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Der "richtige" Patient

  • SendeterminDienstag, 30. März 2004, 21.00 - 21.45 Uhr .

Schmerzen bei Kindern

Foto: zwei Jungen betrachten eine Kamera. Einer der Jungen hat
keine Haare mehr.
Filipe und Felix profitieren von der guten Schmerztherapie der Kinderonkologie in Münster. Bei starken Schmerzen bekommen sie auch starke Medikamente z. B. Opiate

Bis vor wenigen Jahren galt Paracetamol bei Kindern als der geeignetste Wirkstoff, um Fieber zu senken und Schmerzen zu lindern. Vor einigen Jahren berichtete die Zeitschrift Stern über den Tod eines Mädchens. Die Fünfjährige hatte nach einer Mandeloperation zu viele Paracetamol Zäpfchen bekommen und starb an Leberversagen. Obwohl dieser wie auch andere Fälle mit Sicherheit auf massive Überdosierung zurückzuführen ist, ändern immer mehr Kinderärzte ihre Empfehlung. Ibuprofen, am besten als Saft, gilt heute als Mittel erster Wahl bei Kindern, die älter als drei Monate sind.

Trotzdem dürfen Eltern, wenn ihr Kind nachts fiebert, über Schmerzen oder Unwohlsein klagt, erst einmal ein Paracetamol Zäpfchen geben. Am nächsten Tag sollten sie dann zum Kinderarzt gehen. Wichtig ist, dass die Eltern die Symptome bei ihrem Kind kennen und sich genau an die Dosierungsempfehlung im Beipackzettel halten.

Schmerzskala
Grafik: beide Seiten der Schmerzskala

Mit Hilfe von Smileys können Kinder besser ausdrücken, wie stark ihre Schmerzen sind.

Indem Sie den Schieberegler bewegen, können Sie Ihr aktuelles Schmerzempfinden ausdrücken.

Wenn es nicht um Fiebersenken, sondern nur um die Linderung von Schmerzen geht, sollten Eltern Ibuprofensaft geben. Er wirkt gegen Schmerzen bei Entzündungen, besser als Paracetamol.

Gerade bei Viruserkrankungen kann  ASS das sehr seltene aber gefährliche Reye-Syndrom mit Hirnhautentzündung und Leberversagen auslösen. Die genaue Ursache dieser oft tödlichen Nebenwirkung ist noch nicht bekannt.

Paracetamol wirkt übrigens erst nach etwa einer Stunde. Nicht ungeduldig werden!

Auf keinen Fall dürfen Kinder ohne ärztliche Überwachung ASS einnehmen!

Schmerzmittel in Schwangerschaft und Stillzeit

Foto: Ein Embrio im Mutterleib
Über die Nabelschnur wirken viele Schmerzmittel auch beim Embryo

Viele Schwangere ertragen lieber einen Schmerz, als dass sie Nebenwirkungen für ihr Kind riskieren würden.

Bei heftigen oder chronischen Schmerzen müssen Schwangere und Stillende aber mit ihrem Arzt abwägen. Vielleicht ist es doch sinnvoller ein Schmerzmittel einzunehmen, als weiter zu leiden. Denn Schmerzen kosten Kraft. Energie, die auch dem Kind fehlen könnte.

Da Arzneimittel nicht bei Schwangeren getestet werden dürfen, greifen Hersteller auf alternative Labortests  z.B.  mit Tieren zurück. Leider sind Tier und Mensch gerade für diese Fragestellungen nicht immer vergleichbar. Deshalb dauert es oft Jahre, bis alle (leider auch schlimmen) Wirkungen eines Arzneistoffes auf das Ungeborene bekannt werden (Beispiel: Contergan). Je länger also ein Wirkstoff bekannt ist, desto mehr weiß man über die Folgen für Mutter und Kind.

Schwangere und Stillende sollten immer erst mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie ein Schmerzmittel einnehmen.

Allgemein gilt:

Paracetamol ist in jeder Phase der Schwangerschaft und auch während der Stillzeit Mittel der Wahl.

ASS, Ibuprofen, Diclofenac und einige andere nichtsteroidale Säureantiphlogistika/-rheumatika dürfen in den ersten zwei Dritteln eingenommen werden, wenn es nötig erscheint. Ab der 28.-30. Schwangerschaftswoche sollten all diese Wirkstoffe vermieden werden. Während der Stillzeit soll man lieber Ibuprofen als ASS einnehmen. Ibuprofen geht fast gar nicht in die Muttermilch über, ASS schon.

Opiate sollten in der Schwangerschaft nur bei sehr strenger Indikation gegeben werden; mit Morphin liegen hier die meisten Erfahrungen vor. Auch die Substitution mit Methadon ist in der Schwangerschaft möglich. Allerdings muss das Neugeborene dann wegen eines körperlichen Entzuges behandelt werden.

Schmerzen bei alten Menschen

Foto: Ein älteres Ehepaar geht Spazieren
Im Alter gibt es andere Risiken und Nebenwirkungen

Genau wie Kinder keine "kleinen Erwachsenen" sind, sind ältere Menschen nicht einfach "alte" Erwachsene. Wie sehr und welche Abläufe sich im Körper verändern und verlangsamen, ist schwer vorhersehbar.

Organe werden mit den Jahren "müde". In der Regel wirken Arzneimittel anders, da die Abbauorte Leber und Niere nicht mehr so rasch arbeiten. Einige Substanzen wirken so länger, andere später. NSAIDs  können z.B. die Nierenfunktion verschlechtern.

Auch der Magen ist nicht selten angegriffen. Während sich die Magenschleimhaut bei jungen Menschen noch recht schnell nach einer sauren Tablette erholt, schafft das manch betagter Magen nicht mehr so zuverlässig.

Wichtig ist es, Wechselwirkungen zwischen Schmerz- und anderen Medikamenten zu beachten – viele alte Menschen haben volle Pillendosen. Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker gezielt zu diesem Problem.

Stand: 30.03.2004


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