrer Frage nach
Abführmittel und Schnupfenmittel nicht richtig beraten.
Besonders fragwürdig erscheinen Methoden, die eine aktuelle
Gesetzänderung ermöglicht hat. Seit Anfang des Jahres ist
die Preisbindung für nicht verschreibungspflichtige
Medikamente weggefallen. Einige Apotheken locken nun ihre Kunden
mit Schnäppchenpreisen und Happy Hour auch für
Schmerzmittel. Sie bieten beispielsweise das
Kombinationspräparat Thomapyrin – Stiftung Warentest
urteilte: "nicht geeignet" ("Handbuch
Selbstmedikation") – ein paar Cent billiger an.
Der Klassiker. Als "Aspirin" seit über 100 Jahren
im Handel, als Salicylsäure aus Weidenbäumen seit
tausenden von Jahren therapeutisch eingesetzt. ASS lindert
Schmerzen, senkt Fieber und hemmt Entzündungen.
ASS ist ein gutes Beispiel dafür, warum es keine Wirkung ohne
Nebenwirkung geben kann. Denn ASS verhindert die Bildung von
Prostaglandinen. Diese Botenstoffe kommen im gesamten Körper
vor.
Sie machen Schmerzrezeptoren empfindlicher, lassen Fieber
ansteigen, fördern die Bildung von Magenschleim, regen die
Wehen an, erweitern die Bronchien. Hemmt man sie –
z. B. mit ASS –
geht mit den Schmerzen auch ein Teil der schützenden
Magenschleimhaut verloren und die Bronchien können sich
übermäßig zusammenziehen.
Wie bei jedem anderen Arzneimittel gilt: Nutzen und Risiko
müssen abgewogen werden. Wer einen stabilen Magen und kein
Asthma hat und nicht schwanger ist, kann es mit ASS
versuchen.
Geeignet ist die klassische Tablette, gut funktioniert eine
Brausetablette. Die wird besonders schnell aufgenommen, weil der
Wirkstoff fein verteilt ankommt, und man trinkt automatisch
ausreichend. Das schützt aber nicht vor dem Risiko von
Magen-Darm-Blutungen, Patienten mit bekannten Magenbeschwerden
sollten deshalb ASS meiden.
ASS wirkt außerdem Blut verdünnend. Deshalb etwa eine
Woche vor einer Operation und auch bei Zahnschmerzen keine ASS
einnehmen.
Kinder dürfen auf keinen Fall ASS einnehmen. Es droht das Reye-Syndrom. Eine sehr seltene, aber leider oft tödliche Nebenwirkung unbekannter Ursache.
1. Je mehr Wasser eine Schmerztablette begleitet, desto weniger
wird die Magenschleimhaut durch die Säure
geschädigt.
2. Für jeden Arzneistoff gilt: Je besser aufgelöst, desto
schneller im Blut und damit am Wirkort.
3. Bei einigen Kopfschmerzformen reicht bereits ein großes
Glas Wasser, und sie sind verschwunden.
Diese Substanzen wirken ähnlich wie ASS, also gegen
Schmerzen, Entzündungen und Fieber. Sie sind alle so genannte
NSAIDs (englisch: nichtsteroidale Antiphlogistika/-rheumatika).
Auch sie hemmen die Synthese der Prostaglandine und führen so
zu ähnlichen Nebenwirkungen. Anscheinend sind die
Nebenwirkungen auf Magen und Bronchien etwas weniger
ausgeprägt, als bei ASS. Es gelten aber grundsätzlich
dieselben Risiken. Bei empfindlichen Patienten kann auch die
Anwendung von Salben mit diesen Medikamenten zu Nebenwirkungen
führen.
Für Kinder ist Ibuprofensaft heute Mittel der Wahl gegen
Schmerzen und Entzündungen.
Ibuprofen, Diclofenac, Ketoprofen und Naproxen sind in höherer
Dosierung verschreibungspflichtig, wie eine Vielzahl anderer
NSAIDs.
Wenn Ihre Nieren vorgeschädigt sind, sollten Sie auf NSAIDs verzichten. Der Prostaglandin"mangel" verschlechtert die Nierenfunktion.
1. Die Selbstbehandlung sollte nicht länger als 3 Tage
hintereinander und nicht mehr als 10 Tage im Monat dauern. Dann
lieber zum Arzt gehen, um die Schmerzursache zu klären.
2. Die Dosierung ist wichtig, beachten Sie die Empfehlungen. Denn
zu viel kann zu Vergiftungserscheinungen oder starken
Nebenwirkungen führen. Kommt man nicht klar oder hat weiter
Schmerzen, lieber zum Arzt gehen.
Anders als bei den NSAIDs ist bis heute nicht sicher, wie Paracetamol wirkt. Es hat nur geringen Nutzen gegen Entzündungen. Paracetamol wirkt auch auf die zentrale Steuerung der Temperatur und damit fiebersenkend. Allerdings belastet Paracetamol die Leber. Bei Kater-Kopfschmerz ist es daher nicht geeignet.
Und immer wieder tauchen vermeintlich neue Schmerzmittel auf dem Markt auf. Gegen Grippe, Migräne oder Regelschmerzen. Brausetablette, Granulat oder Dragee. Ein genauerer Blick auf die Verpackung zeigt: Die Inhaltsstoffe sind immer die gleichen, alt bekannten. In Dolormin Migräne steckt genau der gleiche Wirkstoff wie in Pfeil Zahnschmerztabletten oder in Dismenol gegen Regelschmerzen: Ibuprofen. Diese "neuen" Schmerzmittel sind meist teurer. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Verpackung – oder eben die Frage an den Apotheker. Meist gibt es ein so genanntes Generikum, ein Präparat mit dem selben Wirkstoff aber einem geringeren Preis. So kann man für 500 mg Paracetamol 75 Cent oder 10 Cent ausgeben.
Gerade viel beworbene Bestseller enthalten oft mehr als einen Schmerzwirkstoff. Wenn es zu Nebenwirkungen kommt, ist es schwerer festzustellen, welchen der Wirkstoffe man nicht verträgt. Enthält das Mittel auch noch Koffein, wird es noch bedenklicher. Koffein regt an, putscht auf. Das erhöht die Suchtgefahr. Und beim Koffein-Entzug drohen wieder Kopfschmerzen - ein Teufelskreis, der fast nur bei Kombinationspräparaten beobachtet wird.
Stand: 30.03.2004
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