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Quarks & Co
Sendung vom 30. März 2004
Der "richtige" Patient
Bis vor wenigen Jahren galt Paracetamol bei Kindern als der
geeignetste Wirkstoff, um Fieber zu senken und Schmerzen zu
lindern. Vor einigen Jahren berichtete die Zeitschrift Stern
über den Tod eines Mädchens. Die Fünfjährige
hatte nach einer Mandeloperation zu viele Paracetamol Zäpfchen
bekommen und starb an Leberversagen. Obwohl dieser wie auch andere
Fälle mit Sicherheit auf massive Überdosierung
zurückzuführen ist, ändern immer mehr
Kinderärzte ihre Empfehlung. Ibuprofen, am besten als Saft,
gilt heute als Mittel erster Wahl bei Kindern, die älter als
drei Monate sind.
Trotzdem dürfen Eltern, wenn ihr Kind nachts fiebert,
über Schmerzen oder Unwohlsein klagt, erst einmal ein
Paracetamol Zäpfchen geben. Am nächsten Tag sollten sie
dann zum Kinderarzt gehen. Wichtig ist, dass die Eltern die
Symptome bei ihrem Kind kennen und sich genau an die
Dosierungsempfehlung im Beipackzettel halten.
Mit Hilfe von Smileys können Kinder besser ausdrücken,
wie stark ihre Schmerzen sind.
Indem Sie den Schieberegler bewegen, können Sie Ihr aktuelles
Schmerzempfinden ausdrücken.
Wenn es nicht um Fiebersenken, sondern nur um die Linderung von
Schmerzen geht, sollten Eltern Ibuprofensaft geben. Er wirkt gegen
Schmerzen bei Entzündungen, besser als Paracetamol.
Gerade bei Viruserkrankungen kann ASS das sehr seltene
aber gefährliche Reye-Syndrom mit Hirnhautentzündung und
Leberversagen auslösen. Die genaue Ursache dieser oft
tödlichen Nebenwirkung ist noch nicht bekannt.
Paracetamol wirkt übrigens erst nach etwa einer Stunde. Nicht ungeduldig werden!
Auf keinen Fall dürfen Kinder ohne ärztliche Überwachung ASS einnehmen!
Viele Schwangere ertragen lieber einen Schmerz, als dass sie
Nebenwirkungen für ihr Kind riskieren würden.
Bei heftigen oder chronischen Schmerzen müssen Schwangere und
Stillende aber mit ihrem Arzt abwägen. Vielleicht ist es doch
sinnvoller ein Schmerzmittel einzunehmen, als weiter zu leiden.
Denn Schmerzen kosten Kraft. Energie, die auch dem Kind fehlen
könnte.
Da Arzneimittel nicht bei Schwangeren getestet werden dürfen,
greifen Hersteller auf alternative Labortests z.B. mit Tieren zurück.
Leider sind Tier und Mensch gerade für diese Fragestellungen
nicht immer vergleichbar. Deshalb dauert es oft Jahre, bis alle
(leider auch schlimmen) Wirkungen eines Arzneistoffes auf das
Ungeborene bekannt werden (Beispiel: Contergan). Je länger
also ein Wirkstoff bekannt ist, desto mehr weiß man über
die Folgen für Mutter und Kind.
Schwangere und Stillende sollten immer erst mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie ein Schmerzmittel einnehmen.
Allgemein gilt:
Paracetamol ist in jeder Phase der Schwangerschaft und auch
während der Stillzeit Mittel der Wahl.
ASS, Ibuprofen, Diclofenac und einige andere nichtsteroidale
Säureantiphlogistika/-rheumatika dürfen in den ersten
zwei Dritteln eingenommen werden, wenn es nötig erscheint. Ab
der 28.-30. Schwangerschaftswoche sollten all diese Wirkstoffe
vermieden werden. Während der Stillzeit soll man lieber
Ibuprofen als ASS einnehmen. Ibuprofen geht fast gar nicht in die
Muttermilch über, ASS schon.
Opiate sollten in der Schwangerschaft nur bei sehr strenger
Indikation gegeben werden; mit Morphin liegen hier die meisten
Erfahrungen vor. Auch die Substitution mit Methadon ist in der
Schwangerschaft möglich. Allerdings muss das Neugeborene dann
wegen eines körperlichen Entzuges behandelt werden.
Genau wie Kinder keine "kleinen Erwachsenen" sind,
sind ältere Menschen nicht einfach "alte"
Erwachsene. Wie sehr und welche Abläufe sich im Körper
verändern und verlangsamen, ist schwer vorhersehbar.
Organe werden mit den Jahren "müde". In der Regel
wirken Arzneimittel anders, da die Abbauorte Leber und Niere nicht
mehr so rasch arbeiten. Einige Substanzen wirken so länger,
andere später. NSAIDs
können z.B. die Nierenfunktion verschlechtern.
Auch der Magen ist nicht selten angegriffen. Während sich die
Magenschleimhaut bei jungen Menschen noch recht schnell nach einer
sauren Tablette erholt, schafft das manch betagter Magen nicht mehr
so zuverlässig.
Wichtig ist es, Wechselwirkungen zwischen Schmerz- und anderen
Medikamenten zu beachten – viele alte Menschen haben volle
Pillendosen. Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker gezielt zu diesem
Problem.
Stand: 30.03.2004
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